Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

6. Die Wirtschaft Aquincums im Spiegel der neuen Funde - 6.1. Lokales Gewerbe und Handel (Klára Póczy, Paula Zsidi)

6.1. LOKALES GEWERBE UND HANDEL Zur Zeit der Severer, die als seine Blütezeit gilt, war Aquincum als Hauptstadt das Verwaltungs­und müitärische Zentrum der Provinz Pannónia Inferior. Daneben gehörte die Siedlung mit ihren mehreren Zehntausend auf dicht bebautem Gebiet lebenden Einwohnern, ihrem regen Handel, ihrer entwickelten und exportfähigen Handwerk und ihrer Handwerksproduktion zu den größeren Provinzstädten des Imperium Romanum. Ihre Einwohner, die sich aus Elementen der einhei­mischen Bevölkerung und aus nahezu sämtlichen Teilen des Reiches stammenden Komponenten zusammensetzte, lebte in Siedlungsteilen mit unterschiedlicher Rechtsstellung. Doch gemeinsam bildeten sie — die Zivilstadt, die Militärlager, die Canabae, die Villen und Gutshöfe sowie die Dör­fer am Stadtrand - die Siedlung Aquincum. Die militärisch-politischen Veränderungen wäh­rend der Römerherrschaft zogen Veränderungen im Wirtschaftsleben, in der Handels-, Industrie ­und Gewerbetätigkeit sowie in der landwirtschaft­lichen Produktion nach sich. Eine Aquincum betreffende oder von hier aus geführte militärische Operation bzw. ein größerer Barbareneinfall waren von unmittelbarem Einfluss auf das Wirtschafts­leben der Stadt. Es genügt schon, sich einmal die raschen und tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen nach den unter der Herrschaft des Mark Aurels geführten Markomannenkriegen anzuschauen, oder die Auswirkungen des großen Barbareneinfalls Mitte des 3. Jahrhunderts auf den Geldverkehr zu untersuchen. Auch diese Beispie­le zeigen, daß - im Gegensatz zur friedlichen, lange Zeit in Anspruch nehmenden, langsamen Umwandlung der Produktionstätigkeit in Städten anderer, ferner vom römischen Grenzgebiet gele­gener Provinzen — für die Wirtschaft Aquincums, ihre Industrie- und Gewerbeproduktion schnelle und selbst den lokalen Schwankungen der militä­rischen oder politischen Lage unterworfene Ver­änderungen kennzeichend waren. Diese konnten jedoch von den in der Wirtschaft des Imperiums allgemein vor sich gehenden Abläufen nicht unab­hängig sein. Zusammenfassende Informationen über das Wirtschaftsleben, den Handel, die lokale Indus­trie- und Gewerbetätigkeit in Aquincum enthält das 1942 erschiene Grundlagenwerk von Lajos Nagy (L. NAGY 1942/1, 651-669). In diese Publikation flössen sämtliche Ergebnisse der systematischen, nach der Mitte des letzten Jahr­hunderts angelaufenen Aquincum-Forschung ein. Tibor Nagy ergänzte diese Arbeit mit den neuen Ergebnissen der danach folgenden 30 Jahre (T. NAGY 1973). Als bislang einzige fremdsprachliche Zusammenfassung zu dem Thema erschien 1968 die Arbeit von János Szilágyi (SZILÁGYI 1968). Die im seither verstrichenen Zeitraum durch­geführten archäologischen Ausgrabungen haben unsere bisherigen Kenntnisse weiter bereichert. Neue Werkstätten kamen zum Vorschein, neue Befunde über die lokale Produktion einzelner Handwerkszweige und die Handelsbeziehungen Aquincums wurden bekannt. Uber Teilergebnisse dieser Forschungen informieren die Publikationen der letzten Jahre: Terra Sigillata (u. a. GABLER 1991, GABLER 1993, GABLER 1999/1, GAB­LER 1999/2, GABLER 2002), glasierte Keramik (BÓNIS 1990, TOPÁL 1993/2, BUGÁN 2002/1), lokale Keramikherstellung (PÓCZY-ZSIDI 1992, VÁMOS 2002), handgeformte Gefäße (HOR­VÁTH 1999), Glasware (BARKÓCZI 1988), Bronzegefäße (K. SZABÓ 1990), Bronze- und Eisengeräte (SZIRMAI 1986, SZIRMAI 1988, SZIRMAI 1990/2, SZIRMAI 1994, SZIRMAI 1995/1-2, SZIRMAI 1999/1), Beinschnitzerei (BÍRÓ 2000), Schmuck und Gemmen (Aquincum 1995, GESZTELYI 1998), Gagatimport (ALLA-

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