Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.2. Die Frage des „militärischen Territoriums" (Paula Zsidi)
271, 278, Abb. 1). Der Ausgangs- oder Endpunkt des Grabens ist noch ungeklärt, so dass sich vorerst auch nichts über seinen Charakter (ein Donau-Arm: FÜLEKY-MÁRITY 1998, 242-244, oder ein das Wasser der nahegelegenen Quellen ableitender Graben) sagen läßt. Auf Grund der hier geborgenen Funde ist jedoch wahrscheinlich, daß der Graben zumindest in einer bestimmten Periode der Römerzeit (hauptsächlich vom Anfang des 2. bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts) als offener Wasserlauf existiert hat. Das andere bestimmende Element der Topographie des Gebietes war das Straßennetz (FACSÁDY 1996, 14, Abb. 3; HABLE 2002, 278, Abb. 1). Die größte Bedeutung unter den freigelegten Straßenabschnitten kam der Limesstraße zu, deren Trasse in der behandelten Forschungsperiode an einer Stelle identifiziert werden konnte (HABLE 2003). 4 Die Bedeutung der im Großen und Ganzen parallel zur Limesstraße, auf dem Hügelabhang westlich von dieser verlaufenden Straße ergibt sich aus den beiderseits der Straße angelegten Friedhofsparzellen und Gräbern (HABLE 2002, 269-271). Auf längeren Gebrauch deuten ein kleines Stück eines nordsüdlichen Straßenabschnitts, das zwischen den beiden oben erwähnten Straßen freigelegt wurde, sowie der im rechten Winkel von der Limesstraße abbiegende und zum Südtor des Amphitheaters führende Straßenabschnitt hin (HABLE 2002, 272). Die Verbindung zu dem Gebiet westlich der Limesstraße stellten vermutlich die in diesem Gebiet aufgedeckten kleineren ostwestlichen Straßenabschnitte her (FACSÁDY 1996, 16-17). Da die Chronologie der Benutzung der Straßen noch nicht ganz geklärt ist, kann man auch das Netz der Verkehrsadern vorerst nicht rekonstruieren. Als bestimmende Elemente der Topographie sind außerdem die im mittleren Teil des betreffenden Gebiets freigelegten bzw. beobachteten Abschnitte einer Wasserleitung zu betrachten. Die der nordsüdlichen Straße in 10 bis 15 m Abstand und über eine längere Strecke folgen4 Sowie die Grabung von K. Szirmai 1989, Plan 7, Nr. 2. de, in mehreren Details freigelegte Leitung kann auf Grund ihrer Konstruktion (BERTIN 1997, 21-23) und Ausdehnung eindeutig als Teil eines öffentlichen Leitungsnetzes gedeutet werden. Die andere Wasserleitung verlief westlich davon, den Beobachtungen zufolge parallel zu dieser, am höchsten Punkt des Hügelabhangs und ebenfalls in nordsüdlicher Richtung (HABLE 2002, 271). Ihre Konstruktion wich von der der östlicher gelegenen Leitung ab. Doch da der kurze aufgedeckte Abschnitt nur wenige Beobachtungen ermöglichte, ist die Frage nach dem Charakter bzw. der Funktion nicht zu entscheiden. Möglicherweise ist die ältere Wasserleitung durch die fortgesetzte Erosion, der sie am Hügelabhang ausgesetzt war, zu einem späteren Zeitpunkt „abgerutscht". Es ist aber auch nicht auszuschließen, daß es sich bei dem hier ans Tageslicht gelangten Abschnitt um einen Nebenzweig der Wasserleitung, eventuell zur separaten Nutzung, handelt. Eine Wasserleitung war in der frühen Periode für die hier ausgeübte handwerkliche Tätigkeit (Töpferei) ebenso wichtig wie im späteren Zeitraum für den Bau des in der erwähnten Inschrift genannten Bades, das zwar noch nicht identifiziert werden konnte, mit dessen Auffindung in der Nähe des behandelten Gebiets jedoch zu rechnen ist. Diese Wasserleitung (en) hat (haben) höchstwahrscheinlich das Wassser der auf der nahen Kisceller Terrasse entspringenden und zum Teil noch heute fließenden Quellen befördert. Einheitlich sind im ganzen Gebiet vom Amphitheater bis zur Linie des Szépvölgyi árok die Siedlungsspuren des 1. Jahrhunderts anzutreffen (HABLE 1996, 34; FACSÁDY 2001/2, 16-18). Mitunter erschienen die Pfosten bzw. Grubenobjekte sogar in mehreren Schichten, ihre Anlage und das ans Tageslicht gelangte Fundmaterial deuten auf die in der Siedlung ausgeübte Gewerbetätigkeit hin (HABLE 2002, 270). Im südlichen Teil des Gebiets wurden die frühen Bauten aus Lehmziegeln bzw. mit Holzkonstruktion schon an der Wende vom 1. zum 2. Jahrhundert von Steinbauten abgelöst (FACSÁDY 1996, 16-17; FACSÁDY 1999/1, 21), während man im nördlichen Teil, am Ostrand der über den Hang ver-