Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)
5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.1. Die Gräberfelder von Aquincum (Judit Topál)
Schließlich gab es noch das östliche Gräberfeld der Zivilstadt, das sich im Gebiet zwischen der östlichen Stadtgrenze (Töpferwerkstatt) und der Donau ausdehnte. Bereits 1830 kamen hier bei Erdarbeiten vier Sarkophage zum Vorschein. 29 Im Jahr 1892 fand eine kleinere Rettungsgrabung statt, 30 die weitere 13 Gräber zu Tage förderte, teilweise mit sekundär verwendeten Relief- und Inschriftdenkmälern. 31 Zwischen 1909 und 1913 wurden beim Bau der Gasfabrik nahezu 100 Gräber dieses spätrömischen Gräberfeldes aufgedeckt. Allerdings leider nur die Steinkisten 32 und Ziegelgräber, während die Erdbestattungen unberücksichtigt blieben. Ein Teil der Gräber umgab ein mit Apsis versehenes Gebäude, das vielleicht eine frühchristliche basilica coemeterialis gewesen sein könnte (L. NAGY 1942/1, 469, 770, Abb. 39). Bei den in jüngster Zeit fortgesetzten Rettungsgrabungen kamen wiederum einige Gräber ans Licht, die Beobachtungen zufolge zur südlichsten Gruppe des Friedhofs gehört haben dürften (ZSIDI 2001/1). Im Rahmen dieser Freilegung wurde die frühere Beobachtung, nach der die Benutzung des Ostfriedhofs Anfang des 3. Jahrhunderts einsetzte, erneut fraglich, da man hier auch eine Gruppe mit ins 2. Jahrhundert datierbaren Brandschüttungsbestattungen vorfand. Die spätesten Gräber der Bewohner der Zivilstadt stammen vom ausgehenden 4. Jahrhundert und sind im Allgemeinen am Fuße der Stadtmauern zu finden. Diese Bestattungen, zumeist mit ärmlichen Beigaben, künden von immer unsicherer werdenden Zuständen bzw. von einem radikalen 29 Sas, Jahrg. 1831, 130-132. 30 B. Kuzsinszky, Római kori temető Aquincumban [Römisches Gräberfeld in AquincumJ. ArchErt 12 (1892) 446 ff. 31 Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.32 = Kuzsinszky ArchÉrt 17 (1897) 78 und Abb., Inv. Nr. 64.10.32 = Kuzsinszky ArchÉrt 17 (1897) 93, Inv. Nr. 66.11.12 = Kuzsinszky ArchÉrt 17 (1897) 104 und Abb. = NÉMETH 1999/2, Nr. 144, aber mit dem Fundort Aranyárok, Inv. Nr. 66.11.21 = Kuzsinszky ArchÉrt 17 (1897) 88, Inv. Nr. 63.10.136 = NÉMETH 1999/2, Nr. 53, mit Literatur. 32 Meistens ebenfalls mit sekundär verwendeten Inschriften, z. B. aus Grab 46 = Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.4 = KUZSINSZKY 1934, 167, 340. Rückgang der Bevölkerungszahl. Bei den Ausgrabungen der letzten Jahre kamen jedoch nahe der südlichen Stadtmauer der Zivilstadt (Záhony u. - Szentendrei út) zwei Teile eines Gräberfeldes größerer Ausdehnung zu Tage 33 (ZSIDI 1998/2). In einem aus Steinplatten zusammengestellten, mit Mörtel luftdicht verschlossenen Kindergrab (ZSIDI 1999/5) und in den weniger zerstörten Ziegel- und Erdbestattungen fanden sich in erster Linie Glasund Münzbeigaben, die von der Ende des 4. Jahrhunderts hier lebenden Einwohnerschaft zeugen. Bestattungen im Territorium der Stadt Die vom Territorium der Stadt bekannten Gräber findet man in verschiedenen Mitteilungen von Lajos Nagy (L. NAGY 1935/2, L. NAGY 1937/1, 269, 274; L. NAGY 1945, 535 ff). Die frühesten Begräbnisstätten gehörten zu den vicusartigen Siedlungen, z. B. Solymár (außerhalb des Budapester Stadtgebiets, KOCZTUR 1991) oder im StadtteÜ Csúcshegy 34 sowie in der Aranypatak u. 35 Jedes dieser Gräberfeldteile zeigt im Hinblick auf Bestattungsbräuche, Tracht und Gebrauchsgegenstände eine starke Bindung an die lokale keltische Einwohnerschaft. In jüngster Zeit kamen 17 Gräber in einem geschlossenen ummauerten Grabbezirk einer Villa zum Vorschein, und zwar entlang der bisher als Hofmauer der Villa interpretierten Steinmauer. Etwa die Hälfte der in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts angelegten Bestattungen waren Brandschüttungsgräber mit ärmlichen Beigaben, die andere Hälfte Körperbestattungen. An der Frontseite des ummauerten Grabgartens regelmäßiger Form mag ein prächtiges Grabmal gestanden haben, von dem nur das massive Fundament erhalten blieb (ZSIDI 1999/3). Der 1983 beim Bau der Wohnsiedlung Gazdagrét am Westrand von Budapest (XI. Bezirk) 33 Bislang etwa 6, meist zerstörte Gräber aus den 3. Jh. und 13 ebenfalls mehr oder weniger beraubte Körperbestattungen aus den 4. Jh. 34 Vorläufiger Bericht von M. Németh und K. Szirmai in: BudRég 23 (1973) 261. 35 Notgrabung E. Márity 1993, Plan 7, Nr. 56.