Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.5 Nutzung der zur Siedlung gehörenden Gebiete - 5.5.1. Die Gräberfelder von Aquincum (Judit Topál)

verdient der Sarkophag der Aelia Sabina,^ die dem Text der Inschrift zufolge im Orgelspiel sogar ihren Mann übertraf. 17 Von dem sog. Gräberfeld Raktárrét (Magazinsried), das gegen­wärtig unter dem Namen Kaszásdűlő-Raktárrét geführt wird, sind bislang rund 470 birituelle Bestattungen bekannt, auf deren Grundlage die Gräberfeldbenutzung rekonstruiert werden konnte (ZSIDI 1990/1, ZSIDI 1996-1997). Die Brand­bestattungen des 2. Jahrhunderts sind zumeist in weitläufig angelegten Familiengrabgärten zu fin­den. Zwischen den einzelnen Gräbergruppen ver­laufen steingepflasterte Gehwege. Vom Ende des 2. Jahrhunderts an nimmt man auch in diesem Friedhof überwiegend Körperbestattungen vor. Doch Mitte des 3. Jahrhunderts wird der Platz immer enger, und nicht selten kommt es vor, daß Verstorbene in vier bis fünf Schichten überein­ander bestattet sind. Wahrscheinlich aus diesem Grund beginnt man im 4. Jahrhundert, auch den bis dahin vermutlich in Vergessenheit geratenen Gräberfeldteil des 2. Jahrhunderts wieder zu nut­zen. In der Grabparzelle D (ZSIDI 1996-1997, 38-40, Abb. 2-3) sind mehrere frühchristliche Gräber zu vermuten (ZSIDI In: Christentum 2000, 33-34, Abb. 27-28). Die letzten Gräber am Nordrand der Begräbnisstätte stammen aus den Jahren um 370 n. Chr. Es sind hauptsächlich Männergräber mit ärmlichen Beigaben. Danach gab man das Gräberfeld ganz auf. Südlich des Gräberfeldes Kaszásdűlő-Raktárrét, nicht weit von der Südseite der Diagonalstraße entfernt, erschienen mit der Verkleinerung des bewohnten Gebietes ebenfalls Bestattungen (L. NAGY 1937/1, 266, 268, 273). In dem an der Bogdáni út freigelegten spätrömischen Gräberfeld (PARRAGI 1963) kamen im vergangenen Zeit­raum nur sporadisch einige Gräber zu Tage. 18 Auch auf der Ostseite der in nördlicher Rich­tung aus der Militärstadt führenden Straße, nahe zur Donau, stieß man schon sehr früh auf eini­16 Lapid. Aq. Inv. Nr. 63.10.138 = CIL III 10501; J. Hampel, Aquincumi sírvers. ArchÉrt új foly. 2 (1882) 121 ff. 17 Deutsche Übersetzung der Inschrift s. im Abschnitt „Musik­denkmäler aus Aquincum" (7.3.). 18 Grabung I. Wellner 1972, Plan 2, Nr. 11. ge Bestattungen. 19 Die Struktur des Gräberfeldes wurde allerdings erst mit den Ausgrabungen der letzten zehn Jahre bekannt. Das auf der Linie der heutigen Ladik utca gelegene, aus sowohl Brand- wie auch Körperbestattungen enthalten­den Grabumfassungen bestehende Gräberfeld war nur zeitweilig, von der Wende 1—2. bis zum Ende des 2. bzw. Anfang des 3. Jahrhunderts, in Benutzung (ZSIDI 1997[1998]). Auf Grund der hier gefundenen Architekturfragmente wurde die hypothetische Rekonstruktion eines der zu dem Gräberfeld gehörenden Grabdenkmäler möglich (ZSIDI 1997/2). Zwischen 1967 und 1974 kam etwa 300 m nördlich vom Gräberfeld Kaszásdűlő-Raktárrét, durch einen natürlichen Wasserlauf (Radi Graben) von diesem getrennt, an der Westseite der Limes­Straße (zur Zeit der Ausgrabungen in der Benedek Elek u. und deren Umgebung) ein weiteres aus­gedehntes Gräberfeld ans Licht. Hier konnten im Zuge der Bauarbeiten einer Industrieanlage 727 Bestattungen aufgedeckt und geborgen werden. 20 Die Gräber lagen in einer Tiefe von kaum 30 cm, da man die darüber befindliche, nur zu landwirt­schaftlichen Zwecken genutzte Bodenschicht zum Bau des oben erwähnten Filatori Dammes (Füato­rigát) abgetragen hatte. Die Mehrzahl der Bestat­tungen waren ins 2. Jahrhundert datierbare Brand ­schüttungsgräber. Die Kremation fand auf einem öffentlichen, gemeinschaftlichen Verbrennungsplatz (ustrinum publicum) statt und die Beisetzung der Uberreste erfolgte an anderer Stelle. Aber es gab darunter auch einige Verbrennungen direkt über der Grabgrube (busta). Aus dem 3. und. 4. Jahr­hundert kennen wir ein paar Steinplatten- und Ziegelplattengräber, die jedoch meist gestört waren. Während die Süd- und Westgrenzen der Nekropole heute bekannt sind, ist die nördliche Ausdehnung des Gräberfeldes in Richtung Zivüstadt Aquincum vorerst noch ungeklärt. Vor dem Bau einer Wohn­siedlung vorausgehend untersuchte man 1977-80 das sumpfige Gebiet zwischen dem Gräberfeld und 19 F. Römer, Egyveleg. ArchÉrt 2 (1869) 41^t4, 65-68, 91-94. 20 Grabung M. Kaba 1970, Plan 1, Nr. 12 bzw. 1971, Plan 1, Nr. 28.

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