Póczy Klára: Forschungen in Aquincum 1969- 2002 (Aquincum Nostrum 2. Budapest, 2003)

5. Die neuen Ergebnisse der topographischen Forschungen - 5.4. Die Zivilstadt von Aquincum - 5.4.4. Neue Elemente in der Topographie der Zivilstadt von Aquincum - 5.4.4.3. Öffentliche Gebäude und Wohnhäuser außerhalb des Stadtzentrums (Paula Zsidi)

nur gegenständliche Denkmäler, Götterskulpturen bzw. Inschriften daran, daß in dem einen oder anderen Gebäude auch religiöse Handlungen vor­genommen wurden, wie im Falle des im Macel­lum ans Tageslicht gelangten Minerva-Reliefs zu sehen war. 2 Auch die vorangehende Forschungs­periode brachte in dieser Hinsicht nur wenig neue Ergebnisse. Die Anfang der neunziger Jahre in der östlichen Nachbarschaft der Basilika durch­geführten Ausgrabungen 3 haben die Existenz des bei einer früheren Grabung von János Szüagyi ans Tageslicht gelangten Heiligtums einheimischer Prägung - mit einer viereckigen Cella und für die Götterstatuen errichteten Sockeln - bestätigt. 4 Ausgehend teils von den Inschriftdenkmälern und teils von den aus dem Opferbrunnen und dessen Umgebung stammenden Funden brachte die Aus­gräberin das Heiligtum, dessen aus einer Holz­konstruktion bestehender Vorläufer ebenfalls ans Licht kam, mit dem Diana-Kult in Verbindung. Und Dank der Nachgrabungen in den siebziger Jahren wurde auch ein kleines S ilvanus-Heiligtum identifiziert, das an die nordsüdliche Ladenreihe grenzte (PÓCZY 1995, 474). Der ab dem letzten Drittel des 2. Jahrhun­derts auch in der Zivilstadt Anhänger findende Mithras-Kult hat uns dagegen relativ viele Bau­denkmäler hinterlassen. 5 Im bislang freigelegten Gebiet der Zivilstadt sind auf Grund der früheren Grabungsergebnisse bereits die Reste von vier Mithras-Heiligtümern bekannt oder identifizierbar, und zwar in nahezu geradliniger Verteilung pro Bezirk. Drei davon standen in fast gleicher Ent­fernung von der nordsüdlichen Hauptstraße, die in Richtung Donau abschüssigen Geländebedin­gungen gleichermaßen ausnutzend. Außerdem bot sich im vorangehenden Forschungszeitraum die Möglichkeit, bei einer Nachgrabung das in der 2 S. den Abschnitt „Wasserver- und entsorgung und die Gebäude des Stadtzentrums" (5.4.4.2.). 3 Grabung E. Márity 1992, Plan 7, Nr. 33. und 1993, Plan 7, Nr. 46. 4 Vorläufiger Bericht von J. Szilágyi: BudRég 23 (1973) 267. 5 S. den Abschnitt „Ägyptische und orientalische Götter und Kulte" (8.3.). Nähe der südlichen Stadtmauer stehende Sympho­rus-Mithräum zu untersuchen (ZSIDI 2002/3). Geodätische Aufnahmen, die im Rahmen der mit der Wiederherstellung verbundenen Freilegung in beschränktem Rahmen vorgenommen wurden, haben die frühere Periode des Heiligtums bestä­tigt. Hinsichtlich seiner späteren Nutzung ver­mutet man beispielsweise, daß das Gebäude eine Zeit lang als inoffizielle Prägestätte gedient haben könnte (PÓCZY 1991/1). Kollegiensitze Von der Existenz der Kollegien in Aquincum künden bereits Angaben vom Ende des 1. Jahr­hunderts, namentlich Inschriften, die in dem westlich der Zivilstadt gelegenen Gräberfeld zum Vorschein kamen. Demnach muss es unter den am frühesten errichteten öffentlichen Bauten der Zivilstadt auch Kollegiensitze gegeben haben. Längs der nordsüdlichen Hauptstraße stieß man bei den Forschungen bislang auf zwei von Kol­legien genutzte, große öffentliche Gebäude. Eines davon, das auf der Südseite der das macellum im Süden begrenzenden Nebenstraße stehende Bau­werk, zeigte die charakteristische Grundrissanord­nung mit einem großen, von Pfeilern gestützten Empfangssaal und kleineren Räumen (PÓCZY 1991/2, 38). Wesentlich mehr wissen wir über den Sitz des Feuerwehrkollegiums, bei dessen Freilegung im Jahre 1930 ein weltweit berühmt geworde­nes Instrument, die Wasserorgel von Aquincum, ans Licht kam (L. NAGY 1934/2). Die bron­zene Inschrifttafel der Orgel ermöglichte es, die Funktion des Gebäudes zu bestimmen, und bei kleineren Grabungen konnte in der zurückliegen­den Forschungsperiode auch der schon ältere Grundriss etwas ergänzt werden (ZSIDI 1997/4, ZSIDI 1998/4). Der Sitz des Feuerwehrkollegi­ums erhob sich neben dem südlichen Stadttor, an der Innenseite der Stadtmauer. Nach den frühe­ren Grabungen wurden ca. 70 % des Gebäudes bekannt. Im jetzt behandelten Forschungszeitraum gelang es, den Toreingang bzw. die östlich davon gelegenen Räumlichkeiten sowie den östlichen

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