Budapest Régiségei 40. (2007)
TANULMÁNYOK - Nagy Margit: Kora népvándorláskori sírleletek Budapest területéről = Grabfunde aus der frühen Völkerwanderungszeit im Gebiet von Budapest 95
NAGY MARGIT Mann von Rommersheim hatte man einen besonders reich mit je zwei Pferdeköpfen verzierten Kamm mit Futteral geschaffen. Die Zierden an der Schwertscheide von Rommersheim hat Kurt Böhner mit den Almandineinlagen aus dem ChilderichGrab und Grab 2 von Apahida verglichen, Wilfried Menghin hat sie zur Gruppe der alamannischen Schwerter des 5. Jahrhunderts mit Flachzellenverzierung und ostgermanischem Charakter gerechnet (zusammen mit den Schwertern von Tournai, Pouan und Flonheim Grab 5) und auf die Zeit um 450 datiert. Hinzugefügt sei, daß das einseitige Kammfragment des mit Spatha bewaffneten Mannes von Tarnaméra-Urak dűlője auf einen dem von Rommersheim ähnelnden Typ mit gebogenem Rand schließen läßt (Abb. 18.2); es ist nicht unmöglich, daß auch dieser Kamm ursprünglich Tierkopfverzierung gehabt haben kann. Unter den von den Fundorten Sens (Abb. 18.7), unbek. Fo. (Louvre) (Abb. 18.12), Rommersheim (Abb. 18.4), Rannersdorf (Abb. 18.5), Enns (Abb. 18.13), Trier (Abb. 18.6), Szőny (Abb. 18.8), Gärvan (Abb. 18.9), Kupinovo (Abb. 18.11), Karatas (Abb. 18.10) und Cortrat registrierten Kämmen mit Pferdeköpfen steht des Exemplar von der Budafoki út typologisch am Anfang der Reihe. Die auf der rechten Schulter getragene Bronzefibel aus dem Grab der Budafoki út (Abb. 15.2), die das Obergewand oder den Mantel zusammenhielt, gehört zur mitteleuropäischen Serie der eingliedrigen Fibeln mit umgebogenen Fuß. Der Typ erschien im Donaugebiet, in Pannonién und bei den Sarmaten am Ende des 2. Jahrhunderts und wurde ununterbrochen über zwei Jahrhunderte verwendet. Die jüngsten sind die in die ersten beiden Drittel des 5. Jahrhunderts zu datierenden Exemplare mit gravierter Verzierung, bei denen sich die Proportion von Bügel und Fuß zugunsten des letzteren verschiebt: dazu gehören z. B. die Fibel des Wolfsheimer Grabensembles, die Fibeln von Smolin Grab XXXII und die Belgrader Fibeln. Bezüglich ihrer Proportion gehört die Fibel der Budafoki út eher zur Serie des 4. Jahrhunderts; doch finden sich die Parallelen der sich auf dem Bügel und Fuß lang hinziehenden kreisförmigen Gravierung bereits auf Fibeln des 5. Jahrhunderts: z. B. auf dem Bügel der großen silbervergoldeten Fibel von Tiszacsege und an der Seite des Bügels der silververgoldeten Fibel von Blucina. Die Besonderheit der Bronzeschnalle der Budafoki út (Abb. 15.7) besteht in dem dicken, dachförmigen Schnallendorn. Ähnlich geformte silberne Gürtelschnallen trugen die Damen mit Goldblechfibeln mit Edelsteineinlage oder mit Silberblechfibeln, z. B. die von Air an, Mád und Katschin. Über die ethnische Zugehörigkeit der in der Budafoki út bestatteten älteren Frau kann nur gesagt werden, daß die Gegenstände, die sie benutzte und trug, in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts, vor oder während der Hunnenbesetzung der Provinz, in den 420-430er Jahren entstanden und ostgermanischen Charakters sind. Es hatte sich auch bisher schon herausgestellt, daß die Provinzialbewohner auf der Budaer Seite vor der Hunnenbesetzung mit Gruppen barbarischer Herkunft zusammenlebten. Die beim Grab in der Budafoki út beobachteten Bestattungsbräuche, die Frauentracht mit Fibel und Gürtelschnalle repräsentieren eine Gruppe der ostgermanischen Zuwanderer auf der Budaer Seite. Aufgrund der Analyse der jetzt behandelten drei Gräber aus der frühen Völkerwanderungszeit können in bezug auf die ethnischen Verhältnisse vor der Hunnenzeit keine allgemeingültigen Folgerungen gezogen werden. Auf die gemischte Zusammensetzung der Bewohner des Donauknies im 5. Jahrhundert weist hin, daß die Gräber keinerlei Ähnlichkeit verbindet; sie sind in den Bestattungsbräuchen und der Tracht völlig unterschiedlich. Es hat den Anschein, daß an der Wende des 4./5. Jahrhunderts die Militärstadt Aquincums nicht völlig entvölkert war und im S-Teil des westlichen Gräberfeldes der Bécsi út Bestattungen stattfanden. Aufgrund der Rekonstruktion eines besonders geformten Kammfragments können wir den Schluß ziehen, daß auch die N-Parzelle des römischen Gräberfeldes in den ersten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts genutzt wurde (Abb. 19.4). Der Obudaer/Altofner Goldschmuck (Abb. 19.1-2) sowie der Silberkrug mit gerippter Wand vom Kapucinus domb und der Obudaer Silberkrug mit Kragenrand (Abb. 19.3) repräsentieren das Vermögen der hunnenzeitlichen obersten Führungsschicht. Ritus und Tracht östlicher Herkunft, typisch für die hunnischen Eroberer, lassen sich vorerst nur auf der Pester Seite, am Rakos-Bach, bei dem Männergrab von Zugló nachweisen (Abb. 19.4.12). Der eingeglättete Krug aus dem Awarengrab von Csepel gelangte ursprünglich - seinen Parallelen aus dem 5. Jahrhundert gemäß - als Beigabe eines hunnenzeitlichen bewaffneten Mannes in die Erde (Abb. 19.4.11), auch wenn man nicht wissen kann, wo die Csepeler Awaren auf dieses Grab gestoßen waren. Erst eine Zunahme der Funde dieser Periode und authentischer Beobachtungen kann die Möglichkeit garantieren, daß wir die ethnische Zusammensetzung der hunnenzeitlichen Bevölkerung Aquincums und des gegenüberliegenden Donauufers erschließen können. 132