Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)

Jerem Erzsébet - Metzner Nebelsick, Carola: Eine außergewöhnliche Grabausstattung aus dem urnenfelderzeitlichen Gräberfeld von Sopron-Krautacker = Egy különleges síregyüttes a Sopron-krautackeri urnamezős temetőből 313-325

ERZSÉBET JEREM - CAROLA METZNER NEBELSICK ihren verschiedenen Varianten eine lange Laufzeit in­nerhalb der Urnenfelderzeit. 16 Die gerundeten Rip­pen weisen die Nadel aus Grab 127 von Sopron-Kra­utacker als zur jüngeren Form nach Rihovsky gehörig aus, die am Übergang von der mittleren zur jüngeren Urnenfelderzeit aufkommt, aber auch noch in jünge­ren Zusammenhängen belegt ist (ebd. 98 f.). An einer Datierung des Grabes 127 in die Stufe HaBl bzw die jüngere Urnenfelderzeit ändert sich dadurch nichts. Es fällt auf, daß keine Parallele aus dem westlichen Ungarn bekannt ist. 17 So fehlt dieser Nadeltyp bei­spielsweise auch im Nadelprogramm des Hortes von Romand im Komitat Veszprém, 18 der ebenfalls in die HaBl Stufe zu datieren ist. 19 Schon Rihovsky hatte be­tont, daß es sich bei den Kolbenkopfnadeln um eine Form handelt, die vom Ostseegebiet, d. h. von Meck­lenburg bis Ostpreußen, über das Odergebiet, Groß­polen, Brandenburg, Sachsen, die Lausitz bis Böhmen und Mähren verbreitet ist (ebd. 99-100). Gern wird dieser Kommunikationsweg mit dem vorgeschichtlichen Bernsteinhandel in Verbindung gebracht und findet in der archäologischen Literatur auch unter dem Begriff „Bernsteinstraße" Erwäh­nung. 20 Vor allem Z. Bukowski hat sich wiederholt mit dieser Problematik auseinandergesetzt. 21 In erster Li­nie werden dabei jedoch Kontaktwege angenommen, die sich erst in der Hallstattzeit in signifikanter Weise durch den Fund von Bernstein in südostalpinen und italischen Gräbern am archäologischen Befund dar­stellen lassen. 22 Vermutlich gründet sich diese spätere Kontaktroute auf ältere, bronzezeitliche Strukturen, die nicht notwendiger Weise mit dem Austausch von Bernstein gegen andere Produkte in Verbindung ge­bracht werden müssen. Gerade in Bezug auf das Ver­io RíHovsKt 1979. 95 ff.; Taf . 27-28 17 ÉÍHOVSK*l983 18 NÉMETH-TORMA 1965. Taf. 18-23 19 Auf die durchaus kontrovers diskutierte chronologische Ein­schätzung dieses Depotfundes möchten wir an dieser Stelle nicht ausführlich eingehen. In der Mehrheit wird er als HaB2-zeitlich angesehen. A. Mozsolics wählte ihn zum Leitfund eines mit dieser Zeitphase Müller-Karpes parallelisierten Depotfundhori­zontes MOZSOLICS 1985; dies. 2000. Analog zu den Schwertern gilt, daß auch in Transdanubien innerhalb der Stufe Haß keine Dreiteilung vorzunehmen ist. Vielmehr gruppieren sich einzelne Leitformen in unterschiedlichen Hortfundmustern. Romand gehört durch seinen hohen Brucherzanteil, die Gußkuchen wie auch die deponierten Funde selbst in einen HaBl-zeitlichen bzw. Hortfund-Horizont IV-zeitlichen Fundzusammenhang. Abwei­chungen gegenüber den Ausstattungen ostungarischer Horte, insbesondere der hohe Schmuckanteil z. B. an Nadeln sind dabei als regionale, nicht als chronologische Eigenart zu interpretieren. 20 MALINOWSKI 1971 21 Zuletzt BUKOWSKI 1990; 1990a und 1993, dort mit älterer Literatur. 22 Zu denken ist an die Bernsteinfunde aus hallstattzeitlichen Gräberfeldern in Slowenien wie Novo mesto (u. a. KNEZ 1993; KRIZ 2000) oder das norditalische Gräberfeld von Verruchio mit seinen eindrücklichen Bernsteinfunden (KATALOG VERUCCHIO 1994). breitungsbild der Kolbenkopfnadeln und einzelner Keramikformen des Lausitzer Repertoires, wie bei­spielsweise der Doppelkoni oder der Zylinderhals­amphoren ist eher an allgemeine Kontakte zwischen Oberschichten der betreffenden Gebiete zu denken. Die enge Verbundenheit der im Gräberfeld von Sopron-Krautacker in der Zeit um 1000 v Chr. bestat­tenden Gemeinschaft mit dem südmährischen Raum läßt sich vor allem auch anhand der Keramik dar­stellen. Exemplarisch soll hier im Vorgriff auf die end­gültige Publikation das Zylinderhalsgefäß aus Bestat­tung 127 von Sopron-Krautacker hervorgehoben werden. Für den Ostalpenraum und angrenzende Gebiete kann als ein Charakteristikum HaB-zeitlicher Kera­mikentwicklung die Kegelhalsbildung bei Großgefä­ßen beschrieben werden. 23 Diese Entwicklung setzt in Sopron-Krautacker nur sehr zögerlich ein, bzw. ist ge­rade Grab 127 ein Beispiel dafür, daß noch in der HaBl-Zeit Zylinderhalsgefäße, die als Leitform der äl­teren und mittleren Urnenfelderzeit anzusehen sind, in Gebrauch blieben. In dem bereits mehrfach im Zu­sammenhang mit den Metallfunden zitierten Gräber­feld von Klentnice ist das gleiche Phänomen zu beob­achten. In Grab 105 handelte es sich bei dem als Urne dienenden Großgefäß um ein Zylinderhalsgefäß. 24 Die kleineren Beigefäße lassen dagegen bereits Kegelhals­bildungen erkennen (ebd. Taf. 238,105c.g). In Grab 14 kommt ein Zylinderhalsgefäß u. a. zusammen mit zwei Mohnkopfnadeln vor (ebd. Taf. 4. 14). Wiederum diente das scheinbar „konservative" Gefäß als Urne, während die Beigefäße mit einer leichten Kegelhalsbil­dung bzw. einem flaschenförmigen Hals progressive Tendenzen erkennen lassen. Auch das bereits bei der Besprechung der Metall­beigaben herangezogene Grab 26 aus dem südmäh­rischen Gräberfeld von Oblekovice 25 bietet eine Parallele für das Großgefäß aus Sopron-Krautacker 127. Obwohl unkanneliert, stimmen der zylindrische Hals und der waagrecht ausbiegende Rand zweier Gefäße aus dieser Bestattung mit dem Großgefäß aus Grab 127 überein. In Grab 48 aus Budapest-Békásmegyer wurde ebenfalls ein Zylinderhalsgefäß in einem HaBl-zeitlichen Grab deponiert, wie die Reste einer Bronzetasse vom Typ Jenisovice-Kirkendrup erkennen lassen. 26 Es bleibt zu klären, ob es sich bei dieser Beobach­tung um ein bewußtes Festhalten an einer traditionel­len Form im Zusammenhang mit ihrer Verwendung als Aschenbehältnis handelt. Zwar wurde gerade die­se Funktion für die Bestattung 127 von Sopron-Kraut­23 u. a. STEGMANN-RAJTÁR 1992; NEBELSICK 1994; METZNER-NEBELSICK 1996 24 EiHOVSKf 1965. Taf. 238,105b 25 ËÎHOVSK* 1968. Taf. 10, A; JOCKENHOVEL 1971. Taf. 76B 2s KALICZ-SCHREIBER 1991.182 Abb. 15. 316

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