Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)

Moucha, Václav: Beitrag zum Erkenntnisstand der altbronzezeitlichen Dolche = Adatok a korabronzkori tőrök ismeretéhez 275-279

BUDAPEST RÉGISÉGEI XXXVI. 2002. VACLAV MOUCHA BEITRAG ZUM ERKENNTNISSTAND DER ALTBRONZEZEITLICHEN DOLCHE In den vergangenen Jahren sind altbronzezeitliche Dolche zum Interessengegenstand vieler Forscher geworden. Neben Gesamtarbeiten 1 sind Spezialstudi­en vorhanden, die sich mit Materialzusammenstel­lung, 2 Herstellungsdetails, 3 aber auch Beiträgen be­fassen, die auf ältere, schon früher publizierte Funde 4 zurückgreifen. Den altbronzezeitlichen Dolchen ist allerdings auch in weiteren Arbeiten die Aufmerk­samkeit gewidmet, welche sich mit der Problematik der älteren Bronzezeit befassen. 5 In diesem Beitrag möchte ich auf einen bisher un­bekannten Dolchtypus aus der älteren Bronzezeit hin­weisen, der - soweit bekannt - bis jetzt nicht be­schrieben wurde. Es handelt sich um einen Dolch mit verlängerter kantiger Griffangel, der vom geläufigen Schema alt­bronzezeitlicher Dolche abweicht. Er stammt vom Berg „Slánská hora" bei Slany, Bez. Kladno, Mittelböh­men. Fundbeschreibung: Der bronzene Dolch 6 mit ver­längerter kantiger Griffangel wurde höchstwahr­scheinlich in einer zweiteiligen Gussform abgegossen. Auf der Dolchklinge ist ein langes Dreieck angedeu­tet, das mit seinem Gipfel zur Kîingenspitze gerichtet ist. Die heute abgebrochene Klingenschneide wurde getrieben und mit der gleichen Technik wurde auch das Dreieck auf der Klingenfläche ausgeführt. Die 55 mm lange Griffangel stellt fast eine Hälfte der Gesam­tlänge des Gegenstandes dar (heute 120 mm, ur­sprünglich 130 mm), die Maximalbreite ist 32 mm. Es konnte kein Probemuster zwecks der chemischen Analyse abgenommen werden, weil der Gegenstand völlig korrodiert ist und der Metallkern nicht erhalten geblieben ist. Deponiert im Museum Slany, InvNr. 5355 (Abb. 1. 1). Die Fundumstände sind unbekannt. Man weiß lediglich, dass der Dolch sich in der Privatsammlung von MVDr. L. Behounek befand, der in den 30er Jahren vergangenen Jahrhunderts in Slany tätig war. Nach seinem Tod (1932) kam die Sammlung ins Hei­matkundliche Museum Slany. Der Fundort des Ge­1 VLADÁR 1974; GEDL 1980; GALLAY 1981; WÜSTEMANN 1995. 2 RUCKDESCHEL-RUCKDESCHEL 1987. 3 HUNDT 1971; GALLAY 1983. 4 KRAUSE 1988; SCHRÖTER 1999; DIVAC-SEDLÁCEK 1999; MOUCHA 1999. s RUCKDESCHEL 1978; KRAUSE 1988a; ZICH 1996; BARTELHEIM 1998. genstandes, nämlich des Berges „Slánská hora", ist je­doch den Notizen nach zuverlässig. Obwohl der Dolch seine Fundumstände vermisst, ist er mit Sicherheit der Aunjetitzer Kultur der älteren Bronzezeit anzuordnen. Für diese Datierung spricht nicht nur die Form der Klinge, sondern auch das ge­triebene Dreieck, das die gängige Verzierung auf Klin­gen der Aunjetitzer Dolche andeutet. Für einen indi­rekten Nachweis dieser Datierung kann auch die Struk­tur der Patina gehalten werden, welcher man auch bei anderen altbronzezeitlichen Gegenständen aus dieser Fundstelle begegnet. Berechtigt kann man annehmen, dass auf den kantigen Griff angeln ein Griff aus organi­schem Material aufgesetzt wurde. Unwahrscheinlich ist die Möglichkeit, dass ovale Metallscheiben, die mit Scheiben aus organischem Material wechselweise auf die Griffangel angezogen wurden, wie es bei Dolchen Schweizer oder Alpiner Typus 7 üblich ist. Der oben beschriebene Dolchtypus unterscheidet sich auch von kurzen Dolchen mit Griffzunge. Diese Dolche sehen zwar den kupfernen aus der Glocken­becherkultur ähnlich aus, haben mit ihnen aber nichts Gemeinsames. Ein solches Exemplar habe ich im Jahre 1950 im Kulturschichtpaket auf dem Berg „Slánská hora" gefunden, also in derselben Fundstelle, woher der letztgenannte Fund stammt. Fundbeschreibung: Der dreieckförmige bronzene Dolch mit flacher Griff angel wurde höchstwahr­scheinlich abgegossen. Die Klinge ist in der Mitte ver­stärkt, die Schneide ist getrieben, 8 Spitze fehlt. Die Griffangel wurde wahrscheinlich in einem Griff aus organischem Material eingesetzt. Länge 90 mm (ur­sprünglich etwa 100 mm), Maximalbreite 23 mm. De­poniert im Heimatkundlichen Museum Slany, Inv. Nr. 3913 (Abb. 1. 2). Obwohl dieser Gegenstand aus keinem geschlosse­nen Fundkomplex stammt, kann er der älteren Bron­zezeit angeordnet werden. Ein ähnlicher bronzener (?) Dolch stammt aus der Siedlung „Zámka" bei Prag mit nachgewiesener Besiedlung vom Ende der älteren 6 Chemische Metallanalyse wurde nicht durchgeführt. Anhand des Aussehens der Patina kann geurteilt werden, dass der Gegen­stand größere Menge von Sn enthielt. 7 HAFNER 1995.134-135; WÜSTEMANN 1995. 60-61 8 Ein gut zu beschlagende Material enthielt 0,9 % Sn und eine geringe Beimischung von As, Sb und Ag und die Spurenelemente Ni und Bi (SAM 2, 4. 1974. ANr 21404). 275

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