Budapest Régiségei 36. (2002) – In memoriam Rózsa Kalicz-Schreiber (1929-2001)
Ruttkay, Elisabeth: Das endneolithische Hügelgrab von Neusidel am See, Burgenland : zweite Vorlage, Teil 1., Die Fazies Neusiedl = Egy későneolitikus halomsír Nezsiderből (Neusidel am See, Burgenland) 145-170
DAS ENDNEOLITHISCHE HÜGELGRAB VON NEUSIEDL AM SEE, BURGENLAND liehen, umfangreicheren Plan leider nicht verwirklichen. Die aus Wien besorgten Arbeitskräfte, denen Fahrten und Unterkunft zu zahlen waren, beanspruchten das ohnehin knappe Grabungsgeld viel mehr, als geplant war. So entschloss sich Mitscha-Märheim letztlich, den Hügel lediglich mit einem Schnitt rechtwinkelig zur alten Aushebung durchzuschneiden. Mitscha-Märheim besichtigte bereits im Frühsommer 1948 den Hügel, die noch deutlich sichtbaren Spuren der Grabung 1943 wurden damals gleich vermessen: ein 9-10 m langer, 2 m breiter NNO-SSW orientierter Graben, der in der Hügelmitte mit 3,60 m Dm. kreisförmig erweitert wurde (Abb. 3). Im September wäre es nicht mehr möglich gewesen, weil inzwischen die sogenannten „Ostwallbauten", wie auch die Fundstelle am Kalvarienberg, seitens der Landwirtschaftskammer mit Traktoren eingeebnet worden waren. Der neue Schnitt ergab „...dass der Grabhügel zur Gänze aus einer dunkelbraunen, völlig fundleeren, ortsfremden Humuserde bestand. Die Bestattung muss nach Wegräumen der dünnen Humusschichte unmittelbar auf den flachen Erdboden gelagert worden sein, da die gelblichbraune harte Schotterschichte des Untergrundes an keiner Stelle berührt oder verändert worden war, vielmehr ungestört und eben unter dem ganzen Hügel durchlief. Die einzig auffallende Erscheinung im Hügelaufbau war die, dass in seinem Zentrum auf dem gewachsenen Boden das Aufschüttungsmaterial in etwa 7 m Länge und 40 cm Höhe besonders hart und 'speckig war, wie wenn es seinerzeit mit einer fettigen Flüssigkeit getränkt gewesen wäre. Vielleicht ergibt eine chemische Untersuchung der mitgebrachten Erdproben eine brauchbare Erklärung für diese beobachtete Tatsache/" 16 „Die wieder eingeschüttete Aushebung in der Hügelmitte wurde neuerdings entfernt, um die Basis, auf der die Bestattung gelegen hatte, untersuchen zu können. Hiebet wurde festgestellt, dass unter dem Scheitel des Tumulus in etwa 1 m Durchmesser alles aufgeschüttete Erdreich bis auf den 'gewachsenen Schotter des Untergrundes abgetragen worden war, jenseits dieser Stelle jedoch die oben erwähnte 'speckige' Schicht etwa 20 cm hoch stehen geblieben war. Bei der Grabung zusehende junge Leute, die als Kinder seinerzeit bei der Ausgrabung des Hügels durch Soldaten des Inf.Bttl.134 anwesend gewesen waren, bestätigten die Tatsache, dass sich oberhalb der Bestattung eine Anzahl grösserer Steine oder Steinplatten befunden hätten, deren Wegschaffung einige Mühe kostete. Hierzu sei bemerkt, dass sich im näheren Umkreis des Plateaus, auf dem der Hügel liegt, ausser kleinem Schotter kein Steinmaterial ir16 Die Erdprobe konnte im Burgenländischen Landesmuseum und im Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien nicht mehr ausfindig gemacht werden. Eine Wiederholung der Probenentnahme ist heute immer noch möglich. Bis dahin hätte ein Rätselraten über die Beschaffenheit dieser „speckigen Schicht" wenig Sinn. gendwelcher Art in natürlicher Lagerung findet. Das Steinmaterial muss somit gleich wie die zur Aufschüttung des Grabhügels verwendete Erde von weit hergeschafft worden sein." „Die Maße des Hügels, dessen Durchmesser 18 m betrug, sind aus der anliegenden Planskizze zu ersehen (Abb. 3). Infolge der Abtragung der Mittelpartie ist eine Gesamthöhe heute nicht mehr einwandfrei festzustellen. Sie wird schätzungsweise etwa 1,90 m betragen haben, was mit den durch A. Riedl im Jahre 1943 ermittelten Daten übereinstimmt." Mitscha-Märheim beschreibt einleitend in seinem Bericht die Fundstelle wie folgt: „Knapp südöstlich des am Ende der Gemarkung von Neusiedl am See gegen Weiden am See zu gelegenen 'Kalvarienbergs' liegt, etwas über diesen erhöht, ein viereckiges, völlig ebenes Plateau, das etwa 60 m (NW - SO) zu 80 m (NO - SW) im Durchmesser misst. Nach NW und S fällt es steil ab, während es nach O mit dem dahinter liegenden Hochplateau zusammenhängt, nach SO von diesem durch eine ins Gelände eingeschnittene Rachel getrennt ist. Etwas aus der Mitte des kleinen Plateaus gegen seinen SW Rand gerückt liegt, die Gegend weithin beherrschend, ein runder Hügel von etwa 56 m Umfang und an die 2 m Höhe, in dessen Innerem anlässlich militärischer Arbeiten im Jahre 1943 unter einer Lage grosser Steine eine spätneolithische Bestattung gehoben wurde. " 17 Weitere ergänzende Angaben zur Fundstelle sind in den Ortsakten des Bundesdenkmalamtes Wien zu finden: SG Neusiedl am See, Hur Einsiedlerberg, Parz.Nr. 5647/1-2, 5658, 5663/1. Österreichkarte Nr. 79 Neusiedl am See. 1:50.000, W 42 mm, N 124 mm (Abb. 1). 4. DIE FUNDE Die im Burgenländischen Landesmuseum Eisenstadt inventarisierten Funde aus dem Grabhügel von Neusiedl am See sind: 1. Spiralring (lockring) mit IV2 rechts gedrehten Windungen aus massivem Golddraht. H. 0,6 cm, Dm. 1,5 cm, Drahtstärke 0,3 cm, Gew. 6 Gramm. InvNr. 22.382 (Abb. 4. 4). 2. Spiralring (lockring) mit IV2 rechtsgedrehten Windungen aus massivem Golddraht. H. 0,6 cm, Dm. 1,4 cm, Drahtstärke 0,3 cm, Gew. 5 Gramm. Inv.Nr. 22.283 (Abb. 4. 5). 3. Krug (hohe Tasse) aus hart gebranntem Ton. Ergänzt, aber großteils, etwa 80 % erhalten (ganzes Profil vom Rand bis zum Boden, auch der Henkel komplett). Die Restaurierung bedeckt leider die Originaloberfläche mit einer fremden, glänzenden Schichte, dadurch lässt sich das ehemalige Erscheinungsbild des Gefäßes nicht mehr mit gewünschter Sicherheit beschreiben. Anzunehmen ist eine geglättete Ober17 PlTTIONI 1947 147