Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ertel, Christine: Spolien aus der Mauer des spätrömischen Legionslagers von Aquincum Fragmente von Grabaltären ohne Inschrift im Aquincum Museum 79-104

diese Form des Grabdenkmals weniger über die Rezeption der Etrusker als direkt aus Griechenland. In der hellenistischen Welt waren Grabältäre bereits gebräuchlich. 89 In Rom trat die ursprünglich kleindi­mensionierte Denkmalgattung erstmals im 2. Jh. v. Chr. in monumentaler Form auf. Die in weiterer Folge noch gesteigerten Dimensionen bewirkten den völli­gen Verlust der ursprünglichen Funktion des Altares für das Totenopfer. Die größten Fundamente in Rom, die mit Altargräbern in Verbindung zu bringen sind, haben Abmessungen von bis zu 6x9 m und gehörten zu einem Grabbau der Rusticelier unter dem Monte Testaccio bzw. zu einem Grabbau an der Via Prenestina. Auch in augusteischer Zeit blieben die Altargräber monumental und erhoben sich auf hohen Sockeln, wie z. B. das Grabmal des Q. Haterius 90 an der Via Nomentana (4 m hoher Sockel) oder das Grabmal der Claudia Liberalis an der Via Tiburtina in Tivoli 91 mit einer Seitenlänge von 7,50 m. Gut rekon­struierbar sind drei Altargräber in Tivoli. 92 Der Grabaltar der Cossinia in Tivoli 93 aus spätclaudischer Zeit erhob sich auf einer Stufenpyramide, die eine Steinkiste mit einer Körperbestattung überdeckte. Bei dem spättrajanischen Grabdenkmal T 4 94 steht der Grabaltar auf einem rustizierten Sockel von ca. 4 x4 m Größe (Größe des Altars 3,30x2,40 m, erhaltene Höhe max. lim). Das Grabmal T 3 mit einem Grabaltar auf einem ungestalteten Sockel (5,30x4,90 m, erhaltene Höhe 4 m) stammt aus späthadrianischer Zeit. 95 Zahlreiche Altargräber gab es in der Nekropole vor dem Herkulaner Tor in Pompeji. Die älteren Altäre wie z. B. das Grabmal des M. Porcius 96 aus der Mitte des 1. Jhs. v. Chr. standen für sich allein und waren nicht von einer Mauer umschlossen. Die jüngeren Denkmäler (Mitte bis 2. Hälfte 1. Jh. n. Chr.) erhoben sich auf einem hohen Sockel, in dem sich eine Grabkammer befand. Der Altar selbst wurde über die Umfassungsmauer emporgehoben und diente vor allem repräsentativen Zwecken. Zu dieser Gruppe gehört z. B. das Grab des A. Umbricius Scaurus 97 (Süd 16) und des C. Calventius Quietus 98 (Süd 20) sowie das besonders reich ausgestattete Grab der Naevoleia Tyche" (Süd 22). In Ostia sind in der Nekropole außerhalb der Porta Romana wie auch an der Via Laurentina 100 Grabumfassungen mit monumentalen Denkmal­sockeln erhalten, die zu Altargräbern gehören könnten. Ein näherer Beweis mithilfe von typischen Altarfragmenten, z. B. Pulvini, konnte nicht erbracht werden. Eine ähnliche Situation zeigt ein Befund aus Carnuntum, wo an der "Gräberstraße" nach Savaria ein an eine Grabumfassung angefügter hohler Sockel zur Aufnahme von Urnen freigelegt wurde. 101 In Pannonién kamen Grabaltäre dagegen relativ selten zum Einsatz oder sie sind zumindest nur selten erhalten. J. Hampel stellte 1907 fest, daß die aus Italien bekannte Bestattungsform in Zusammenhang mit einem Altar in Pannonién nicht Wurzel fassen konn­te. 102 Als Beispiel zeigte er einen Grabaltar aus Carnuntum, wo diese Art von Grabdenkmälern jedoch auch nicht sehr häufig belegt ist. 103 Der von Hampel abgebildete Altar wurde einem Soldaten der Legio I Adiutrix gesetzt und wird von einem Aufsatz mit ein­fachen Akroteren mit den Initialen D M bekrönt. E. Vorbeck nannte drei von Zivilpersonen gestiftete Grabaltäre aus Carnuntum. 104 Allerdings wäre hier anzufügen, daß Grabädiculen in Carnuntum auch nicht viel häufiger belegt sind. 105 Der monumentale Grabaltar des C. Iulius Veranus in Carnuntum wurde jüngst von G. Kremer rekonstruiert. 106 Der Zusammenhang von Grabaltären mit geschweiften Pyramiden als Bekrönungen war Hampel bereits aus Aquileia bekannt, aus Aquincum zeigte er ein fragmentarisches Exemplar mit zwei überkreuzten Delphinen. 107 Zwei einfachere Grabaltäre stammen vom westlichen Gräberfeld der Zivilstadt von Aquincum am Aranyhegyi árok. 108 Ein separat gear­beiteter Aufsatz und ein Schaftfragment eines Grabaltars aus Brigetio wurde zusammen mit anderem Steinmaterial nach Nővé Zámky in der Slowakei ver­schleppt. 109 Der sehr gut gearbeitete Aufsatz mit Palmettenakroteren und einem Dübelloch vermutlich für eine pyramidenförmige Bekrönung war sicher nicht das einzige Stück seiner Art in den Gräberfeldern von Brigetio. L. Nagy beschrieb die Einfügung der selten vor­kommenden Grabaltäre anstelle bzw. auf einem in Grabumfassungen eingefügten Fundament. 110 Geeignete Grundrisse zeigten z. B. die Grabanlage der Cives Agrippinenses am Aranyhegyi árok 111 wie auch eine 1992 freigelegte Grabumfassung an der Ladik utca. 112 Ähnlich ist die Situation in Carnuntum. Außer den bereits erwähnten alten Befunden von M. v. Groller an den Straßen nach Savaria und Aequinoctium 113 wurden vor dem Bau einer Umfahrungsstraße in den Jahren 1984-1986 weitere geeignete Grundrisse freigelegt. Die Grabbauten 1984/12 und 1984/15 an der Gräberstraße 114 und die größere Grabumfassung 186 im Bereich des Gräberfeldes der Zivilstadt 115 könnten mit Grabaltären in Verbindung gebracht werden. Auch aus dem südlichen Teil von Pannonién wur­den nur einzelne Grabaltäre bekannt, die aber auf­wendig gestaltet sind. Von dem mehrteiligen Grabaltar des T. Cominius aus Sirmium 116 vom Ende des 1. bzw. Beginn des 2. Jhs. ist nur der Schaft erhalten. Die Inschrift wird von einem Rankenband mit Rosetten, Vögeln und anderen Tieren umgeben, die Seitenflächen zeigen Reliefs mit der Darstellung von Attis. Auch von dem Grabaltar der Familie des T. Publicius aus Bassiana ist nur ein Teil des Schaftes erhalten. 117 Inschrift und das Porträt des Ehepaars wer­den auch hier von einer einfacheren Ranke gerahmt. Ein dritter Grabaltar für den Tribunus militum der Legio I Italica C. Aponius Memnius Celerus 118 aus Cibalae vom Ende des 2. bzw. vom Beginn des 3. Jhs. .besteht aus einem Stück. Der hohe Aufsatz wird von monumentalen Palmettenakroteren verziert, zwischen 89

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