Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ertel, Christine: Spolien aus der Mauer des spätrömischen Legionslagers von Aquincum Fragmente von Grabaltären ohne Inschrift im Aquincum Museum 79-104

Ranken ziehen sich gerade entlang der Oberkante dahin, bis sie schließlich zu den großen Spiralen auf der Polsterzone abfallen. Sondermotive Vom Normalaufbau der Altarfront weichen die Stücke 2. 1, 2. 5 und 2. 8 mit eigenwilligen Schmuckmotiven ab. Bei 2. 1 nimmt ein großflächiges, an den Spiralranken hängendes, von einer rechteckigen Spange zusammengehaltenes Blattpaar einen großen Teil der Bildfläche ein. Wegen der Kombination mit den Ranken sind vermutlich Weinblätter gemeint. Die Zwischenräume der je sieben Einzelblättchen sind gebohrt, das linke Blatt größer als das rechte. Die drei senkrechten Stengel in der Mittelachse des Motivs deuten vielleicht auf einen Weinstock hin. Wie bereits bemerkt, fällt dieses Stück durch die Verdoppelung des Aufsatzvokabulars auf. Die Eckakrotere stellen ein Motiv dar, das aus der architektonischen Formen­sprache übernommen wurde, während das Giebeldreieck in der Mittelachse als Frontdekor der Opferstelle häufig Verwendung findet. Das Blattbündel von 2. 5 und die Palmette von 2. 8 finden im Punkt des Zusammentreffens der Ranken ihren Ursprung und folgen damit einem häufig ver­wendeten Topos des Rankendekors. Ein interessantes Motiv sind auch die beiden Vögel mit Zweigen in den Schnäbeln an dem Aufsatz 2.8. Vögel aller Art fanden als in den sepuchralen Bereich übertragene Dekorationsmotive Verwendung an stadtrömischen Grabaltären des 1. Jhs. n. Chr. 27 Adler und Schwäne mit kunstvoll detailliertem Gefieder tragen auf diesen Stücken Girlanden in den Schnäbeln. Auf Grabstelen sind einfachere Versionen von Vögeln ein beliebtes Attribut von Kindern auf Grabporträts. 28 Sie treten auch in Verbindung mit Medusenhäuptern, 29 als Füllmotiv zusammen mit Hippokampen und Delphinen 30 und in Landschaftsszenen auf. 31 Die Ranken auf dem Schaft eines Grabaltars aus Sirmium werden von Vögeln, einem Salamander und einer Schildkröte bewohnt. 32 Das Motiv der Vögel beschränkt sich jedoch nicht auf den sepulchralen Bereich; Vögel und Hasen schmücken z. B. die Akrotere eines Jupiter-Altares aus den nordwestlichen Canabae von Aquincum. 33 Im Vergleich zu dem Dekor der Grabaltäre aus Köln, Neumagen und Italien sind die Altäre aus Aquincum einfach gestaltet. An den Pulvini von Grabaltären aus Köln schieben sich Blattschuppen oder Kränze verschiedenartigen Blattwerks übereinan­der; nicht nur die Mitte, sondern auch die Stirnscheiben können durch ein Schnurband abge­trennt sein, die Polsterstirnen werden außer von den häufigen Rosetten auch von Widderköpfen verziert. 34 Andere figürliche Schmuckmotive der Polsterstirnen waren Gorgoneia 35 und Ammonsmasken. 36 In der Seitenansicht sind diese Pulvini aus Köln 37 und Neumagen 38 dagegen häufig zylindrisch gerade. Der untere Teil des Altaraufsatzes, der in Aquincum fast 84 immer ungeschmückt ist, wird an den Beispielen aus Köln mit Gitter- und Mäandermotiven belegt. 39 2. 3 FUNKTION DER ALTARAUFSÄTZE Neben der Aufnahme von Inschrift und Reliefdarstellungen bestand die primäre Funktion aller Altäre darin, einen Opferplatz bereitzustellen. Bereits etruskische Grabaltäre besitzen einen ausgehöhlten Aufsatz, der einen viereckigen Opferraum umschließt. 40 Auf den stadtrömischen Grabaltären sind schalenartige Vertiefungen auf der Oberfläche zur Aufnahme der Opferspenden häufig zu beobachten. 41 Der Focus, die Stelle, an der das Opfer in Form von Weihrauch verbrannt bzw. Speisen oder Blumen 42 geopfert wurden, wird meist von den seitlichen Polstern abgesetzt und an der Frontseite durch kleine Reliefgiebel 43 oder Segmentgiebel 44 hervorgehoben. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Grabaltäre nicht von Altären mit anderer Zweckbestimmung. 45 Bei einzelnen Stücken der von H. Frenz bearbeiteten Götteraltäre aus Mainz ist die Ablösung der Polster vom Focus ähnlich schwach ausgeprägt wie bei den Altaraufsätzen aus Aquincum. 46 Bei allen von P. Noelke vorgestellten Grabaltären aus Köln sind Focus und Pulvini dagegen deutlich und plastisch voneinan­der getrennt. Einige Grabaltäre aus Neumagen zeigen eine vollkommen ebene Oberfläche, die von W. Massow mit darauf sitzenden Bekrönungen in Verbindung gebracht wurden. 47 Die Dübellöcher in den Oberflächen 48 bestätigen diese Annahme. Auf Altarsätzen der Germania inferior erscheinen häufig Darstellungen von geopferten Früchten, denen auf diese Weise ewige Frische verliehen werden sollte. 49 An einigen Grabaltären aus Neumagen wurden Dübellöcher zur Aufnahme eines Baldachins fest­gestellt, der das Totenopfer, in diesem Fall offen­sichtlich ein Brandopfer, vor Regen schützen sollte. 50 Auch in Rom wurden auf den Grabaltären Opferfeuer entzündet, die gelegentlich auf Reliefdarstellungen zu erkennen sind. 51 Grabaltäre konnten Kammern zur Aufnahme von Urnen besitzen. 52 Auch auf der Oberseite von drei Exemplaren der Altaraufsätze aus Aquincum, den Stücken 2. 1, 2. 2 und 2. 5, sind Dübellöcher zu beobachten. In dem Dübelloch von 2. 5 ist noch der originale Bleiverguß erhalten, der einen Dübel von 2x2 cm Größe umschloß. Zu allen drei Dübellöchern führen von der Rückseite her schräge (2. 1) oder im rechten Winkel zur Rückseite (2. 5) bzw. Vorderseite (2. 2 ?) anset­zende Gußkanäle. Bei dem Aufsatz 2. 1 ist auch in der Bearbeitung der Oberfläche die gröber bearbeitete Anathyrose eines folgenden Bekrönungselementes zu unterscheiden. Bei diesen Stücken steht außer Zweifel, daß nach oben ein weiteres Element folgte. Auch bei den anderen Aufsätzen ist dies aufgrund der großen, ebenen Oberflächen anzunehmen. Eine Verdübelung von Aufsatz und Bekrönung war nicht unbedingt nötig, da auf die Einzelteile von anderen Seiten keinen Beanspruchungen unterlagen und sie aufgrund ihres

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