Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Ertel, Christine: Spolien aus der Mauer des spätrömischen Legionslagers von Aquincum Fragmente von Grabaltären ohne Inschrift im Aquincum Museum 79-104

CHRISTINE ERTEL SPOLIENAUS DER MAUER DES SPÄTRÖMISCHEN LEGIONSLAGERS VON AQUINCUM FRAGMENTE VON GRABALTÄREN OHNE INSCHRIFT IM AQUINCUM MUSEUM Der vorliegende Beitrag ist als Ergänzung zu dem im letzten Band der Budapest Régiségei erschienenen Artikel "Konstruktive Bauteile von römischen Grabbauten im Aquincum-Museum" 1 gedacht, der einige Stücke (1. 10, 1. 12, 1. 13 und 1. 14) aus einer von L. Kocsis durchgeführten Ausgrabung enthält. Die erwähnten Ecksteine von Grabumfassungen sollten aus Gründen der Vollständigkeit dort nicht fehlen; L. Kocsis wünschte aber verständlicherweise eine Publikation der Stücke im Rahmen des von ihm fest­gestellten Fundkomplexes und im Zusammenhang mit seinem Grabungsbefund, den er im Anschluß an diesen Beitrag zusammenfassen wollte. Bei der Aufnahme der noch nicht behandelten Stücke, durchwegs Bestandteile von großen Altären, ergab sich zusätzlich die Möglichkeit, durch Hinzufügung von einigen weit­eren Objekten zugleich eine zusammenhängende Materialgruppe, die Teile von Grabaltären im Lapidarium des Aquincum Museums vorzulegen. Naturgemäß war nicht zu erwarten, daß in den Altbeständen des Lapidariums genau zu den Altaraufsätzen aus der Lagermauer passende oder gar zugehörige Stücke zu finden sind. Trotzdem wurden sinngemäß ergänzende Teile hinzugefügt, um die Gesamtform der Grabaltäre zu verdeutlichen. Aus den beiden Zielsetzungen der folgenden Ausführungen ergab sich der doppelte Titel. L. Kocsis barg die zur Diskussion stehenden Steine im Jahr 1981 beim Abbruch der spätrömischen Ummauerung des Legionslagers für den nordwest­lichen Brückenkopf der neuen Arpádbrücke. Von den Bauarbeiten war besonders die Südfront des am Donauufer liegenden Legionslagers betroffen (s. Beitrag L. Kocsis). Alle Stücke stammen demnach aus sekundärer Verwendung, an einigen haftet noch der Mörtel der Lagermauer. Wie man aus der Kubatur der Ecksteine, aber auch der Altaraufsätze ersieht, wählte man zu diesem Bauvorhaben möglichst große Blöcke. Bei einer Lastannahme 2 von Kalkstein zwischen 2400 kg/m 3 (Kalkkonglomerat, Travertin) und 2700 kg/m 3 (dichter Kalkstein) haben die rund 0,4 m 3 großen Objekte ein Gewicht von 0,96 und 1,08 t. L. Kocsis konnte von seinem Fundkomplex zwei Ecksteine von Grabumfassungen (1.1 und 1. 3), vier Altaraufsätze (2. 1 bis 2. 4) und einen Altarschaft (5.2) skizzieren und inventarisieren (R 1247/1-8). Nach dem Inventar des Aquincum Museums 3 gehört ein weiterer Eckstein zu dieser Fundgruppe (1.3). Diesem ist aufgrund der Maße und der Reliefgestaltung ein weiteres zugehöriges Stück zuzuweisen, das auf dem Fő tér, also in geringer Entfernung von der Arpád­brücke zum Vorschein kam (1. 4). Die Ecksteine und der Altarschaft wurden im südlichen Teil des großen Lapidariums aufgestellt, während die Altaraufsätze noch auf dem Parkplatz des Museums liegen. Außer den bereits erwähnten, eindeutig zu dem Fundkomplex gehörenden Stücken finden sich hier noch drei weitere, sehr ähnliche Altaraufsätze (2. 5 bis 2. 7), die aller Wahrscheinlichkeit nach gleichzeitig angeliefert wur­den. Es ist anzunehmen, daß sie zum selben Fundkomplex gehören. Sie und der Eckstein 1. 3 kamen vielleicht etwas später als die anderen, während der Ausgrabung aufgenommenen Stücke zum Vorschein. Der Altaraufsatz 2.6 könnte aufgrund der Maße mit dem von L. Kocsis skizzierten Block R 1247/7 identisch sein, der erst später umgedreht und als Altar erkannt wurde. Diesem geschlossenen Fundkomplex wurde ein weiterer Altaraufsatz (2. 8) hinzugefügt, der von Gy. Parragi beim Südtor des spätrömischen Legionslagers, also ebenfalls in unmit­telbarer Nähe der Arpádbrücke, gefunden wurde. 4 Ein separat gearbeiteter einzelner Pulvinus aus Aquincum wurde 1934 von B. Kuzsinszky beschrieben. 5 Ohne Beweis für eine sepulchrale Verwendung, aber auf­grund ihrer Verwandtschaft mit den üblicherweise mit Grabaltären in Verbindung gebrachten Einzelteilen ergänzen drei pyramidale Bekrönungen (3. 1 bis 3. 3), drei Gesimsplatten (4. 1 bis 4. 3) und ein weiterer Altarschaft (5. 1) das Bild. Hiermit sind alle gesondert gearbeiteten, mit mehr oder weniger großer Sicherheit zu Grabaltären gehörenden Einzelteile ohne Inschrift im Lapidarium des Aquincum Museums in der vor­liegenden Arbeit zusammengefaßt. i. ECKSTEINE VON GRABUMFASSUNGEN 1. 1 Attis R 1247/1 (Abb. 1 a.) AO: Lapidarium Süd H:91;B:56;T:55. Ein breiter Rahmen umgibt die kleinmaßstäbliche Reliefdarstellung. Der mit überkreuzten Beinen (rechts vor links) stehende Attis hält sein Pedum mit beiden Händen an seiner rechten Seite. Die rechte obere Ecke und Kante des Blockes sind ausgebrochen. Das Gesicht der Figur ist ebenfalls beschädigt, die dünnen Arme und Beine sehr stark abstrahiert. Auf der Oberfläche ist in der Mitte ein Dübelloch und an der linken Seite ein Klammerabdruck zu erkennen. 79

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