Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Pochmarski, Erwin: Zur Ikonographie und Chronologie der römischen Sarkophage aus Brigetio 201-221

kindlichen Eros verwenden, die übrigen dreizehn Sarkophage (Nr. 5-17) den jugendlichen. Daraus ergibt sich wieder, dass die kindlichen Erotenfiguren von der Zeit ab Marc Aurel (Nr . 4: Abb. 1) bis in die 1. Hälfte des 3. Jh. n. Chr. (Nr. 3) verwendet wurden ­wobei hier einer Datierung noch in die frühseverische Zeit der Vorzug zu geben ist. Die jugendlichen Erotenfiguren werden von der Zeit ab Septimius Severus (Nr. 13) wieder bis in die 1. Hälfte des 3. Jh. n. Chr. (Nr. 8. 9: Abb. 2. 10. 14. 15) verwendet, sodass ein deutlicher Schwerpunkt auf der späteren Entstehungszeit liegt. In diesem Zusammenhang soll ein Sarkophag in Komárom (Nr. 1: Abb. 3) besonders erwähnt werden, weil er in der von mir erstellten Aufstellung von Sarkophagen mit Eroten in den Seitenfeldern irrtüm­lich fehlt. Bei den Eroten in den Nischen handelt es sich eindeutig um Vertreter des kindlichen Typus. Zur Datierung kann noch das Mittelakroter des Sarkophagdeckels beitragen, welches das Brustbild einer Frau mit Melonenfrisur zeigt, die sich mit der Frisur der Iulia Domna gut vergleichen lässt; 13 auf die Porträtdarstellungen in den Mittelakroteren wird je­weils bei den besprochenen Sarkophagen noch zurück­zukommen sein. Unter den Sarkophagen aus Brigetio sind die mit Soldatendarstellungen in den seitlichen Nischen mit deutlichem Abstand nach den Sarkophagen mit Eroten die zweite größere Gruppe (Nr. 18. 20). In zwei Fällen (Nr. 18-20) handelt es sich beim Verstorbenen um einen centurio der legio I adiutrix, was - wie oben aus­geführt wurde - einen nur wenig aussagekräftigen ter­minus post quem für die Zeit ab Ende der Regierungszeit Trajans bzw. Beginn der Regierungszeit Hadrians ergibt. Auch bei dem Schreiber (immunis caeriarensis) im officium eines Legionskommandanten (Nr. 19) handelt es sich wohl um einen Angehörigen der legio I adiutrix, 14 woraus sich wie bei den beiden Centurionen keinerlei chrono­logisch verwertbare Konsequnezen ergeben. Eher lassen sich aus den kaiserlichen Gentilnomina ­zweimal (Nr. 18. 20) Aurelius und einmal Aelius (Nr. 19) Indizien für eine Datierung gewinnen. Im Einzelnen sind die drei Sarkophage aber aufgrund anti­quarischer Details durchaus zeitlich noch näher einzuordnen. Besonders auffällig ist der Sarkophag in Wien (Nr. 18: Abb. 4), weil nicht nur die Vorderseite des Kastens und des Deckels reich dekoriert sind, sondern auch die beiden Nebenseiten des Kastens. Während auf der Sarkophagvorderseite die beiden Krieger in den Seitenfeldern beiderseits der an den Schmalseiten mit dem norisch-pannonischen Volutenornament verzier­ten Tabula wegen ihrer heroischen Nacktheit der unmittelbaren Realität entzogen und in die mytholo­gische Sprache übersetzt sind, 15 wird auf den beiden Nebenseiten und im Mittelakroter des Sarkophag­deckels der Verstorbene mehrfach in der zeitgenössi­schen Kleidung wiedergegeben. 16 Besonders aus den realistischen Darstellungen auf den beiden Nebenseiten des Sarkophagkastens lassen sich anti­quarische Anhaltspunkte für eine Datierung gewinnen. Auf der rechten Nebenseite (Abb. 4) findet sich der verstorbene centurio M. Aurelius Valens einmal in voller Rüstung und einmal in Dienstuniform. H. Ubl 17 hat festgestellt, dass sich aus den Schutzwaffen des centurio - Kettenhemd (lorica hamata) und Helm ­eine Datierung etwa in die Mitte des 3. Jh. n. Chr. ableiten lasse. Das Kettenhemd habe im Vergleich zu früheren Vertretern längere Ärmel und sei insgesamt länger, da es auch die Oberschenkel decke. 18 Den Helm bezeichnete H. Ubl als Typus Weißmetallhelm von Heddernheim 19 und wollte ihn dementsprechend in das 3. Jh. n. Chr., aufgrund des Vergleichs mit einer Münze des Probus sogar in die 2. Hälfte des 3. Jh. n. Chr. datieren. Als Dienstuniform trägt der Verstorbene ein sagum, das auf der rechten Schulter von einer Scheibenfibel zusammengehalten wird, eine knielange tunica manicata mit engen Ärmeln und lange, enge braccae. Die Elemente der Dienstuniform - sagum mit Scheibenfibel, tunica manicata und braccae - werden auch von dem Reiter auf der linken Nebenseite getra­gen. Ubl konnte überzeugend darlegen, dass es sich beim sagum um den seit Caracalla allgemein üblich gewordenen Uniformmantel handle, 20 der zusammen mit der Ärmeltunika 21 und den langen, eng anliegenden Hosen 22 getragen wurde. Schließlich stellt die von dem centurio auf dem rechten Bild der rechten Nebenseite gehaltene vitis, die sich nach Ubl durch den trichter­förmigen Knauf und die größere Länge von älteren Darstellungen unterscheide, 23 einen weiteren in das 3. Jh. n. Chr. datierbaren Bestandteil der Ausrüstung des centurio dar. Die Inschrift auf dem Sarkophag des centurio M. Aurelius Valens (Nr. 18) erlaubt wegen des Gentilnomens eine Datierung ab Marc Aurel oder eher nach Caracalla. 24 Die antiquarischen Besonderheiten sprechen eher für eine Datierung nach Caracalla gegen die Mitte des 3. Jh.n.Chr. hin, die auch von Ubl vertreten wurde; die von ihm in Erwägung gezogene Spätdatierung in die 2.Hälfte des 3. Jh. n. Chr. hatte bereits W. Kubitschek für möglich gehalten, der angesichts des centurio von einem diokletianischen Neubürger sprach. J. Fitz dachte zuletzt an eine Datierung in das 1. Drittel des 3. Jh. n. Chr., 25 wobei er sich wohl auf den von G. Alföldy 26 auf der Basis des norisch- pannonischen Volutenornamentes hergestell­ten Vergleich dieses Sarkophags mit denen des M. Valerius Valerianus (Nr. 31), des L. Antistius Bellicianus (Nr. 27) bzw. mit der Bauinschrift des Q. Ulpius Felix (RIU II 377) gestützt hat. Tatsächlich liegt in allen diesen vier Fällen grundsätzlich die gleiche Form des norisch-pannonischen Volutenor­namentes vor, wovon noch die Rede sein wird. Es stellt sich allerdings die Frage, ob die Varianten innerhalb dieser Form für die gleiche Datierung sprechen. Die beiden Soldaten in den Seitenfeldern des Sarkophags des P. Aelius Mercator (Nr. 19: Abb. 5) 202

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