Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Mosser, Martin: Zwei Seitenwände einer Grabanlage im Museum Bruck an der Leitha/Niederösterreich 189-194

MARTIN MOSSER ZWEI SEITENWANDE EINER GRAB ANLAGE IM MUSEUM BRÜCK AN DER LEITHA/NIEDERÖSTERREICH In Brück an der Leitha ist heute im sogenannten Ungarturm, einem Befestigungsturm der mittelalter­lichen Stadt, das Heimatmuseum untergebracht. Im Erdgeschoß gibt es eine kleine römische Sammlung, die Fundgegenstände aus Brück an der Leitha und der unmittelbaren Umgebung zeigen. Die auffälligsten Objekte dieser Sammlung sind zwei ca. 2 m 30 cm hohe Grabsteinplatten. 1 (Abb. 1 und Abb. 2) Im neben­stehenden Text ist der nahegelegene Fundort Göttlesbrunn angegeben. Die beiden Platten wurden in sekundärer Verwendung als Teile eines spätantiken Steinkistengrabes aufgefunden. Der Text interpretiert auch die ursprüngliche Funktion der Steine: Sie wer­den als Teile einer Grabädikula bezeichnet. Die Steinplatten weisen folgende charakteristi­schen Merkmale auf: a.) Eine 17 bzw. 25 cm breite Nut entlang des gesamten rechten bzw. linken Randes. b.) Je eine Ausnehmung am oberen Ende zur Aufnahme eines Architravs oder eines Giebelstückes, wobei beide Stücke keine Klammer- oder Dübellöcher aufweisen. c.) Reliefs eines Totenmahls bzw. einer Wagenfahrt im Bereich der oberen Hälfte. d.) Eine pilasterartige Gliederung an je einer Schmalseite, allerdings nur im obersten Drittel ausge­führt. e.) Zahlreiche Reste von Bemalung auf der gesamten Steinoberfläche, insbesondere an den Reliefs und am Pilasterkapitell. Oberhalb der Reliefs sind rote Farbreste von gemalten Girlanden auszumachen. Die ursprüngliche Aufstellung der offensichtlich zusammengehörigen Platten ist durch die Reliefierung und die Nut bzw. durch die Pilaster an der Schmalseite vorgegeben. Es besteht kein Zweifel, daß es sich um Seitenwände eines Denkmals im sepulkralen Kontext handelt, deren Innenseite die genannte Reliefierung und Bemalung aufweist, deren Außenseite allerdings keinerlei Bearbeitungsspuren zeigt. Reliefierte Seitenwände mit Nut kennen wir im provinzialrömischen Bereich zunächst auch aus der näheren Umgebung von Brück an der Leitha, also aus dem nordwestpannonischen Bereich rund um das Leithagebirge. Fundorte solcher Steine unmittelbar an den Hängen des Leithagebirges sind Bruckneudorf, Mannersdorf, Au am Leithagebirge, Loretto, Jois und Parndorf. Etwas entfernt liegen Göttlesbrunn, ca. 10 km nördlich des Leithagebirges und Zwölfaxing südöstlich von Wien. 2 Neben den soeben vorgestellten Motiven der Wagenfahrt und des Totenmahls zeigen die Reliefs Ganzfigurendarstellungen von Frauen in einheimischer Tracht sowie im Fall der Grabplatte von Au am Leithagebirge einen stehenden Soldaten oder Calo. Ihnen allen gemeinsam ist also eine über die gesamte Länge des Steines führende Nut, eine unbear­beitete Außenfläche sowie ihre Auffindung in zweiter Verwendung als Teile von Steinkistengräbern des 4. Jahrhunderts. Das bedeutet, daß die Grabbauten, die aus diesen Bestandteilen zusammengefügt waren, schon in der Antike zerstört waren bzw. deren Teile in spätrömischen Friedhöfen Verwendung fanden. Auf weitere Vergleichsbeispiele trifft man zunächst im äußersten Osten Pannoniens, 3 es sind dies zum Beispiel die allerdings beidseitig bearbeiteten bzw. reliefierten Steinplatten aus Aquincum, Bölcske, Csákvár, Zsámbék und Dunaújváros - Intercisa, die ebenfalls eine breite Nut an der Innenseite aufweisen und die völlig zu Recht als Seitenteile von Grabädikulen interpretiert werden. 4 Die Innenseiten zeigen Ganzfigurendarstellungen von Frauen in ein­heimischer und Männern in römischer Tracht. Die Außenseiten zeigen meist mythologische Motive. Auch diese Teile sind in sekundärer Verwendung in spätantiken Nekropolen gefunden worden. 5 In viel größerer Menge begegnen uns allerdings Seitenplatten von Grabbauten in Dacien. 6 Marinescu konnte in Dacia Superior und Dacia Porolissensis, zwischen Porolissum und Sarmizegetusa mit Schwerpunkt in Napoca, Potaissa und Micia, 74 nur auf der Innenseite reliefierte Seitenwangenplatten aus­findig machen, die eine den Steinen vom Leithagebirge entsprechende Nut aufweisen. Die Reliefs sind zum Teil von hoher künstlerischer Qualität und zeigen zumeist Frauen und Männer in römischer Tracht beim Opfer, im Kampf, auf Pferden, beim Pflügen, zum Teil als Ganzfigur, oder im Brustbild und dies oft in zwei oder drei Registern übereinander mit jeweils unterschiedlichen Motiven. Im Unterschied zu den Seitenwänden vom Leithagebirge, die nur in der oberen Hälfte mit singulären Szenen reliefiert sind, zeigen die dakischen Platten meist Darstellungen über die gesamte Plattenhöhe verteilt. Marinescu datiert diese zumeist in die zweite Hälfte des 2. bzw. ins 3. Jahrhundert. Daneben existieren in Dakien, im Gegensatz zu Nordwestpannonien, auch zahlreiche beidseitig bearbeitete Seitenwangenplatten sowie Frontplatten mit den Porträts der Verstorbenen. 7 Die Fundumstände der Seitenwandstücke in Dakien sind oft nicht genauer bekannt, sehr viele waren als Spolien an Schlösser, Kirchen und Häusern angebracht, andere sind Altfunde, einige stammen aus antiken Nekropolen. 189

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