Budapest Régiségei 34. (2001)

STUDIEN = TANULMÁNYOK - Mattern, Marion: Götterverehrung im römischen Hessen : besonderheiten und regionale Einflüsse im Spiegel der Steidenkmäler 177-187

Nähe liegenden Ortschaften von Klein-Winternheim aus Ober- und Niederolm und Marienborn sind Weihungen an Mars Loucetius bekannt. Der Kult dürfte aus dem Treverergebiet nach Klein-Wintern­heim und von dort auch in unserer Gebiet gelangt sein. Viele der Weihenden geben sich als Treverer zu erken­nen, so auch der Stifter des Altars aus Groß-Krotzen­burg. Offensichtlich hielten die Treverer auch in der Fremde an den in ihrer Heimat verehrten Gottheiten fest. Auf ganz ähnliche Weise dürfte die Verehrung der Bonis Casibus, der Zufallsgötter, in unseren Raum gelangt sein. Belege stammen aus Oberklingen, Obernburg und aus der Gegend um Miltenberg. Die Denkmäler sind bescheiden und bildlos. Der Mittel­punkt dieses begrenzten, lokalen Kultes lag vermutlich in Trier, aus dem allein vier Inschriften belegt sind. Bei den verehrten Gottheiten handelt es sich um eine Personifikation der glücklichen Zufallsgötter. 20 In den gallisch-keltischen Bereich führen auch die Votive, die Mercur mit Kind darstellen 21 (Abb. 9). Aus Hessen sind drei Denkmäler dieses Types bekannt. Ein heute leider verschollenes Stück stammte aus einem Mercurhöhenheiligtum in Miltenberg. Die zwei noch erhaltenen Stücke waren in den Mithrasheiligtümern I und II in Stockstadt aufgestellt. Die Statuette aus dem Mithräum I zeigt einen stehenden Mercur mit Kind, um das sich eine Schlange windet {Abb. 4). Die Statuette aus dem Mithräum II gibt einen sitzenden Mercur wieder. Das Kind in seinem Arm hält eine Traube. Die Mercur-Kind-Gruppen dürften letztlich auf den Hermes Dionysophore des Praxiteles zurückge­hen, wenn auch das Vorbild nur noch gebrochen und mit vielfacher Abwandlung wiedergegeben wird. Die gemeinsame Darstellung von Hermes und Dionysos hatte sicher ihre Ursache im mythischen Bereich. Sie illustriert eine Begebenheit aus der Kindheits­geschichte des Weingottes. Hermes wird von Zeus beauftragt, den kleinen Dionysos in die Obhut der Nymphen von Nysa zu bringen. Die außerordentliche Beliebtheit und der hohe Bekanntheitsgrad den diese Gruppe genoß, läßt sich anhand ihrer Nachwirkungen, die in fast allen Kunstgattungen zu verfolgen sind, anschaulich belegen. Auf unseren provinzialrömischen Denkmälern ist der römische Gott Mercur anstelle des griechischen Hermes getreten, wie an den dem Gott oftmals beige­genen Geldbeutel oder den ihn begleitenden Tieren zu erkennen ist. Sitzfiguren, wie bei dem Stück aus Stockstadt sind bei den Mercur-Kind-Gruppen eine Ausnahmeer­scheinung. Meist wird Mercur stehend dargestellt. Das Hauptverbreitungsgebiet dieser provinzialen Gruppen liegt im Bereich zwischen Mosel und Rhein, ein Gebiet, welches in römischer Zeit im wesentlichen zur Civitas Mediomatricorum gehörte. Die schwerpunkt­mäßige Verbreitung der Denkmäler läßt an einen lokalen Kult denken. Die Vorliebe gerade für dieses Bildmotiv läßt vermuten, daß hier die besondere Eigenschaft des Mercur als Kurotrophos betont und hervorgehoben werden sollte. Welche konkreten Vorstellungen die Stifter allerdings letztlich mit diesen Bildern verknüpften, und welcher lokale Gott sich dahinter verborgen haben mag, ist nicht geklärt, da die nur spärlich überlieferten und zudem stark beschädigten Weihinschriften darüber keine Auskunft geben. Sicherlich sind die Mercur-Kind-Gruppen aus Miltenberg und Stockstadt unter dem Einfluß der zwi­schen Rhein und Mosel gefundenen Stücke entstanden. Aufmerksamkeit verdient hier allerdings, daß zwei der drei Denkmäler in Mithräen aufgestellt waren und hier mit einer weiteren Umdeutung des Motivs in einem mithräischen Sinn gerechnet werden muß. Denn mit dem dem stehenden Mercur aus dem Mithräum I beigegebenen Kind, welches ganz untypisch von einer Schlange umwunden wird, kann nicht Dionysos gemeint gewesen sein. 22 In einen größeren Zusammenhang führen uns die Votive an die Quadruviae, die aus Mainz, Butzbach, Degerfeld, Friedberg, Groß-Gerau und Obernburg stammen. Insgesamt sind inzwischen 81 Denkmäler für die Wegegöttinnen bekannt {Abb. 10). Es handelt sich fast ausschließlich um bildlose Weihaltäre und Sigillaten. Die Göttinnen tragen zwar einen lateini­schen Namen, jedoch zeigt ihr Verbreiiungsgebiet, welches sich im wesentlichen über Germanien und die donauländischen Provinzen, hier besonders Pannonién, erstreckt, daß es sich um einen ein­heimisch-keltischen Kult handelt. Der Ursprung des Kultes ist sowohl in den germanischen Provinzen, hier vorzugsweise in Obergermanien, als auch im donauländischen Raum gesucht worden. Nur ein einziges Mal ist bisher eine Darstellung der Quadruviae auf einem Steindenkmal überliefert. Es handelt sich um einen Beneficiarieraltar aus Stuttgart-Bad Cannstatt. Ansonsten kennen wir Bildnisse von Wegegöttinnen nur noch von Sigillaten, die in Rheinzabern gefertigt wurden und weit verhan­delt wurden. Für die Bildnisse der Wegegöttinnen hat man keine neue Ikonographie entwickelt, sondern auf einen bereits bestehenden Bildtypus und zwar auf den für Muttergottheiten zurückgegriffen. Ähnlich wie diese wurden die Wegegöttinnen auch in hainartigen Umgebungen verehrt. Heiligtümer sind aus Xanten, 23 Koblenz, 24 Straßburg 25 und Carnuntum 26 bekannt. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte der Kult der Wegegöttinnen seinen Ausgangspunkt in den german­ischen Provinzen. Hierher stammen nicht nur die früh­esten Weihungen an die Göttinnen, sondern hier kon­nte sich auch, aufgrund der in der Bevölkerung weit verbreiteten Verehrung von Muttergottheiten, eine konkrete bildliche Vorstellung vom Aussehen der Wegegöttinnen entwickeln. Der Kult ist wohl in ver­stärktem Maße von Militärpersonen und deren Anhang verbreitet worden, aber auch Händler und die so anschaulich mit den Bildnissen der Göttinnen verzierten Rheinzaberner Sigillaten dürften eine Rolle 779

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