Budapest Régiségei 33. (1999)
TANULMÁNYOK - Ertel, Christine: Konstruktive Bauteile von römischen Grabbauten im Aquincum-Museum = Az Aquincumi Múzeum római sírépítményeinek konstruktív építőelemei 197-241
GARÁDY 1934 gefundene und im Ruinengarten des Aquincum-Museums rekonstruierte Grabumfassung stammt vom Ende des 2. Jhs. 142 L. NAGY setzte die 1938 von ihm freigelegte Grabumfassung nach der Inschrift des angetroffenen Sarkophags in die ersten Jahrzehnte des 3. Jhs.' 43 Diesen recht wahrscheinlich erscheinenden Daten ist nur hinzuzufügen, daß vielleicht mit einer Laufzeit der Grabädiculen noch in den ersten zwei Dritteln des 3. Jhs. gerechnet werden kann. Viele der Ädiculawände und anderen Grabbaubestandteile aus Intercisa werden ins 3. Jh. datiert. 144 Das allmähliche Verschwinden von Grabädiculen kann wie eingangs erwähnt auch in Zusammenhang mit den Bestattungsbräuchen gesehen werden. Der allmähliche Übergang zur Körperbestattung seit dem Ende des 2. Jhs. 145 zog vermutlich automatisch einen Rückgang des Interesses an den vorwiegend zur Aufnahme von Urnen geeigneten Grabädiculen nach sich. Die im Ruinengarten des Aquincum-Museums nachgebaute Grabumfassung barg zwei Brandgräber vom Ende des 2. Jhs.. was S. GARÁDY als selten und außergewöhnlich bezeichnete.'* Wenn die Brandbestattung auch zumindest in einzelnen Fällen bis in die 2. Hälfte des 3. Jhs.,' 47 ja sogar bis nach der Mitte des 4. Jhs. weiterhin ausgeübt wurde 148 , begnügte man sich mit einfacheren Grabformen. Die Laufzeit der Grabumfassungen als eines einfachen, sehr flexiblen Bautypus könnte man vielleicht bis zum Beginn der Ausbreitung der großen spätrömischen Gräberfelder in der Mitte des 4. Jhs. ausdehnen, obwohl es hierfür noch keinen archäologischen Beweis gibt. Aus dem bisher vorgelegten Material darf man nicht schließen, die von L. NAGY rekonstruierte Form der Grabbauten' 49 sei völlig unrealistisch. Für sein Baldachingrab mit vier korinthischen Säulen auf einem hohen Sockel, auf dem eine Sitzstatue des Verstorbenen aufgestellt war, findet man Parallelen vor allem in Syrien und Kleinasien' 50 . Mehrgeschossige Grabbauten mit Tholoi nach hellenistischem Vorbild gibt es in St. Rémy und Aquileia 151 . Es ist nicht auszuschließen, daß auch in Aquincum eine wohlhabende Familie ein derartiges Grabdenkmal errichten ließ. Nicht zuletzt könnte das Deckenfragment 4 an einem derartigen Bauwerk Verwendung gefunden haben. Zu der Zeichnung von L. NAGY wäre anzumerken, daß das Gebälk für das kleine Bauwerk zu schwer ist. Der pyramidenartige Aufsatz mit Kapitell paßt nicht zu dem flachen Walmdach. Etwas unwahrscheinlicher ist dagegen die zweite Rekonstruktionszeichnung, die ein offenes viersäuliges Bauwerk zeigt 152 . Die Säulenarchitektur erfordert einen stärkeren Sockel, weiter fehlt ein geschlossener Bauteil mit der Möglichkeit, die Urnen unterzubringen. Auch derart repräsentative Architekturen hatten in erster Linie einen Zweck zu erfüllen, nämlich die Bestattungen aufzunehmen. In der Erde hätte man die Urnen ohne das Bauwerk billiger beisetzen können. Das Gebälk ist auch hier zu schwer für die zarte Konstruktion. Der größte Teil des hier behandelten Materials aus dem Aquincum-Museum, eindeutig als Teile von Grabbauten zu erkennende Stücke, besteht aus Wandteilen verschiedener Art. Ecksteine, Relieftafeln, Bogen- und Inschriftenplatten gehörten zur Sockel- und Wandkonstruktion, Architrave und Decken schlössen den Raum nach oben ab. Die Pilasterfragmente wie auch die einzige Säule standen in Verbindung mit Wandplatten. In den Architekturbeständen des Aquincum-Museum finden sich auch kleinformatige Säulen und Kapitelle, die durchaus von Grabbauten stammen könnten, aber auch von anderen Bauwerken, z. B. von Portiken in Wohnhäusern und anderer Architektur des städtischen Raumes. Allerdings waren die Überlebenschancen für plattenartige, besser zur Wiederverwendung geeignete Bauteile sehr viel größer als für filigrane Säulenarchitekturen. Aufgrund des hier behandelten eindeutig dem sepulchralen Bereich zuzuweisenden Materials scheinen in Aquincum jedoch Grabdenkmäler mit einem hohen Wandanteil vorzuheiTschen. Die Architektur und Bauplastik der römischen Grabbauten anhand der Fundbestände ist hiermit keineswegs erschöpfend erörtert. Die noch zu diskutierenden Friesplatten, Dachaufsätze, Mauerdeckel und der Skulpturenschmuck der Grabbauten im Aquincum-Museum sollen aus Platzgründen in einem späteren Band zusammengefaßt werden. 215