Budapest Régiségei 32. (1998)

TANULMÁNYOK - Holl Imre: Középkori kályhacsempék Magyarországon : 6. közlemény, A szürke, redukált égetésű kályhacsempék kérdéséhez 291-308

IMREHOLL MITTELALTERLICHE OFENKACHELN IN UNGARN VI. ZUR FRAGE DER GRAUEN, REDUZIERT GEBRANNTEN OFENKACHELN Die vorgestellten Kacheln können wir, im Gegensatz mit den früher behandelten nicht gruppieren, oder an eine bestimmte Werkstatt zuordnen. Ihre Technologie weicht charakteristisch von jenen ab: sie sind glasurlose, reduziert gebrannte, graue Kacheln. Manchmal wurden sie aus mit Graphit gemischtem Ton hergestellt. Ihr gemein­samer Zug ist, daß sie kaum an einheimische Werkstätte zuzuordnen sind. Bei den meisten können wir beweisen, daß sie Produkte aus­ländischer Töpfer sind. Die gelangten auf Handelswegen - zusam­men mit den wohlbekannten grauen, schüsseiförmigen Ofen­kacheln - auf die ungarischen Märkte. An den einzelnen Fundorten fand man nur eine geringe Menge von ihnen, daraus können wir annehmen, daß nicht der ganze Ofen aus ihnen gebaut worden war. Sie figurierten zusammen mit schüsseiförmigen Kacheln, und bilde­ten wahrscheinlich nur eine einzige Reihe auf den Ofen. Die Kacheltypen, die auf den Bildern 1-3 zu sehen sind, wur­den mit einfachen geometrischen Motiven verziert (nur auf Bild 3.1. sehen wir ein detaillierteres schöner ausgearbeitetes Muster). Die Analogie des 2. Typs ist aus Pressburg (Bratislava) bekannt (Bild 4.1.). Typus Nr. 5. kommt noch in der Stadt Buda (Ofen), auch in der Burg von Vác, sowie in Visegrád und Pressburg vor (Bild 4.2.). Er kommt auch in Niederösterreich in dem Franziskanerkloster S. Maria in Paradiso vor (dort grün glasiert: Bild 3.2.). 8 Ein mit einfachen Maßwerk-Mustern bedecktes, ver­wandtes Stück befindet sich in Pressburg und Ödenburg (Sopron), deren öster-reichische Analogie befindet sich im Museum der Stadt Melk (Bild 4.5.). Ebenso hier befindet sich auch der Typus 1 (Bild 4.4.). In Buda und Pressburg wurde je eine mit dem Wappen Königs Sigismund verzierte Kachel gefunden (Bild 5.1.a-b.). Die Vorderseite wurde aus, mit viel Graphit gemischtem Ton gemacht. Zwar hat sie ähnliche Züge mit den wappenverzierten Kacheln aus dem ungarischen königlichen Hof (Buda, Nyék, Visegrád) sind sie doch in Charakter fremd von ihnen. Das Wappen ist aus heraldisch­er Hinsicht falsch, die Tierfigur des Drachenordens sieht ganz anders aus. Wir meinen, sie seien Produkte eines österreichischen Töpfers. Der österreichische Ursprung ist bei jenem Kacheltyp beweisbar, wo in einem bogenförmigen Blätterkranzrahmen ein nach rechts reitender Falkner steht. Außer den Bruchstücken aus Buda (Bild 6.1.) kommt diese Figur in Süd-Transdanubien (Nagybodolya-Bodola, Jug.); im Komitat Tolna 12 " 13 als auch unter den Funden aus Pécs vor. Eine ganzes Exemplar daraus ist wieder im Museum aus Melk zu finden (Bild 6.2.), aber es sind noch andere, auch im Fundmaterial aus Niederösterreich. 15 DIE KACHELN A US RA URIS Ich band schon früher eine größere Serie der reich mit Figurenkompositionen illustrierten, grünen oder buntglasierten Ofenkacheln der ehemaligen Figdor Sammlung - Ende des 15 Jahrhunderts - zu dem Meister aus Rauris (Holl 1983). Hier stellen wir Bruchstücke eines Typs vor, die auch im Budaer Palast sowohl in dem Palast vom Visegrád zu finden waren (Bild 6.3.a-b, 7.). Die ganze Komposition war bisher nur auf einen grauen, glasurlosen Kachel sichtbar: ein nach links tretender Jäger bläst ein Horn, auf seiner Lanze gebunden, hängt ein Hase, um seinen Beinen springen Hunde herum. Die Kachel aus Ebendorf ist wahrscheinlich eine glasurlose Kopie, die Einzelheiten sind verwischt (Bild 6.4.)." Auf den Bruchstücken einer anderen reduziert gebrannten Kachel sehen wir einen, nach links tretenden Löwen. Die Rosette des kannelierten Rahmens und ihre Strickverzierung gliedert sie in die Rauris­Gruppe ein. (Solche Kacheln mit grüner Glasur und solchen Rahmen sind aus dem Budaer Palast bekannt. Bild 9.) Ein Bruchstück des Paares der Kachel aus Buda (Bild 8.1.) wurde in Mannersdorf gefunden (Bild S.2.). 24 Der österreichische Ursprung ist bei jenen schüsseiförmigen Kacheln ohne Zweifel beweisbar, die mit vereinfachten yierpass Maßwerk versehen waren. Das Exemplar, das im Dominikanerkloster gefunden war, wurde von seinem Fundumständen auch auf das 14. Jahrhundert datiert. Bruchstücke anderer Exemplare kamen bei den Häusern des nördlichen Stadtteiles ans Tageslicht. Die Vorderteile der Bogenverzierungen wurden im jedem Fall mit eingestempelten Töpfermarken versehen. Sie sind Töpfermarken aus Tulln und Wien, und solche Marken können wir auch auf den Rändern von wohldatierten Töpfen aus dem 14. Jahrhundert finden. (Bild 10.1-2.) 22 " 28 Ein, mit einer reiten­den Figur in Panzer und mit Schwert versehenes, Kacheltyps ist an mehreren Fundorten bekannt. (Bild 11.1-3.) 28 " 29 Diese sind auch reduziert gebrannt, ein Exemplar von ihnen wurde nachträglich mit Graphitüberzug versehen. (Eine Kachel ist erneurte Abdruck­Kopie, einzige Details wurden aber schäfer neu gestaltet.) Wir haben keinen genauen Anhaltspunkt für die Lokalisierung ihrer Herstellung, aber ihr Stil zeigt mit niederösterreichischen, böhmis­chen und silesischen Kacheln eine Verwandschaft. Eine Kachel mit symbolischer Szene aus Steinamanger (Szombathely) In der Burgregion von Szombathely wurde eine rote Kachel ohne Glasur gefunden, worauf ein Griffvogel über einer liegenden Gestalt steht (Bild 13.1.). Die Analogie der Szene ist aus Böhmen sogar in zwei Varianten bekannt 4 " 3 (Bild 13.2-3.). Bei einem ist erkennbar, daß die liegende Gestalt die charakteristische Lösung eines Hussiten Kämpfer zeigt (auch auf anderen Kacheln oft auffindbar). Die religiöse Darstellung symbolisiert den Sieg des Guten. Die Blätterreihe des Rahmens hat in Niederösterreich zwis­chen 1490-1500 öfters solche Lösungen. 45 Vielleicht ist sie auch ein Produkt einer österreichischen (wiener Werkstatt), oder ahmt es mit der Verwendung eines böhmischen Themens nach. 297

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