Budapest Régiségei 31. (1997)
H. Hanny Erzsébet: A nagyrévi kultúra áldozati gödre a budai Várhegyen 199-210
DIE OPFERGRUBE DER NAGYRÉV KULTUR IN DER BUDAUER BURG. Bei den mittelalterlichen Ausgrabungen, die im Sommer 1995 auf der nördlichen Seite des Budauer Burghügels, auf dem Gebiet des Sándorpalastes von Altmann Júlia geführt wurden, fand man eine Opfer-grube, die zur Nagyrévkultur der Frühbronzezeit gehörte. In der Burg von Buda und in der Bürgerstadt finden seit Jahren bei den Wiederbauarbeiten Ausgrabungen statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte man die hier auffindbaren archäologischen Fundgüter freizulegen. Die Forschungen konzentrierten sich auf das Mittelalterll, dabei kamen aber auch Siedlungen aus der früheren9 und mittleren Bronzezeit ans Tageslicht 10. Die im ersten Abschnitt erwähnte Grube hat einen flachen Boden und eine zylinderförmig gestaltete Wand; sie war mit einem Bänklein versehen und im Inneren wechselten Aschen-, Holzkohlen- und Humusschichten. (Bild 2., Abb. 2.) Die Mehrheit der Funde war auf dem Boden der Grube, in der Nähe des Bänkchens, um den Feuerplatz herum. Die mehrschichtige Aschen-Verfärbung wurde mit Steinen umzäumt. Östlich davon lag ein menschlicher Schädel (Bild 5, 7.), der keine Gesichtsknochen und keinen Unterkiefer hatte. Auf der linken Schädelseite sind Brandspuren zu sehen. Der Fleck der Brandstelle war schon in den oberen Schichten ersichtlich. Darüber lag ein Bruchstück eines Rinderschädels mit einem Horn (Bild 5., Abb. 1.); aus der darüberliegenden Schichte kam ein kleiner Henkelkrug (Bild 3. 2) zum Vorschein. Die Funde aus der Grube waren Keramikwaren; Objekte, die im alltäglichen Leben verwendet wurden. Sie können in folgenderweise typologisiert werden: das charakteristischste Objekt des Fundgutes von Nagyrév Typ ist der Henkelkrug 12 mit länglichen Hals und gewölbten Bauch. Dieser erscheint außer in der Nagyrév-Kultur nur selten und ist aber in allen späteren Fundkomplexen (Budatétény, Diósd, Budafok, Kulcs, Sziget-szentmiklós) zu finden. Die Funde verschiedenartig ausgebildet, obwohl das Fundmaterial der Grube spärlich ist. Wir treffen eingeritzte kleine Henkelkrüge oder kugelige, mit ausgebogenen Rändern, ungeschmückt, mit Bandhenkel versehen. Die charakteristischen Schüsseln 14 sind die kleineren, unverzierten, mit Bandhenkel, ohne Fuß und mit ausgewölbten Rändern. Zwischen den großen dickwandigen Schüsseln sind auch solche, zu finden, dessen Unter-schulterteil rauh bearbeitet wurde, und auch solche die fein poliert waren. Dieser Schüsseltyp ist sehr dauerhaft, existiert seit der Mitte der Früh-bronzezeitl5. Das Merkwürdige in der Grube sind die beigelegten ent-zweigebrochenen, kleinen, höckerverzierten Schalen 17. Sie sind Beweise des Opfers. Bei den Urnentypen kann man zwischen krugförmigen und topfförmigen unterscheiden. Auf den topfförmigen Urnen sind immer Besenstrichverzierungen, in manchen Fällen auch Höckerverzierungen. Diese Verzierungen und Formen sind für die spätere Kulcs-Phase charakteristisch. Die Oberfläche der Urnen ist immer poliert, die Ränder stark ausgewölbt. Ihre Verzierung besteht nur aus einer Vertiefung am Schulter. Urnenunterteile sind nicht zu finden. Es wurde auch ein kleiner Bruchstück eines polierten Deckels gefunden, worauf wir dieselben Höckerverzierungen entdeckten wie bei den Rändern der Schüsseln. Bei den Keramikobjekten in dieser Grube verwendete man nur selten Verzierungen. Es waren Einkratzungen, Abglättungen, Höcker- und Besenst-richverzierungen. Die anderen Objekte aus der Grube waren: eine Knochenahle, eine Gußform und ein Spinnwirtel; sowohl zwei Objekte, dessen Verwendung unbekannt ist. Das erste Objektist eine Knochenverzierung, das zweite eine Tonscheibe, wahrscheinlich ein Wagenrad. Die in der Grube gefundenen Objekte weisen darauf, daß die Stelle als Opferstelle verwendet wurde. Solche Stellen sind in der Umgebung von Budapest29-33, sowohl in ganz Europa zu finden. Sie existierten schon in der Jungsteinzeit, Kupferzeit und Bronzezeit. Die am näher liegenden Parallelen in Raum und Zeitalter, in der Umgebung von Budapest zu finden sind. Diese Opfergruben enthalten menschliche <berreste, Rinderknochen, Keramik und verschiedene Objekte ebenso in der erwähnten Grube auf dem Burghügel. Die Form und die Tiefe der Gruben entsprechen. Auf Grund der oben behandelten Tatsachen können wir darin sicher sein, daß wir auf dem durch Bauarbeiten mehrfach durchwühlten Burghügel eine Opfergrube der späten Nagyrév Kultur gefunden haben, die zum Glück intakt geblieben ist und zu der Siedlung gehörte, die südlich davon in den siebziger Jahren freigelegt wurde. 210