Budapest Régiségei 30. (1993)

TÁRGYI EMLÉKEK ÉS LELETEK = DENKMÄLER UND FUNDE - Garbsch, Jochen: Gewichte gleicharmiger römischer Waagen in der prähistorischen Staatssammlung München = Egyenlőkarú római mérlegekhez tartozó súlyok a müncheni Prähistorische Staatssammlungban 273-280

Jochen GARBSCH GEWICHTE GLEICHARMIGER ROMISCHER WAAGEN IN DER PRÄHISTORISCHEN STAATSSAMMLUNG MÜNCHEN* Bis zum Jahr 1970 war der Bestand römischer Ge­wichte in der Prähistorischen Staatssammlung sehr klein und bestand . aus den Laufgewichten zweier Schnellwaagen von Arxtham und Eining. In den fol­genden Jahren ließ der verstärkte Einsatz von Metall­sonden mit der Zunahme von Metallfunden auch die Zahl der an bayerischen Fundorten - interessanter­weise ausschließlich militärischen Plätzen - entdeck­ten Gewichte aus Blei stark ansteigen. Meist waren es nun nicht mehr Schiebegewichte von Schnellwaa­gen, sondern zylindrische und kegelstumpf- oder doppelkegelstumpfförmige (doppelkonische) Gewich­te von gleicharmigen Waagen. Im Jahr 1977 wurde bei einer Grabung des Museums in Holzhausen erstmals ein großes Steingewicht einer gleicharmigen Waage für Schwerlasten ausgegraben, und einige Jahre spä­ter konnten zwei im Jahr 1981 in einer Villa in Sittling bei Eining geborgene, aus Bronze gegossene tüllenför­mige Endbeschläge als Teile einer solchen großen gleicharmigen Waage identifiziert und zu einer heute im Burgmuseum Grünwald gezeigten Rekonstruktion ergänzt werden. Schließlich gelang es im Jahr 1993, aus einer Münchner Privatsammlung 17 Stein- und 11 Bleigewichte (darunter einige Laufgewichte von Schnellwaagen, leider sämtlich ohne gesicherten Fundort, teilweise vielleicht aus Carnuntum) zu erwer­ben, die das Spektrum bis zum 200-Pfünder nach oben abrundeten. Die Schnellwaagen des Museums wur­den durch zwei Neufunde aus Weißenburg berei­chert. Die zahlreichen Einzelfunde von Laufgewich­ten können im Rahmen dieses Beitrags nicht behandelt werden. Ohnehin besitzen sie - getrennt von den Schnellwaagen, für die sie individuell berech­net waren - keinen besonderen Erkenntniswert, es sei denn die Art ihrer Herstellung oder die allgemeine hypothetische Zuweisung an Schnellwaagen kleiner, mittlerer oder hoher Tragfähigkeit aufgrund ihrer Größe. Auch quadratische spätantik-byzantinische Gewichte werden ausgespart, desgleichen natürlich die gleichzeitigen büstenförmigen Laufgewichte. Die folgenden Ausführungen sollen keinen neuen Beitrag zur römischen Metrologie leisten, deren Grundzüge und Details seit langem feststehen. Boden­funde, die meist durch die Lagerungs- und Fundbe­dingungen in ihrer ursprünglichen Masse reduziert sind, vermögen ohnehin hier keine neuen Erkenntnis­se zu vermitteln (deshalb wird im Katalog auf ge­naue Gewichtsangaben der einzelnen Gewichte ver­zichtet). Immerhin hat man schon in der Antike mit Beschä­digungen (oder Manipulationen) von Gewichten ge­kämpft, wie die beiden größten Steingewichte zeigen, die ursprünglich als 200- bzw. 180-Pfünder dienten und dann wegen Gewichtverlustes durch Änderung der Aufschrift zu 199- bzw. 181- oder 179-Pfündern wurden (Kat. Nr. 81 und 82). Die kleinen Unzialgewichte bis zum Höchstwert ei­nes Pfundes bestanden aus Blei oder einer Kupfer­Blei-Legierung, gelegentlich mit einem Bronzemantel, die höheren Werte aus Stein. Die folgende Tabelle ist ebenso wie die Liste des Katalogs nach ansteigenden Werten geordnet und bringt demnach zunächst Blei­gewichte, dann Steingewichte. In der letzten Spalte ist jeweils vermerkt, welche Markierung das eine oder an­dere Gewicht noch erkennen läßt: bei den Bleigewich­ten Würfelpunkte für die Werte 1-5 Unzen, ein S als Abkürzung des halben Pfundes (semis) bzw. als Ver­bindung der 6 Würfelaugen, und die Würfelpunkte samt vorgesetztem S für die Werte 7-11 Unzen; bei den Steingewichten eingemeißelte Majuskeln als Zahl­11 • zeichen der Pfunde. Aus dem Griechisch sprechen­den Osten stammen die Zwei-, Drei- und Zehn-Un­zen-Gewichte von Burghöfe (Nr. 36, 49 und 61; Abb. 1,4.6.8) mit der griechischen Unzen-Angabe OY B, OY r und I - vielleicht ein Hinweis auf die Provenienz der Besitzer. Als Pfundnorm wird der Wert 327,45 g zugrundegelegt, dazu der neuerdings von Zs. Visy ver­wendete Wert von 326,16 g. Tabelle der Gewichte aus Blei bzw. Blei und Bronze Pfund Unzen Bezeichnung Gramm Mark 1/24 1/2 semuncia 13,64375 13,59 1/12 1/8 1 11/2 uncia sesuncia 27,2875 40,93125 27,18 40,77 2/12 = 1/6 2 sextans 54,575 54,36 273

Next

/
Thumbnails
Contents