Budapest Régiségei 30. (1993)

VALLÁS = RELIGION - Zsidi Paula: Zur Verehrung der Minerva in Aquincum = Minerva aquincumi tiszteletéhez 185-207

chend, die man ins letzte Viertel des 2. Jh. datierte, ist aus Köln-Plaidt bekannt . Vom untersuchten Gebiet blieb eine einzige Mi­nerva-Darstellung auf einem Steinrelief erhalten (Nr. 13). Das stark fragmentierte Relief stellt Minerva in ungewohnter Art en face dar. Die Göttin läßt sich anhand ihres Helms sowie ihrer unter dem Helm her­vorlugenden Haare identifizieren. Das ovale Gesicht und die regelmäßigen Züge erinnern verblüffend an die Büste aus Marmor. Aufgrund der Fundumstände kann das Relief in die Mitte des 3. Jh. gesetzt wer­den. 44 Trägt man den Fundort der Steinplastiken in der schematische Lagekarte von Aquincum ein (Abb. l.b), fällt auf, daß diese Gruppe Denkmäler vorwiegend in der Zivilstadt zu finden ist. Im Gegensatz zu den of­fiziell errichteten Altarsteinen, die sich mehr um das Legionslager herum konzentrieren, trifft man im Be­reich der Zivilstadt in erster Linie auf Denkmäler von Anwohnern, die Minerva aus freien Stücken verehr­ten. Da aber die Aufstellung einer Steinskulptur ziem­lich kostspielig war, und wenn man ferner das künst­lerische Niveau der einzelnen Denkmäler in Betracht zieht, ist es wahrscheinlich, daß sich in ihnen die Po­pularität Minervas im Kreise der reichen Oberschicht der Stadt widerspiegelt. Bronzeplastik Im untersuchten Gebiet von Aquincum kam nur eine geringe Anzahl Minerva darstellender Bronzestatuet­ten zum Vorschein, die an keinen genauen Fundort zu binden sind. Um herausragende Exemplare, sowohl hinsichtlich ihrer Ausarbeitung, als auch ihres Zustandes, handelt es sich bei den beiden im Ungarischen Nationalmu­seum aufbewahrten Kleinplastiken (Nr. 15, 16). Zahl­reiche ähnliche Stücke sind aus der Einrichtung von Tempeln und Hausheiligtümern bekannt , da ihr ex­akter Fundort jedoch unsicher ist, lassen sich in bezug auf den Minerva-Kult in Aquincum daraus keine weit­gehenden Schlußfolgerungen ableiten. Besondere Beachtung verdient allerdings eine klei­ne Büste aus Bronze (Nr. 17), die auf dem Gelände der Zivilstadt zum Vorschein kam. Im Hinblick auf ihre Funktion könnte sie ebenso Teil eines Gebrauchs­gegenstandes, wie auch, als selbständiges Werk, ein Kultgegenstand gewesen sein. Eine nahezu identi­sche Parallele der Statue - mit Ausnahme des Sockels - ist u. a. aus Carnuntum bekannt (Abb. 24). Auf­grund ihrer Analogien kann angenommen werden, daß es sich um ein aus der ersten Hälfte des 3. Jh. stammendes lokales pannonisches Erzeugnis han­delt 48 An dieser Stelle soll auch die kleine Bleiskulptur Erwähnung finden, von deren Existenz wir lediglich aus Literaturangaben wissen. Davon ausgehend war ihre Komposition der oben behandelten Bronzebüste sehr ähnlich und kann als solche nicht an den Kreis der kultischen Votivdenkmäler gebunden werden. Terrakotten Unter den in Aquincum zum Vorschein gelangten Mi­nerva-Denkmälern hat sich die Fachliteratur nach den Inschriftensteinen am meisten mit den Terrakotten be­faßt. (Abb. l.c) Gemäß Literaturangaben wurden mehr Minerva-Terrakotten als die hier behandelten Stücke gefunden. Im Katalog sind jedoch - wie wir es auch bei anderen Gruppen handhabten - nur diejeni­gen Exemplare angeführt, zu denen mehr Informatio­nen (Chronologie, Topographie, Ikonographie usw.) als ihre bloße Existenz vorlagen. Der „Leitfund" des Hinterlassenschaftsmaterials der Terrakotten von Aquincum ist eine Minerva dar­stellende Großplastik. Die nahezu lebensgroße, hohle Büste (Nr. 18) zeugt eher vom handwerklichen Kön­nen denn von der künstlerischen Neigung ihres Schöp­fers. Als Muster dürften dem Meister die großen Mi­nerva-Statuen aus Stein oder Bronze gedient haben , doch auch mit den kleineren Bronzebüsten Minervas lassen sich zahlreiche verwandte Züge entdecken. Darunter erinnern in erster Linie die Kompositionen der Minerva-Büsten aus Örvényes und Winden am See an die Skulptur vom Fundort Gázgyár. Beson­ders auffällig ist die Übereinstimmung, wenn man die kleine Terrakotte von Örvényes im Profil betrachtet (Abb. 25). Auf eine Kleinplastik als Vorbild verweist auch die Tatsache, daß der Meister einzelne Flächen des Bildwerkes - die den Aegis umgebende Schlange sowie das die Oberfläche des Brustpanzers bildende Ziegenfell - mit seinen eigenen, gut bekannten Mu­stern (Eierstab und Kreis) ausgefüllt hat. Vermutlich hätte er, wenn ihm ein Vorbild identischer Größe zur Verfügung gestanden hätte, sich eher für dessen ge­treue Nachahmung entschieden. Doch bei Vergröße­rung eines Vorbilds kleineren Maßstabs läßt sich das Originalmuster nicht in identischer Abmessung ver­wenden, und so nahm der Meister seinen eigenen, be­währten Musterschatz zu Hilfe. Die Ähnlichkeit mit den erwähnten Bronzebüsten bekräftigt ferner, daß auch ihr Alter dem Alter der Minerva vom Fundort Gázgyár entspricht, und daß es sich in beiden Fällen um provinzielle, lokale Produkte handelt. Leider gibt es aus Aquincum nur wenige ähnlich große Ter­rakottabildwerke, und zwar in stark fragmentiertem Zustand. Zu einer Terrakottabüste kleinerer Abmessung als vorgenannte gehörte das schön ausgearbeitete Frag­ment ohne Fundortangabe (Nr. 19), das der geschupp­te Brustpanzer, der aegis, an Minerva bindet. Die beiden in der Militärstadt zum Vorschein ge­langten Köpfchen stellen eindeutig Minerva dar. Eines der Köpfchen (Nr. 21) erinnert mit seinem breitran­digen Helm und dem geteilt gekämmten Haar einer­seits an die große Skulptur vom Fundort Gázgyár, an­dererseits an einen im Ungarischen Nationalmuseum aufbewahrten kleinen Minervakopf ohne Fundortan­gabe. 57 (Abb. 26). Der andere Kopf (Nr. 22) mit sei­nen feinen, lieblichen Zügen und dem geteilt gekämm­ten Haar ist eine sorgfältigere, präzisere Arbeit. 187

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