Budapest Régiségei 28. (1991)

SZEMLE - Minárovics János: Miért volt az aquincumi tűzoltóság orgonája víziorgona? 261-282

JÁNOS MINÁROVICS WESHALB KONNTE DIE ORGEL DER AQUINCUMER FEUERWEHR EINE WASSERORGEL GEWESEN SEIN? Die Orgel von Aquincum hat eine sehr reiche Fachlite­ratur, in der das Buch von Lajos Nagy: „Az aquincumi orgona" (Die Orgel von Aquincum), das die bronzenen Bestandteile der Orgel erörtert, eine grundlegende Ar­beit darstellt. Die Meinung der Fachleute teilt sich stark in der Frage, ob bei der Luftregulierung der Orgel Wasser verwendet worden sei. Deshalb halten wir es auch unsrerseits für nötig, unsere Argumente auszule­gen, die für das Betätigungsprinzip einer Wasserorgel sprechen und zum Teil auch schon von János Szilágyi veröffenlich worden sind. Forschungsgeschichtlicher Überbück Das Instrument kam im Jahre 228 n. Chr. in den Besitz der Aquincumer Feuerwehr. Als nämlich L. Nagy im Jahre 1931 anläßlich einer Notausgrabung auf die Über­reste der bis heute einzigen bekannten Orgel der anti­ken Welt stieß, fand er zuerst eine bronzene Widmungs­tafel vor (167 x 95 x 1 mm) (Abb. 1.). Der Text der Tafel lautet: Gaius) Iul(ius) Viatorinus dec(urio) col(oniae) Aq(uinci) aedilicius praef(ectus) coll(egii) cent(ona­riorum) hydram coll(egio) s(upra) s(cripto) de suo d(onum) d(edit) Modesto et Probo co(n)s(ulibus) Gaius Iulius Viatorinus, Senatsmitglied der Stadt Aquincum (in co/oraa-Rang), einstiger aedilis (eine Art Polizeibeamter), der Kommandant der Feuerwehr (praefectus collegii centonariorum) schenkt eine Orgel aus eigenem Mittel dem obgenannten Verein zur Zeit der Konsuln Modestus und Probus (im Jahre 228 n. Chr). 4 Der Inschrift nach erhielt also die Feuerwehr eine hydra. Darüber schreibt L. Nagy: „Diese Benennung kam bisher noch nicht vor. Ihr ursprünglicher Name ist IfôpœuXiÇ, der bei Philon vorkommt und den wir auch bei Heron und Athenaios vorfinden. Von da stammt auch ihr lateinischer Name hydraulis, den zu­erst Cicero gebraucht (Tusc. III. 43.). Kommt auch in der Form hydraulia vor (Serv. Bucol. VII. 21.). Das Wort b'p^avov auf ein Musikinstrument bezogen, ist schon bei Piaton anzutreffen und außer diesem erhält vôpa-uXxÇ z. B. bei Heron eine adjektivische Rolle: ÎfôpœuXiKov op7avov. Diese griechische Benennung verbreitete sich auch im Römerreich als hydraulicum orgánum. In der späteren Kaiserzeit wird das Wort hydraulicum oft weggelassen und das andere Element: orgánum zeigt allein die Orgel an, ebenso wie in der griechischen Gegend op^avov. Dieses letztere bedeu­tet am meisten die pneumatische Orgel, jedoch wird es auch auf eine Wasserorgel gedeutet. Über die Funktion der Wasserorgel gibt Vitruvius eine ausführliche Beschreibung , der das Instrument im Abschnitt VHI seines Werkes: „De architectura" beschreibt, wie auch Heron aus Alexandrien im Abschnitt XLH des I. Buches in seiner Arbeit: „Pneu­matica". Den Vorläufer der heutigen Orgeln konstruierte Ktesibios aus Alexandrien im 3. Jh. v. Chr., wo dem Wasser eine winddruckregulierende Rolle zugefallen ist. Ebenfalls Ktesibios konstruierte den Vorgänger der ersten Feuerwehrspritze, die Wasserhubpumpe, die Vitruvius „machina Ctesibii" nennt (Abb. 2.1). Diese Konstruktion war eine mit zwei Zylindern und Ventilen versehene Druckpumpe. Die Beschreibung der Konstruktion war vom Erfinder aller Warschein­lichkeit nach auch mit Zeichnungen dokumentiert, je­doch ging das Originalwerk zugrunde. Ein mit der von Ktesibios beschriebenen Druck­pumpe übereinstimmendes Exemplar wurde in 3 m Tiefe, auf dem Grund einer Quelle in Silchester ge­funden. Auf dem Überrest kann gut ausgenommen werden, daß in einen 520 mm hohen, 330 x 230 mm breiten Eichenholzblock zwei Bleizylinder eingebettet wurden (Abb. 2.2). Der innere Durchmesser dieser betrug 76-2 mm und ihre Länge 610 mm. Auch hier kann der Sammelraum wahrgenommen werden, wo sich die das Ableitungsrohr, die Ventile und die Zylin­der verbindenden Rohre treffen. Dieser Sammelraum kann als Vorläufer des Luftkessels betrachtet werden, der ein zum Teil mit Flüssigkeit, zum Teil mit Luft gefülltes Gefäß ist. Die Druckpumpe von Ktesibios bildete auch den Grund der Heronschen Spritze. Heron wies in seiner Beschreibung im Zusammen­hang mit der Wasserorgel darauf hin, daß der Blase­balg der Wasserorgel und der Zylinder der Feuer­wehrspritze, sowie der Kolben mit demselben Verfah­ren hergestellt wurden (Abb. 2.3). Der wichtige Bestandteil der Feuerwehrspritze ist der Luftdruckkessel, in den der oder die Kolben das Wasser hineinpressen (Abb. 3.1). Der im Luftkessel entstehende Luftpolster von geschlossenem System si­chert den Abgang des Wassers durch die Drucköff­nung in gleichmäßigem Strahl — und nicht intermit­tierend. Bei der Orgel ist gerade eine umgekehrte La­ge, da dort vom Wasser gesichert wird, daß die Luft kontinuierlich, nicht stoßartig und nicht intermittie­267

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