Budapest Régiségei 22. (1971)
TANULMÁNYOK - Gáboriné Csánk Vera: Az érdi középső-paleolit telep 9-50
besten bearbeitet. Der Typ ist viel entschiedener als bei den vorher erwähnten, — bezüglich der Form weicht ein Teil ihrer von den vorherigen Schemen ab, — man könnte sagen, dass dies in der Industrie der „Zwecktyp" war. Angesichts der Varianten ist der Shaber von Quina-Typ, der ebenso bearbeitet wurde, wie die französischen Exemplare, der wichtigste. Die besten Exemplare sind nicht aus Quarzit, doch zur Beurteilung des Charakters der Kultur ist es wichtig, dass man die Quina- und demiQuina-Typen, wenn auch in geringer Zahl, so doch auch aus Quarzit vorfinden kann. Häufig sind die am Grossteil der Dorsalfläche mit Kortex bedeckten runden oder ovalen Schaber, die dritte Variante ist eigentlich ein Spaltenschaber, eine konvexe Variante der geraden. Von viel schwächerer Ausführung als die vorangehenden sind die aus dreieckförmigen Abschlägen verfertigten Schaber mit Kortextalon; — hingegen sind die gleichfalls atypischen dreieckigen, jedoch aus dem inneren des Rohmaterials verfertigten kortexfreien Geräte stark retuschiert. Der Prozentsatz der Hohlschaber ist in der Industrie niedrig, ihre Bearbeitung, von schwächerer Qualität. Der Prozentsatz der Doppelschaber ist in der Industrie von Érd niedrig. Es ist auffallend, dass immer die geraden und konvexen oder an beiden Kanten konvexen Typen am besten bearbeitet sind. Die Spitzschaber stellen in der Industrie die bestbearbeiteten, charakteristischsten Gerätarten dar. Der Typ selbst weicht meistens von den allgemeinen Mousterien-Formen ab. Die Stabilität der Form, der Ausführung und Bearbeitung ist auffallend. Ihr überwiegender Teil wurde aus dreieckigen oder annähernd dreieckigen Kieselabschlägen hergestellt. Der Grossteil der Eckschaber kann als Spezialität der Industrie von Érd bezeichnet werden, doch weichen sie von typologischem Gesichtspunkt von dem regelmässigen „racloir déjété" des Mousterien völlig ab. Aus der Kieselbearbeitung ergeben sich gänzlich andere Formen wie aus dem Blockrohmaterial. Die eine Variante wurde aus parallelseitigen Absplissen unregelmässiger Form erzeugt, sie wird zuweilen ihrem distalen Teil zu breiter, — die eine Seite und der der Basis entgegengesetzte Teil ist retuschiert. Ihre andere Variante ist charakteristischer. Sie steht den aus dreieckigem Abspliss verfertigten Geräten näher, die Form ergibt sich jedoch aus einer charakteristischen Abschlagsweise, aus einem Abschlagstyp. Die Form ist dreieckig, der Talon kortexfrei, die eine Seite wird vom Kortex bedeckt, gegenüber dieser fallen die beiden Kanten stark der Seite zu. Die dritte Variante ist eine eckig bearbeitete Art des Spaltenschabers. Von den Breitschabern (racloir transversal) sind die meisten spaltenförmig. Ihre Basis ist konvex, von einem Kortex bedeckt; — es kommen halbkreisförmige und auch aus kleinen, trapezförmigen Abschlägen erzeugte Geräte vor. Unter diesen finden sich wiederum einige von Semi-Quina-Charakter ; die übrigen sind von regelmässigem Mousterien-Typ. Die Zahl der ventralflächigen Schaber ist ziemlich hoch. Ihren grössten Teil bilden die Bogenschaber. Die ausführlichere, innere Klassifizierung der Gerätart ergibt sich aus der Lage des Kortex und des Abschlagstyps. Ihr Grossteil ist eine äussere, ein geringerer Teil eine innere Kieselspalte. Am seitesten sind hier die atypischen dreieckigen Formen, deren Talon mit Kortex bedeckt ist, anzutreffen. Steilschaber oder wechselseitig^ retuschierte Schaber kommen in der Industrie von Érd kaum vor. Unter den Geräten jungpaläolithischen Charakters müssen wir vor allem die Kratzer erwähnen. Typologisch erinnern sie kaum an die obigen Abschlagsschemen, ihre Bearbeitung ist jedoch ausgesprochen von Mousterien-Charakter. Unter den Varianten kommen Nasenkratzer, einfache Grattoirs, Eckkratzer, klingenkratzerartige Geräte, ja selbst ein einziger, regelmässiger, sog. Daumennagelkratzer (grattoir unguiforme) vor. Die Zahl der Stichel ist gering und ihre Varianten scheinen zufallsartig zu sein. Der Prozentsatz der Bohrer ist ebenfalls niedrig, unter ihnen können wir dieselbe Differenziertheit beobachten, wie bei den Geräten von jungpaläolithischem Charakter. Im allgemeinen lässt sich beobachten, dass von den Gerättypen jüngeren Charakters viel mehr Exemplare aus einem vom Quarzit abweichenden Gestein beserer Qualität verfertigt wurden, als in der „Mousterien-Gerätgruppe". — Eine ähnliche Beobachtung konnten wir auch im Falle der couteaux à dos machen, also das Rohmaterial und die Abschlagsform, — das Erscheinen der jungen Gerättypen hängen miteinander zusammen. Die couteaux à dos naturelles stehen den Spaltenschabern am nächsten, ihre Kantenretusche ist jedoch schwächer. In der Industrie ist der Abschlag mit Endretusche viel wichtiger. Unserer Beobachtung nach bedeutet dieses Gerät in einzelnen Fällen mehr, sein typologisch-funktioneUer Wert ist höher, als der, den die Nomenklatur (éclat tronqué) deckt. Im Fundmaterial von Érd ist dies ein sehr gut klassifizierbarer, stark standardisierter Typ, — eine der örtlichen Eigenartigkeiten der Kultur. Die gekerbten Abschläge (outils à encoches) sind für das Material von Érd nicht typisch. Eine gleichfalls niedrige Zahl und schwache, atypische Bearbeitung weisen auch die gezähnten Geräte auf. In der Industrie fallen auch 3 Spitzen von Tayac-Typ auf. Die weiteren Typen der Industrie : Mikrostichel, and der Spitze gekerbter Abschlag, retuschierter Kernstein (hachoir) und Hobel (rabot), — alle Gerätarten sind in geringer Anzahl. Von den in der südwesteuropäischen Kultur so häufigen gestielten Geräten kommt ein einziges Exemplar ebenfalls vor. Der Prozentsatz der Choppers und Chopping-Tools ist verhältnismässig hoch. In der oberen Kulturschicht kamen ausser der Steinindustrie ein gut bearbeitetes Knochengerät, einige künstlich geschliffene Knochenspäne vor. Das Material wird durch mehrere kräftig bearbeitete 47