Budapest Régiségei 22. (1971)
TANULMÁNYOK - Gáboriné Csánk Vera: Az érdi középső-paleolit telep 9-50
V. GABORI-CSANK DIE M1TTELPALÄOLITHISCHE SIEDLUNG VON ÉRD 1. Die im Bereich von Budapest gelegene, altsteinzeitliche Siedlung, die wir in den Jahren 1963—64 freigelegt haben, ist die dritte Siedlung der Mousterien-Kultur in Ungarn. Ihre Bedeutung ergibt sich nicht nur aus der geringen Zahl der bisher entdeckten Fundorte, sondern auch aus zahlreichen solchen Faktoren, die mit den Problemen der Chronologie dieser Epoche und der Klassifizierung ihrer Kultur zusammenhängen. Érd — als unberührter Fundort — ist nach mehr als 50 bzw. 30 Jahren unser erster MousterienFundort, wo eine Siedlung von ständigem Charakter gänzlich erschlossen wurde v Das Mousterien von Érd fällt ausserhalb des in Ungarn bisher bekannten Formenkreises des Mittelpaläolithikums und ist von mehreren Gesichtspunkten auch im mitteleuropäischen Raum ein spezieller Fundort. Der Fundort hat eine eigenartige geologisch-morphologische Lage. Abweichend von den bisher bekannten Siedlungen stehen wir einer im freien Gelände, in einem Talkopf ausgebildeten Jägerstation der Mousterien-Kultur mit einem unteren, dünneren und einem oberen Schichtkomplex gegenüber. Ihre Eigenartigkeit ist, dass trotz der im freien Gelände entstandenen Siedlung die Menschengruppe dennoch aus Höhlenbärjägern bestand also ihr Jagdobjekt wich nicht von dem der üblichen mitteleuropäischen Fundorte ab. Dementgegen ist die Siedlung dennoch kein Jagdrastplatz, sondern auch dem inneren Gehalt der Kultur nach ein von Zeit zu Zeit bezogenes Jagdlager, das eine gewisse Entwicklung aufweist. Die Industrie des Fundortes weicht völlig von der der Subalyuk-Fföhle und von Tata, und von der Kultur der ihr anschliessenden, in Spuren erhaltenen provisorischen Siedlungen ab. Im Zusammenhang mit dem Fundort stehen wir lauter Spezialitäten gegenüber. Die Schichtenreihe des Fundortes zeigt an einzelnen Teilen vom Ende des Riss-Würm-Interglazials bis zum Ende der letzten Vereisung in abgekürzter Form den ganzen Verlauf des WürmGlazials, —andererseits stehen uns solche siedlungsgeschichtliche Beobachtungen zur Verfügung, die zu einer zoologischen und archäologischen Untersuchung der Lebensform im Mousterien näherführen könnten. Die Aufarbeitung des Fundortes wird in einer komplexen Monographie publiziert. Deshalb können wir an dieser Stelle ausschliesslich nur eine kurze Auswertung des archäologischen Materials und bloss einen Vorbericht über die Ergebnisse bringen, sowie aus der komplexen Arbeit nur Einzelheiten vorführen. Der Fundort liegt auf dem Plateau von Érd bei Budapest. Von geomorphologischem Standpunkt ist das Gebiet vom miozän-pleistozänen Schichten bedeckt. Über den Fundort zieht ein 15 m tiefes Tal in Richtung der Donau zu. In dieses Tal münden von der einen Seite zwei kleinere, unmittelbar nebeneinander verlaufende Seitentäler von geringer Tiefe. Ihre Mündung mit bedeutendem Niveauunterschied über dem Haupttal ist SW orientiert. Die Talköpfe sind bloss 18—22 m lang und bilden einen sich verbreiternden, von Kalkstein umgebene Mulde von unregelmässiger Form. Die beiden Talmulden wurden um ein Gutes vor der Würmzeit vom Wasser ausgespült, — es blieb bloss die Kalksteinumgebung erhalten und in diesen trockenen, mit zerklüfteten Kalksteinwänden umgebenen, unregelmässig geformten Mulden siedelte sich der Mensch an. Die erste Ansiedlung, die untere, dünne Kulturschicht liegt auf dem bröckeligen Kalkstein, — sodann häuften sich in den beiden Talköpfen etwa vom Beginn der Wurm 1-Periode Sedimentschichten ununterbrochen an. Die aufgeschlossene Schichtenreihe hält bis zum Maximum von Wurm 3 an. In unteren Teil bildete sich ein durchschnittlich 140 cm mächtiger Kulturschichtkomplex aus. Die zwei Talköpfe ziehen sich dicht nebeneinander entlang, zwischen ihnen bildet der Kalkstein eine niedrige Wand. Zwischen den beiden Teilen der Siedlung besteht einigermassen ein Niveauunterschied, — der grössere Wohnraum ist länger, während das kleinere Becken sich nur auf einem engeren Gebiet in den Kalkstein eingeschnitten hat. Mehrere Faktoren, so vor allem die in äusserst grosser Menge erhalten gebliebenen Tierüberreste, — etwa 15 000 bestimmbare Tierknochen auf einem Gelände von 250 m 2 — weisen darauf hin, dass dieses Gebiet nicht nur äusserst geschützt und relativ „warm" war, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach an einem Wildwechsel gelegen ist. Die Besiedlung der beiden, durch eine niedrige Kalkstein wand getrennten Wohnsiedlungen erfolgte gleichzeitig, auf einmal und ihre Schichtung hielt auch weiterhin ununterbrochen an. Die beiden Kulturschichten des Fundortes enthalten ein Fundmaterial von völlig gleichem Charakter. Auf die Talsohle lagerte sich eine 20 cm dicke Kulturschicht auf, darüber folgte eine sterile Trennschicht, über die sich die 80—100 cm mächtige Kulturschicht lagerte, deren schichtenweise erfolgte Erschliessung zahlreiche Siedlungsbeobachtungen ermöglichte. Die Grabungsbeobachtungen geben wir hier 43