Budapest Régiségei 20. (1963)

TANULMÁNYOK - Alföldy Géza: Aquincum vallási életének története 47-69

O. ALFÖLDY GESCHICHTE DES RELIGIÖSEN LEBENS IN AQUINCUM Die religiösen Verhältnisse von Aquincum sind hauptsächlich durch die grundlegenden Arbeiten von A. Breiich und T. Nagy bekannt. Es wurde aber bis jetzt nicht versucht, die Entwicklung des religiösen Lebens historisch darzustellen und eben dies streben wir auf Grund der gut datierbaren epigraphischen Denk­mäler an. Den Votivins chrif ten aus der Zeit vor den Markomannenkriegen ist zu entnehmen, daß damals im religiösen Leben der Stadt zwei Kultrichtungen eine Rolle spielten: die Ver­ehrung der römischen Staatsgötter bzw. die langsame Romanisierung der einheimischen Kulte. Im ganzen genommen war das religiöse Leben bis zu einem gewissen Grade formell. Die Verehrung der römischen Staatsgötter hatte viel eher einen politischen als einen wahrhaft religiösen Inhalt. In der Zeit von den Markomannenkriegen bis zum Tode des Severus Alexander gestalte­ten sich die religiösen Verhältnisse völlig anders. Die Rolle der römischen Staatsreligion erlangte im Kreise der führenden Schichten der Gesell­schaft eine wachsende Bedeutung, vor allem was den Kaiserkult betraf, der seit der Zeit des Septimius Severus sehr stark propagiert wurde. In der offiziellen Staatsreligion wurde auch der göttliche Charakter des Ortes und des Heeres stark betont. Weitaus wichtiger sind aber die Anzeichen für die Vertiefung der persönlichen religiösen Ansprüchen. Die einheimischen ro­manisierten Kulte waren sehr beliebt, vor­nehmlich darum, weil sie den persönlichen reli­giösen Ansprüchen besser entsprachen als die Verehrung der römischen Götter. Solche An­sprüche konnten jedoch die orientalischen Kulte am besten befriedigen und in Aquincum war besonders seit der Zeit des Commodus der Mithraskult allgemein verbreitet. Im ganzen genommen zeigen sich die Änderungen in dop­pelter Hinsicht: auf dem Gebiete der amtlichen Staatsreligion, in deren Mittelpunkt der Kaiser­kult stand bzw. auf dem Gebiete des persön­lichen religiösen Lebens, da das Suchen nach persönlichen religiösen Erlebnissen, der An­spruch nach Erlösung in den Vordergrund trat. Beide neuen Faktoren wurzeln in der steigen­den Krise des römischen Reiches: die Propa­gierung des Kaiserkults stand mit der Änderung der kaiserlichen Macht in Zusammenhang und das Suchen nach einem Ausweg in der Religion entsprang der Ungewißheit als eine Folge der zunehmenden Krise des irdischen Daseins. In der Zeit von der Thronbesteigung des Maximinus Thrax bis zur Tetrarchie entwickel­ten sich weiter diese beiden Faktoren des reli­giösen Lebens. Im offiziellen Kult spielte un­verändert der Kaiserkult die Hauptrolle, auch die Wiederbelebung der alten Traditionen der römischen Staatsreligion stand damit im Zu­sammenhange. Im persönlichen religiösen Leben werden durch den Mithras-Kult alle anderen Richtungen verdrängt. In der religiösen Ent­wicklung der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts sind diese beiden Faktoren immer mehr mit­einander verflochten; der Mithraskult wird unzertrennbar vom Kaiserkult. Am Anfang des 4. Jahrhunderts zog der Zusammenbruch der militärischen Vorherrschaft Pannoniens auch den der sozialen Basis des Kaiserkults und der Mithrasreligion nach sich. 69

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