Budapest Régiségei 20. (1963)

ANYAGKÖZLÉSEK - Wellner István: Terra Mater és Liber Pater közös oltára Aquincumban 299-301

/. WELLNER GEMEINSAMER ALTAR DER TERRA MATER UND DES LIBER PATER IN AQUINCUM Im Mai 1958 kam südlich der Canabae von Aquincum anläßlich einer Rohrlegung das Fragment eines Altarsteines von kleinem Aus­maße mit der Inschrift TERR(a)E MAT(ri) /LIBERO [pat](ri)/ [.] PFEI (?) [. . . zum Vorschein. Auf dem oberen abschließenden Teil der Vorderseite können die zwei M-för­migen Einschnitte nur ein durchgehendes Orna­ment gewesen sein. Sollte es eine Inschrift dar­stellen, so wäre sie wahrscheinlich auf Magna Mater zu ergänzen. Bisher waren drei Altarsteine der Terra Mater von Aquincum bekannt. Einer von diesen war ausschließlich der Erdmutter geweiht, an den beiden anderen treffen wir sie mit Iuppiter Optimus Maximus bzw. mit Iuppiter und Iuno gemeinsam an und die „himmlischen" Götter werden vor ihr aufgezählt. Auf unserem Altar steht an erster Stelle der Name der Terra Mater und ihm folgt erst der in der Umgebung von Aquincum äußerst populäre Liber Pater. Dieser bacchische Gott war die Verkörperung des berauschten Glückes des dies- und jenseitigen Lebens. Als Förderer der Fruchtbarkeit der Natur ist er ein Gott gleichen Charakters wie die Terra Mater. Trotz alledem war ein Altar mit gemeinsamer Weihung in ganz Pannonién nur aus Singidunum bekannt. Auch die bisher bekannten Denkmäler von Aquincum des Terra Mater-Kultes befinden sich in Höhlengegenden. Die Höhlen hatten überall den Charakter der ,,Unterwelt"; man meinte durch ihre in den Schoß der Erde führen­den Mündungen, eine nähere Verbindung mit den chthonischen Mächten herstellen zu können. In der Nähe der Fundstelle unseres Altars sind ebenfalls Höhlen. Der Name des Stifters ist uns leider nicht bekannt. Die dritte Zeile der Inschrift läßt sich eventuell auf P(ublius) FEL [ix] ergänzen. Den Kult der Terra Mater ver­mögen wir in unserem Lande mit keiner Volks­gruppe in Verbindung zu bringen. Die Ver­ehrer des Liber Pater setzten sich in erster Linie aus der eraviskischen Urbevölkerung zusammen. Die Fruchtbarkeit, die gute Ernte war jedoch das gemeinsame Interesse eines jeden hier Ansässigen und konnte daher Gegen­stand der religiösen Verehrung worden sein. 301

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