Budapest Régiségei 19. (1959)

TANULMÁNYOK - Czagány István: A középkori grafikus stílus emlékei a budai várnegyed területén 35-56

sen reinste Beispiele wir in den Obergeschoß­fenstern der Országházgasse 18 vor uns haben. Der Zusammenhang dieser Fenster mit denen des Kameny Dum in Kutná Hora z. B. ist ganz offensichtlich und somit sind wir auch über ihre Herkunft nicht im Unklaren. Auch das »reine graphische Profil« lebt aber im Zeitalter der Renaissance weiter, um in der Postgotik selbständige Typen von Öffnungsrahmungen auszuprägen. In der Anna­gasse 4 zeigen die Fenster ohne Unterteilung des Obergeschosses den eigenen lokalen Cha­rakter dieser letzten Station der Entwicklung, wie er sich u. a. in der Weiterführung des Profils auf der Sohlbank offenbart. Dieser postgotische Typus ist eine lokale Eigenart des Wohnviertels der Festung v. Buda und in keinem anderen Gebiet, weder in Schlesien oder Böhmen, noch im einstigen oberungari­schen Gebiet trifft man auf eine ähnliche Er­scheinung. Der Typus gehört dem 16. Jahr­hundert an, dies bedeutet aber kunstgeschicht­lich soviel, daß der »graphische Stil« in Buda ver­hältnismäßig lange gelebt und auch die Renais­sance überdauert hat. Ohne Übertreibung dür­fen wir sagen, daß er von der Mitte des 14. Jahrhunderts an ganz bis zur Mitte des 16. ununterbrochen in Anwendung war. Außer den bisher angeführten Fenster­rahmungen kommen die »Profile graphischen Stils« sogar im repräsentativsten Denkmal­material der Gotik von Buda, den Sitznischen, deren Formentwicklung am kontinuierlichsten war, in ansehnlicher Zahl vor. »Reines gra­phisches Profil« kennzeichnet die Sitznischen der Toreinfahrten von Bauten wie Tarnok­gasse 13, Űrigasse 34, 36 und 48, nebst diesen ist aber das Profil auch in einer Erscheinungs­form bekannt, die nur ein halbes Birnglied als Bereicherung aufweist und so den graphi­schen Charakter entschieden bewahrt hat. Diese Form des Profils kam an den Sitznischen der Toreinfahrten von Gebäuden wie Országház­gasse 2, und 9, ferner Űrigasse 32 zur Anwen­dung. Die Sedilereihen sind sowohl von mor­phologischen als auch von konstruktionstech­nischen Gesichtspunkten als Werke derselben Schule anzusehen. Das Gesetz der Parallelität zwischen Morphologie und Konstruktion in der Stilentwicklung läßt sich an den Sitznischen gut beobachten und das bedeutet soviel, daß jede typologische Formänderung stets mit Änderungen im Bau des Profils und in der technischen Konstruktion Hand in Hand geht. In den Abschluß Verzierungen der Sitznischen er­scheint nämlich die dem Terziärprofil ange­hörende Nase nicht eher, als bis das Profil »graphischen Stils« im entwicklungsgeschicht­lichen Verlauf bereits durch Elemente aus einem anderen Stil — den halben Birngliedern be­reichert worden ist. Am reinsten tritt uns die Anwendung des Profils »graphischen Stils« bei jenen Sitz­nischen entgegen, von welchen auch in typo­logischer Hinsicht die böhmische Herkunft am ehesten abzulesen ist. Der Zusammenhang zwischen den nördlichen, dreieckig abschließen­den Sitznischen der Toreinfahrt von Űrigasse 36 und den Nischen ähnlichen Stils der Burg­kapelle von Krivotklát liegt auf der Hand. Diese Beobachtung bestätigt alles, was wir im Zusammenhang mit dem »böhmisch-schlesi­schen Fenstertypus« gesagt haben, erbringt aber auch den Beweis dafür, daß der »graphi­sche Stil« im Gebiet des Festungsviertels aus Böhmen stammt. Die Resultate unserer bishe­rigen Beobachtungen gründen sich auf etwa 20 Fensterumrahmungen und 40 Sitznischen »gra­phischen Stils«, vom fundstatistischen Ge­sichtspunkt ergibt es sich ferner, daß die Denk­mäler des Stils in größerer Anzahl im Gebiet des Festungsviertels als in den bisher durch­geführten Ausgrabungen im Burgpalast zutage gekommen sind. Auf Grund des früher gesagten können wir bei dem gegenwärtigen Stand der ungarländi­schen Forschungsresultate den »graphischen Stil« folgendermaßen den anderen gotischen Stilen einreihen : Als erste der gotischen Stilformen gelangte der sog. »zylindrische Stil« nach Ungarn, den der aus Frankreich sich verbreitende Über­gangsstil der Zisterzienser (Topuszko um 1211 ; Bélapátfalva um 1232) der ungarländischen Gotik vermittelt hat. Diese Stilrichtung meldet sich bald auch in Buda, (Brautportal der Lieb­frauenkirche um 1260) und lebt in reiner Form sogar nach zwei Jahrhunderten ein selb­ständiges Leben (Paulanerkloster v. St. Lo­renz in der Umgebung von Buda, 15. Jahr­hundert). In chronologischer Ordung folgt darauf die Stilphase des »birnenförmigen Hauptglie­des«, die zugleich die Ausreifung der im bayrisch-süddeutschen Sprachgebiet blühenden Hochgotik bedeutet, ihre Verbreitung (Lieb­frauenkirche : Marienportal 1370—80) und ihre in ausgereifter Form anhaltende Herr­schaft (Chor der Dominikanerkirche vom hl. Nikolaus). Während dem ganzen 15. Jahr­hundert lebt sie dan in dieser Form weiter (Liebfrauenkirche : Matthias-Turm, zwischen 1461—1470). Der zweiten Stilphase schließt sich in der Zeitordnung der dritte »graphische Stil« eng an, der bereits als Vertreter der am Ende des 14. Jahrhunderts um sich greifenden böhmisch­schlesischen Stilströmung in Buda erscheint. Beinahe 200 Jahre lang bleibt der Stil hier in seiner ursprünglichen Reinheit erhalten (Fortunagasse 14, 1514 ; Annagasse 4, vor 1541), doch parallel damit verschmilzt er im Lauf des 15. Jahrhunderts auch mit den Kunst­formen des »Birnstab«-Stils (Űrigasse 32, Or­55

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