Budapest Régiségei 13. (1943)

ÉRTESÍTŐ - Auszüge = Estratti = Summaries 485-575

gen und die Knochen in einer Ecke auf­gehäuft. In keinem fand man Grabbeigaben. Zwischen den sekundär verwendeten Stein­platten war ein Grabsteinfragment, das einem verstorbenen cornicularius der legio IV. Flavia gehörte. Neben der südlichen Mauer fanden wir ein aufgewühltes Ziegel­grab. In dem östlichen, grösseren Raum des Grabgebäudes stand neben der nörd­lichen Mauer eine, ebenfalls aus Stein­platten zusammengesetzte Grabstätte, doch war sie schon geplündert. Die vordere Platte eines Sarkophags aus dem benachbarten noch dem 3. Jh. gehörenden Teil der Be­gräbnisstätte wurde hier sekundär verwen­det. Der Inschrift nach ruhte einst die von Mursa stammende Flavia Paula in diesem Sarkophag. Wir können bemerken, dass dies schon das dritte Denkmal aus dem Friedhof neben der Bécsistrasse ist, das einer von Mursa stammenden Person gehörte. (Vgl. CIL III. 3560 und den Sarkophag des Stratonicus neben dem Hause Bécsistrasse 102/a). Über den Gräbern blieben in durch­schnittlich 40 cm Höhe über dem gestampf­ten Erdboden der Grabkammer, die Reste eines anderen Terrazzo-Fussbodens erhalten. Von hier an waren die Wände mit grünen und roten Streifen bemalt. Nach dem Bei­spiel von ähnlichen, aus Ostia und Köln bekannten Gebäuden (W. Haberey, Germa­nia 1934 S. 21 und ebenda Fr. Fremersdorf, S. 274 ff.) können wir uns auch die Grab­kammer von Bécsistrasse als ein, sich über die Erde erhebenden, stockhohes Gebäude vorstellen. Südlich von der Grabkammer kam ein Grabgarten von unregelmässiger Form zum Vorschein. Die Dicke der in Lehm gesetzten Mauern erstreckte sich von 50 bis 80 cm. Sie wurde durch neuzeitliche Grabungen zerstört. Am Erdboden lagen durcheinander­geworfene menschliche Knochen. Bei der nördlichen Mauer fanden wir zwischen den Steinplatten das Skelett eines Säuglings. An der östlichen Seite fanden wir in 1-10 m Tiefe unter dem Fussboden ein Brandgrab. Verkohlte Knochen und Holzteile, wie auch die Asche wiesen darauf hin, dass man den Verstorbenen im Grabe verbrannt hat. Die ärmliche Beigabe bestand aus dem Griff einer kleinen Truhe und aus einem kleinen Stück einer getriebenen Bronzeplatte (Abb. 17). An der südlichen Grenze des Grundstückes kam auch ein anderer Grabgarten in stark zerstörtem Zustande zum Vorschein. In der Mitte fanden wir die Spuren eines Brand­grabes, am östlichen Ende dagegen lag ein Männerskelett in N-S. Richtung. Sein Kopf fehlte. Die Hände waren über dem Becken gefaltet. Neben dem rechten Unterschenkel lag ein henkeliger, gelber, glasierter Krug. Zwischen den beiden Grabanlagen waren Ziegelgräber, bzw. aus unregelmässigen Stei­nen zusammengesetzte Gräber. Die aus­gestreckten Skelette lagen in N-S. Richtung, mit dem Kopf nach Norden. Die Hände wa­ren über dem Becken gefaltet. (Abb. 18.) Hier konnten wir in einem Falle die Spuren neuerer Beerdigungen beobachten, als man die frühe­ren Skelette auf eine Seite des Grabes schob und legte den neuen Leichnam auf ihren Platz. Die Gräber waren unversehrt und reich an Beigaben. Die Gläser und die glasierten Krüge kamen paarweise zum Vorschein, ebenso wie in den, ähnlicherweise aus dem IV. Jahrhundert stammenden Friedhöfen von z. B. Intercisa (St. Paulovics, Die röm. Ansiedlung v. Dunapentele. 1927. Gräber nr. XXL, XXIL, XXVIII.) und Zengővárkony. (Noch nicht publiziert.) Bei den weiblichen Skeletten fehlten nicht die Glaspastaperlen in verschiedenen Farben, die Fibeln und die, aus Bronzedraht gedrehten oder aus schmaler Eisenplatte gehämmerten, bzw. Knochenarmbänder. Die Münzfunde reichen von der Zeit des Constantius II bis Gratianus und weisen unseres Gräberfeld auf die zweite Hälfte des IV. Jahrhunderts hin. Auch die oben erwähnte grössere Grabkam­mer stammt aus dieser Zeit. Die Brand­gräber bezeichnen dagegen wahrscheinlich den nördlichen Saum jedes frühen (I —IL Jh.) Gräberfeldes, welches wir bei den städ­tischen Miethäusern Bécsistrasse Nr. 86. und Nr. 90—92. schon kennenlernten. An dem Zeitraum zwischen den früheren Brand­Budapest Régiségei. 545

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