Nyelvtudományi Közlemények 95. kötet (1996-1997)
Telegdi Zsigmond: Ein früher Versuch die ungarische Morphologie systematisch aufzubauen 13
14 ZSIGMOND TELEGDI Dabei handelt es sich für ihn nicht bloss um eine funktionelle Gleichwertigkeit zwischen Wort und Affix. Er leitet die persönlichen Affixe des Ungarischen aus den entsprechenden Pronomina ab, betont aber, daß die (nach ihm) aus Wohllautsgründen erfolgte Umwandlung dieser in ihrer Lautform ihre pronominale Natur unverändert läßt, daß diese Affixe in Wahrheit (reverä) Pronomina sind.3 Er findet daher, daß im Ungarischen Flexion und Ableitung eher Komposition sind.4 2. Verseghy tritt gleich auf dem Titelblatt des Proludium, seiner ersten, programmatischen Schrift zur Sprachwissenschaft (1793) mit der Ankündigung auf, er beabsichtige die "Institutionen" der ungarischen Sprache nach Adelungs System (systema Adelungianum) darzustellen.5 Im weiteren Verlauf eines schweren Lebens — war er unafhörlich bemüht, das, was er im Proludium angekündigt hatte, auszuführen. Er hat, unter anderem, die Grammatik des Ungarischen mehrmals, aufgrund selbständiger, eingehender Forschung dargestellt, zuerst in deutscher, dann in lateinischer und in ungarischer Sprache.6 Der Mann, dessen "System" Verseghy seiner Unternehmung zugrunde zu legen gedachte, Johann Christian Adelung (1732-1806), war ein erstaunlich vielseitiger und unermüdlich tätiger Gelehrter. Als Sprachforscher hat er durch sein vielbändiges Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (zuerst 1774-1785), seine Deutsche Sprachlehre (1781), sein Umständliches Lehrgebäude der Deutschen Sprache (1782) und seine zahlreichen Abhandlungen zur Grammatik, Stilistik und Orthographie wesentlich zur Kodifizierung der deutschen Literatursprache beigetragen. Die Deutsche Sprachlehre — ein anspruchvolles Schulbuch, für Gymnasien und höhere Schulen bestimmt — hat einen durchschlagenden Erfolg gehabt, kam bis 1816 auf sechs Auflagen und wurde auch ins Französische und ins Lateinische übersetzt; auf dieses Werk bezieht sich auch Verseghy mehrmals in seinem Proludium. Was dieser mit "Adelungisches System" meinte, war kein ausgeführtes System der Grammatik, das auf das Ungarische übertragen werden sollte. Ein solch-3 "Affixa possessiva sunt ipsa pronomina personalia. Nobis enim relatio nominum ad personas exprimitur per pronomina personalia simplicia, possessis nominibus coniunctim adnexa, varie tarnen mutata secundum leges euphoniae: quae, hoc usu a primigeniis separatis utcunque deflexa, vocantur inseparabilia, et affixa pronomina". (ebd., 1.444). 4 "Siquidem affixa nostra reuera voces sunt, excitandis certis notionibus olim destinatae: in lingua nostra, et inflexió, et derivatio, est potius compositio, duas et plures notiones una vocula coniungens" (ebd., 1.190). 5 Der volle Titel lautet: Proludium in institutiones linguae hungaricae, ad systema Adelungianum, genium item linguarum orientalium ac dialectum tibiscanam et transylvanam exactas. 6 Für eine annotierte Bibliographie von Verseghys linguistischen Werken siehe Riedl 1880 497-502. Nyelvtudományi Közlemények 95 1996-1997.