Nyelvtudományi Közlemények 84. kötet (1982)

Tanulmányok - Ritter, Ralf-Peter: Ein frühneuhochdeutsches Lehnwort des Ungarischen: hopcihér ’Rädelsführer’ 269

270 RALF-PETBÄ BITTER mitteldeutschen Dialekten gut belegbar: hopt 'capitium', hoptmann "capita­neus', hopt 'caput', hopt-cussen 'cervical' (DIEFFENBACH, GlossLatGerm.), hopt (LEXEB, MhdtHandwb.), hoptloch (SCHMILLEE, BayerWb.). Auszugehen ist von langem deutschen o (vgl. MOSER, FrühnhdtGr. I, 173), das jedoch — zumal vor Doppelkonsonanz — eher ungarischem kurzen o entsprochen haben dürfte. Ung. o für die Kontinuante des Diphthonges in mhd. houbet wird durch den Beleg hopmánja von 1689 (M. HORVÁTH, Német elemek a 17. század magyar nyelvében. Budapest 1978. S. 87, s. v. hauptmann) bezeugt; zur Wie­dergabe von frühnhdt. au im Ungarischen vgl. die Lemmata hauptkvártély, hauptbacht, hauszkne{c)ht (88), lajkauf (123), laufgroben (129) ebd. Die Kon­sonantenverbindung -ts- mußte im Ungarischen mit der Affrikáta c identifi­ziert werden. Hinsichtlich der Vertretung des deutschen ä durch ung. i ist am ehesten mit mitteldeutscher Herkunft zu rechnen, da im Oberdeutschen der Sekundärumlaut „überoffen" artikuliert wurde (vgl. BOOR—WISNIEWSKI, MhdtGr.7 141). Ferner ist zu berücksichtigen, daß dt. Hauptsacher frühzeitig zu einer synchron unmotivierten Bildung geworden und die für ein Komposi­tum charakteristische Betonung Hauptsacher einer Betonung Hauptsächer (Typ Königin) gewichen sein dürfte. Mitteldeutscher unbetonter e-Laut hatte aber — wie gelegentliche Wiedergabe durch das Graphem i in älteren Denk­mälern zeigt — einen sehr geschlossenen Charakter (vgl. BOOB—WISMIEWSKI, 17). Nachfolgendes palatales ch verstärkte die Tendenz zu geschlossener Arti­kulation — s. WILMANS, DtGr., Lautlehre § 305, (vgl. Rettich, Bottich u. a. für mhd. retech, botech). Zur Entsprechung ung. h—dt. ch vgl. ciha aus dt. Zieche und SIMONYI: NyK 24: 500. Bezüglich des Ausgangs -ér s. SIMONYI: Nyr. 7: 105. 5. Die Variante hepciher (TESz., um 1600) erklärt sich am leichtesten als Entlehnung eines deutschen *häptsächer — vgl. hanen-häbt 'caput galli' (DIEFFENBACH: op. cit., s. v.) und oben die Belege mit heubt-; eine Wirkung des e der Schlußsübe über das bezüglich der Vokalharmonie neutrale i hinweg erscheint äußerst unwahrscheinlich. 6. Dunkel bleibt freilich die Genese der erst spät und mit erheblich abweichender Bedeutung belegbaren Form kupcihér. RALF-PETER RITTER

Next

/
Thumbnails
Contents