Nyelvtudományi Közlemények 83. kötet (1981)

Tanulmányok - Vekerdi József: Nyelvészeti adalékok a cigányság őstörténetéhez [Sprachgeschichtliches zur Urgeschichte der Zigeuner] 415

420 VEKERDI JÓZSEF társadalom legalsó rétegét alkotják. Kevés kivételtől eltekintve, sehol sem kapcsolódtak be a helyi lakosság termelőmunkájába.25 így a történeti források és a néprajzi adatok megerősítik azt a képet, amelyet a cigány nyelv szókincsének vizsgálata alapján nyerhetünk a cigá­nyok indiai elődeinek gazdasági életéről és társadalmi szervezettségéről. Ide­vágó hagyományait Indiáig visszanyúlólag, páratlan konzervatívizmussal őrzi a cigányság éppúgy, mint indiai rokonaik, az ókori dómba népcsoport Indiában maradt leszármazottai. VEKERDI JÓZSEF Sprachgeschichtliches zur Urgeschichte der Zigeuner von JÓZSEF VEKERDI Obwohl der Wortschatz der Zigeunersprache alleinstehend gering ist (die kurz­lebigen Fremdwörter aus der Sprache des jeweiligen Gastvolkes abgerechnet, kaum 1000—1500 Wörter werden in den einzelnen Zigeunerdialekten gebraucht), ermöglicht der überraschend hohe Anteil der Stammwörter indischen Ursprungs einen Rückblick auf die ökonomischen und sozialen Verhältnisse der Vorfahren der Zigeuner in ihrer indi­schen Urheimat. Etwa 400 — 500 Stammwörter lassen sich unmittelbar auf ein entspre­chendes altindisches Wort zurückführen. Dabei sind die Zigeunerwörter indischen Ur­sprungs etymologisch wie semasiologisch weitgehend einheitlich in den einzelnen Zigeu­nerdialekten. Diese Einheitlichkeit bereicht igt die Annahme, daß der heutige Wort­schatz ein treues Bild der Zustände vor zweitausend Jahren spiegelt. Aus der Untersuchung der Wortkategorien für Jagd, Fischfang, Handwerk und gesellschaftliche Ordnung ergibt sich eindeutig, daß den Vorfahren der Zigeuner die pro­duktive Arbeit auf all diesen Gebieten unbekannt war. Keine Wörter wie z. B. 'Hacke', 'Pflug', 'ackern', 'Pfeil', 'Falle', 'angeln' usw. sind in der Sprache vorhanden. Anderer­seits sind die Fertigprodukte, die ohne Anwendung einer produktiven Tätigkeit, unmit­telbar genossen werden können, reichlich vertreten: 'Weizen', 'Mehl', 'Milch', 'Butter', 'Käse', 'Nuß' usw. werden im Zigeunerischen mit Wörtern indischen Ursprungs bezeich­net. Desgleichen sind indische Wörter für die Tätigkeiten der alltäglichen Lebensführung in einer großen Zahl vorhanden ('kochen', 'braten', 'nähen', 'Topf, 'Löffel', 'Hemd', 'Sack' usw.), aber Wörter für Gewerbe wie Schmiedearbeit, Töpferei, Werkzeuge usw. fehlen vollkommen aus dem alten (aus Indien hergebrachten) Wortschatz der Zigeuner­sprache. So spricht der Wortschatz dafür, daß die Vorfahren der Zigeuner umherzie­hende Sammler waren (wie das von H. ARNOLD richtig behauptet wurde), die neben dem Sammeln durch gelegentliche Dienstleistungen an die Bevölkerung des Landes ein ge­wisses Natural- oder Geldeinkommen erworben haben, aber keine regelmäßige produk­tive Tätigkeit als Basis ihrer ökonomischen Existenz führten. Merkwürdigerweise wurden in denjenigen Begriffskategorien, in welchen die Wörter indischen Ursprungs fehlen, auch in späterer Zeit keine Lehnwörter in die Zigeu­nersprache aufgenommen. Lehnwörter für Ackerbau usw. haben sich auch im späteren nicht in die Sprache eingebürgert. Andererseits gibt es in denjenigen Kategorien, in welchen die wichtigsten Wörter bereits in der ältesten (indischen) Schicht vorhanden waren, recht viele spätere Entlehnungen aus anderen Sprachen (Krug, Kessel, Seife, Suppe, Rock usw. aus dem Iranischen, Griechischen und Südslavischen). Das beweist einen weit­gehenden Konservativismus der Zigeuner in der Bewahrung der hergebrachten Lebens­form auch unter veränderten Umständen: was ihnen ursprünglich wesenfremd war, das haben sie auch später abgelehnt. In der gesellschaftlichen Organisation scheint die Großfamilie die höchste Einheit gewesen zu sein. Wörter für Stamm, Sippe, Führer usw. sowie für soziale Hierarchie und Arbeitsteilung ('Hirt', 'Schmied', 'Richter', 'Wächter' usw.) sind weder im ältesten Sprachschatz, noch unter den späteren Lehnwörtern zu finden. 25 A. BAINES, Ethnography (Castes and Tribes) = Grundriß der Indo-Arischen Philologie und Altertumskunde II. 5 (1912): 83-84, 88.

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