Nyelvtudományi Közlemények 73. kötet (1971)
Tanulmányok - Katz, Hartmut: Kleinigkeiten zur Phonologie des Ostjakischen 129
134 KATZ, HARTMUT w e i 1 es eine regelmäßige VH gibt, drei weitere Phoneme jöj, \e\ und jöf an.10 Stillschweigend wird dabei in beiden Fällen von dem Postulat ausgegangen, daß die VH immer über ,,taxonomischen" Phonemen operieren müsse (was sie meistens, anscheinend sogar in allen bisher bekanntgewordenen Fällen, auch tut). Damit hätten wir also zu wählen zwischen a) einer unregelmäßigen VH (vgl. GANSCHOW, Verbalbildung, 133 !) und b) einer durch sie erzwungenen Schwemme11 von Phonemen, die alle die Eigenschaft haben mit anderen, ihnen lautlich nahestehenden (vgl. z. B. jo\ und joj) distributioneil verteilt zu sein. Beides kann schlechterdings nicht adäquat sein. Wieder ist es die Möglichkeit der Regel Ordnung, die uns dieses traditionell nicht lösbar Problem lösbar macht und erlaubt, die richtige Beobachtung von Frau VÉRTES und die richtige Analyse des südostj. Vokalsystems durch STEINITZ unter einem Dach zu vereinen, indem wir zuerst die Vokale der ersten Silbe auf das Merkmal „backness" festlegen und dann die Vokalharmonieregel anwenden lassen. Damit ist freilich nur der Grundstock für eine theoretische Behandlung der VH im S-Ostj. gelegt.12 Dabei halte ich es für möglich, daß eben das Südostj. hier eine Modifikation der Theorie erzwingen könnte, wie sie sich zuletzt nach P. KIPARSKY (How Abstract is Phonology? Indiana, June 1968) darstellt. Danach wären, kurz, Suffixvokale in ihrer merkmallosen Form (im Sinne CHOMSKY-HALLES, 400ff.) anzusetzen, ihre Spezifikation hinsichtlich „back" erfolgte entsprechend der des letzten (nichtneutralen) Wurzelvokals13 (schöne Beispiele: fi. Peugeot-a, Camus-tä) ; Einheitlichkeit in der Wurzel wird durch Morphemstrukturregeln (zu der natürlich Peugeot usw. eine Ausnahme bilden) erreicht. Diese Konzeption, die auf die von KIPARSKY untersuchten Sprachen offenbar gut paßt, ist in unserem Fall nicht so ansprechend: daß die VH erst regelmäßig ist, nachdem die „Allophone" der ersten Silbe festhegen, spricht natürlich dafür, daß sie eben von dieser abhängt. Was die Suffixe betrifft, so ist für sie charakteristisch, daß bei Ausnahmen und überhaupt von der vierten Silbe an (häufig schon in der dritten) nur 10 Dies ist, zugegeben, eine radikale Verkürzung der Argumentation VÉRTES'. Sie versucht auch auf andere Weise diese Phoneme abzustützen. Die Darstellung ist dabei aber so, sit venia verbi, abstrus, häufig sich auf Lehnwörter, Emphatika und sonstige Obskuritäten berufend, häufig auch schlicht falsch, daß sie keiner eingehenden Widerlegung bedarf. Nur ein Beispiel: Tab. XVII (S. 60 f.) soll zeigen, daß vor 77 keineswegs nur o, wie STEINITZ meinte, sondern auch o vorkommt. Alle angeführten Fälle mit or\ stehen aber vor x, wobei bekannt ist, daß sich im Ostj. i]x meist wie x verhält. 11 Nach VÉRTES' Argumentation brauchte man letzlich auch /*/, in Obd., wo eine VH innerhalb der beiden ersten Wortsilben besteht, ebenfalls vier neue Phoneme (Näheres in meiner Doktorarbeit), in Trj. wenigstens eines (/§/). 12 Es ist zu betonen, daß ohne explicite Hypothese über die VH statistische Berechnungen der Phonemfrequenz, wie sie Frau VÉRTES (Beiträge zu typologischen Fragen des Ostjakischen, in: Theoretical Problems of Typology and the Northern Eurasian Languages, Bp. 1970, 135 — 44, bes. 135 f.) für das Südostj. durchführt, wenig sinnvoll sind. 13 Das gilt natürlich auch fürs Ung. (montőrök). In keinem Fall sind Bemerkungen wie die folgende zu halten (DÉCSY, UAJb XLI, 56): „Phonologiseh ist die VH eine Realisierungsform der Neutralisierung von der Korrelation in den Silben, die eine schwächere Betonung haben . . . Die Form der Neutralisierung wird durch den Vokal in der betonten Silbe bestimmt." Mir ist noch keine Sprache aufgefallen, auf die dies zuträfe. Im Fall des Südostj. mit seinen komplizierten Akzentregeln würde diese Annahme zu einer recht grotesken Beschreibung führen.