Nyelvtudományi Közlemények 72. kötet (1970)

Tanulmányok - A. Kövesi Magdolna: Az uráli alapnyelv többesjeleiről [Über die Pluralzeichen der uralischen Grundsprache] 31

44 A. KÖVESI MAGDA Über die Pluralzeichen der uralischen Grundsprache Eine Rekonstruktion des Sprachzustandes der uralischen Periode wird durch zahl­reiche Faktoren erschwert. Erstens dadurch, daß es uns nocht nicht gelungen ist, eine samojedische Grundsprache zu erschließen, mit welcher die finnisch-ugrische Grund­sprache zu vergleichen wäre. Zweitens dadurch, daß selbst das uralische Zeitalter mehrere Perioden (eine Anfangs-, eine mittlere und eine Endperiode) hatte, und die Möglichkeiten dieser Periodisierung dürfen bei der Untersuchung der auf die Grundsprache zurückzu­führenden grammatischen Kategorien und morphologischen Mittel nicht außer Acht gelassen werden. Es ist nämlich möglich, daß einige Glieder des für uralisch deklarierten Phonemsystems oder einige Morphemklassen nur in der Endperiode des uralischen Zeit­alters oder sogar in der Periode nach der Auflösung sich in der Sprache einiger, in einem Block lebender finnisch-ugrischer Völker oder Völkergruppen ausgestaltet haben, oder aber wurden sie auf eine Rolle adaptiert, die von ihrer früheren, ursprünglichen Funktion abwich. Auch die heute bereits ziemlich verbreitete Anschauung ist bestreitbar, nach welcher alle grammatischen Kategorien schon in dem uralischen Zeitalter durch ihre speziellen formalen Exponenten vertreten worden wären. Nach der Ansicht des Verfassers dürfte sich zum Beispiel die Bezeichnung der Numeri durch gebundene Morpheme in den früheren Perioden der Grundsprache noch nicht ausgestaltet haben. Es sei anzunehmen, daß nur Wörter, die irgendein Maß oder eine Menge bedeuteten, oder Zahlwörter (also Wörter mit der Bedeutung etwa: 'wenig', 'viel', 'einige', 'zwei', 'drei' usw.) neben dem sogenannten „numerus absolutus" zur Bezeichnung des Duals und des Plurals dienten. Die Ausgestaltung der Numeruszeichen — so die der in der Abhandlung erörterten Pluralzeichen (*-t, *-k) ist der späten Periode der Grundsprache, das heißt vielleicht noch mehr dem Einzelleben der verschiedenen Sprachen (Sprachgruppen) zuzuschreiben. Ursprünglich waren diese Zeichen als Kollektivbildungssuffixe (darunter auch das des Ortes) gebräuchlich oder sie trugen Funktionen, welche auf die vorigen zurückgeleitet werden können (Suffixe des nom. possessoris, nom. augmentativum, nom. affluentiae). Später wurden sie zu Pluralzeichen umgewertet. Die finnisch—wolgaisch—lappische Gruppe adaptierte das Suffix -t (<C*-tt) zu dieser Rolle (fi. navetta 'Kuhstall' < nauta 'Vieh'; Ortsnamen: Sammatti, Ihatti usw.; syrj. uU 'Unterraum' < ul 'unter-, der untere Teil'; wog. milit 'Tiefe' < mü 'tief usw.). Dasselbe Pluralzeichen ist auch in den ob-ugrischen und den samojedischen Sprachen zu finden. Doch können wir in einigen Fällen auch an die Möglichkeit einer parallelen Entwicklung oder einer Übername (Samojedisch > Ob-ugriseh) denken. In den Sprachen der mittleren finnisch-ugrischen Gruppe (Permisch, Ungarisch) kann nämlich das Auftreten des Plural­zeichens -t nicht einmal in seinen Spuren nachgewiesen werden. * Auch das ungarische Pluralzeichen geht auf eine ursprüngliche Kollektivsuffix­verbindung *-kk zurück (~ fi. rannikko 'Ufergegend' < ranta 'Ufer'; kivikko 'Stein­haufen'; tseher. KB. laksa'ka 'Tal, Niederung' < KB. laksê 'Grube, Vertiefung in der Erde'; wog. talk 'Gipfel, Spitze, Ende, oberer Laufeines Flusses'; ung. turku '„Rüttstroh-Ansiedlung"', monarau kerekw usw.). Und das steht mit jener Endung *-k — beziehungs­weise mit ihren Variationen (0, y, % usw.) — in Beziehung, welche in den Pronomina, Adverbien, und außerdem in den Personalendungen der 1. und 2. Person anderer ver­wandten Sprachen (lp., mordw., fi., perm., ob-ugr.) erscheinen und auf eine ursprüng­lichere, aus einem Element bestehende Form des Suffixes deuten. MAGDA A. KÖVES

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