Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644

Südschweden, waren damals noch dänisch) ein neues Bedrohungsszenario aufbauen. Malmö konnte allerdings von den Schweden nicht eingenommen werden.114 Christian IV. behauptete sich vorerst mit seiner Flotte auf See115, eine Diversion von Norwegen auf das schwedische Göteborg war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Torstensson hingegen vermochte die Seeland vorgelagerte Insel Fünen nicht zu besetzen. Gallas marschierte indes am 6. Juni über die böhmische Grenze.116 Die kaiserliche Armee wies dabei eine Stärke von ca. 7 200 Mann Kavallerie und 7 200 Mann Infanterie (inklusive der Armeeabteilung von Generalfeldwachtmeister Zaradetzky) auf.117 Damit war er den in Dänemark und Norddeutschland operierenden gegnerischen Kräften unterlegen. Ferdinand, der sich eine massive Unterstützung durch dänische Truppen und durch das Erzstift Bremen erwartete, hielt die eigene Stärke jedoch für ausreichend. Vergleicht man den Personalstand dieser Angriffsarmee mit einer im Dezember 1643 in Wien erstellten Relation, die immerhin eine Sollstärke von 24 000 Mann zu Fuß und 8 000 Mann zu Pferd nur zur Verteidigung der Erblande nannte118, so war die Bemessung der eigenen Kräfte von Ferdinand für eine so weiträumig gehende Offensivoperation erstaunlich gering veranlagt. Sein skeptischer Generalleutnant war ohnehin anderer Meinung. Kaum marschierte er los, warnte er schon vor der Unterlegenheit der kaiserlichen Waffen: Gehe ich nun gleicher gestalt nur mit denen völckhem so ich bei mir hab über die Elb, so bin ich den Torstensohn nicht bastant etwas hauptsächliches zu verrichten.119 Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 114 Ö h m a n : Schwedens Weg aus dem Dreißigjährigen Krieg, S. 178. 115 Dazu vgl. Böhme : Lennart Torstensson, S. 47 f. und Lockhart: Denmark, S. 261 f. 116 KA, AFA 1644 VI44, Ka. 117, Gallas an Hatzfeld, Eger/Cheb 6. Juni 1644 (Abschrift). 117 Diese Stärke nennt die Instruktion für Wilhelm Schröder bei Kurbayem, Wien 19. Juni 1644, KA, AFA 1644 VI 40 und das Schreiben von Ferdinand III. an Gallas, Wien 19. Juni 1644, KA, AFA 1644 VI 41, Ka. 117 (Abschriften). Aus dem Schreiben an Gallas geht eindeutig hervor, dass die 14 400 Mann das Korps Zaradetzky inkludiert. Die Zahlenangaben basieren auf Stärkemeldungen der verantwortlichen Kommandanten. Das Original der Instruktion für Schröder vom 19. Juni 1644 in HHStA, Reichskanzlei, Instruktionen Ka. 13. Die Formulierung der Instruktion lässt allerdings eine missverständliche Interpretation zu. So bei Ruppert : Die kaiserliche Politik, S. 73, der die Stärke der Armee Gallas mit 9 800 Mann Infanterie und 8 400 Mann Kavallerie angibt. Diese Zahlen sind jedoch zu hoch, da das Korps von Zaradetzky hinzu addiert wurde. Eine ungefähre Stärkefeststellung ohne die Regimenter in Ungam, Mähren und Schlesien und ohne die „Dismonierten“ ergab einen Monat zuvor 5 000 Kavalleristen und 4 000 Mann Infanterie. Der in solcher Beziehung eigentlich immer optimistische Kaiser hoffte, noch 3 500 „unberittene“ bald wieder auf die Pferde zu bekommen: BayHStA, KÄA 2 787, Ferdinand III. an Maximilian I., Wien 21. April 1644. Zwei Tage zuvor meldete der bayerische Gesandte in Wien nach München, dass Gallas erst 2 000 Pferde und 4 000 bis 5 000 Mann zu Fuß habe und Hatzfeld 1 000 Pferde sowie 3 000 bis 4 000 Infanteristen: BayHStA, KÄA 2 790, Mändl an Maximilian, Wien 19. April 1644. Die additiv und extrapolierend ermittelte Stärke von 21 500 Mann der Hauptarmee unter Gallas bei Salm: Armeefinanzierung, S. 43, Anm. 34 ist daher viel zu hoch gegriffen. 118 KA, AFA 1643 XII24, Ka. 116, Relation über die Verteidigung der Erblande. 119 StOAD, FKG, Ka. 380, Gallas an Ferdinand III., Adorf 9. Juni 1644 (Konzept). 51

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