Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)
REBITSCH, Robert: Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644
Am 10. März musste sich der Generalleutnant auf Befehl des Kaisers in Wien einfinden. Ferdinand eröffnete ihm persönlich seine feste Entschlossenheit, die Dänen in Holstein und Jütland zu unterstützen.73 Es darf selbstredend davon ausgegangen werden, dass in Wien die letzten Details für den Feldzug abgesprochen wurden. Am 4. April wiederum von Wien nach Prag zurückgekehrt, war Gallas vom Podagra „übel mitgenommen“74 und die Armee mit der Aufrüstung beschäftigt. Gewisse taktische Maßnahmen wurden bereits vor Beginn des Feldzuges erledigt. Zittau an der Lausitzer Neiße konnte zwar schon Anfang des Jahres 1644 genommen werden75, das strategisch äußerst wichtige, von den Schweden belagerte Magdeburg, das seit 1636 unter kursächsischer Kontrolle stand, aber blieb vor dem Beginn des Feldzuges ein ungelöstes Problem. Bereits am 4. Januar schlug der oberste Kriegsherr eine Kommandoaktion gegen die schwedischen Belagerer vor. Mit 300 eingeschifften Musketieren und genügend Proviant auf der Elbe, so stellte Ferdinand Gallas zur Überlegung anheim, oder mit einer so genannten Cavalcada (Kavallerieangriff) sollte die Stadt entlastet werden.76 Gallas, der ebenso wie der Kaiser nicht die ganze Armee für Magdeburg einsetzen wollte, aber hielt von beiden Vorschlägen nichts und versuchte mit einer starken Kampfgruppe von 1 000 Mann, die Verproviantierung der Elbestadt sicherzustellen.77 Die Vorstellungen Ferdinands und des Wiener Hofkriegsrates zur Entlastung Magdeburgs muteten sicherlich unrealistisch und undurchführbar an, doch auch dem Gallaschen Kampfplan war kein Erfolg beschieden: Generalwachtmeister Hans Wilhelm von Hunoldstein und Generalquartiermeister Karl Friedrich Reich78 mühten sich mit ihrer Kampfgruppe durch Morast und brechendes Eis. Vor Magdeburg gaben sie sich als Königsmarcks Männer aus, doch flog der Schwindel bei den schwedischen Vorposten auf und es kam zu einer Schießerei. In einem vierundzwanzigstündigen harten Rückzugsgefecht, bei dem die Schweden an Kavallerie haushoch überlegen waren, konnten sich die Kaiserlichen den Weg nur noch mit den bei sich führenden Geschützen bis Wittenberg freischießen. Außer starken Erfrierungen trug die Kampfgruppe Hunoldstein nichts davon - das Unternehmen war gescheitert.79 Vorläufig in Prag verweilend, ließ sich Matthias Gallas indessen Zeit. Ende April jedoch verlor Ferdinand endgültig die Geduld mit dem Trientner. In einem Der kaiserliche Feldzug in das Herzogtum Holstein im Jahre 1644 73 BayHStA, KÄA 2 502, Gallas an Maximilian I., Wien 12. Mäiz 1644. 74 Ebenda, Gallas an Maximilian I., Wien 2. April und Prag 20. April 1644. 75 Vgl. dazu DBBT VII, Nr. 126, 62, Adrian von Enckefort an Vaclav Eusebius von Lobkovic, vor Zittau 2. Januar 1644 sowie ebenda, Nr. 134, S. 63, Ferdinand III. an Gallas, Wien 10. Januar 1644. 76 StOAD, FKG, Ka. 376, Ferdinand III. an Gallas, Wien 4. Januar 1644. 77 Ebenda, Gallas an Johann Georg von Sachsen, Rottendorf 6. Januar 1644, (Konzept). 78 Zum Generalstab der kaiserlichen Hauptarmada vgl. Rebitsch, Robert: Der Generalstab von 1644. In: Österreichische Militärische Zeitschrift XLII/3 (2004), S. 321-325. 79 StOAD, FKG, Ka. 376, Generalquartiermeister Reich an Gallas, Wittenberg 10. Januar 1644. 45