Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 52. (2007)

SCHARR, Kurt: Österreichische Archivalien in der Ukraine (Galizien und der Bukowina)

Rezensionen Die Dokumentensammlung kann in eingeschränktem Sinne als Korrespondenz betrachtet werden, denn sie beinhaltet über die Briefe von Alexius Thurzö hinaus regestenförmig auch 84 Schreiben von König Ferdinand I. an Thurzo und die übrigen Räte (mit römischen Ziffern durchnummeriert). Die als Konzept vorliegenden Herrscherbriefe werden darum nur als Regest gebracht, da ihre Veröffentlichung einem bereits in Aussicht gestellten österreichischen Editionsprojekt Vorbehalten ist. Die Bezeichnung der Schriftstücke verlangt soviel Präzisierung, dass die Sammlung auch drei Denkschriften, ein Antwortschreiben auf eine königliche Proposition sowie vier Beglaubigungsschreiben für Gesandte beinhaltet. Aus der behandelten Periode wurden insgesamt 126 Thurzö-Schreiben publiziert (mit arabischen Ziffern durchnummeriert, darunter 36 mit Thurzös Hand geschriebene Stücke), einschließlich auch jene, die von mehreren statthalterischen oder königlichen Räten geschrieben wurden, falls sie auch Thurzo selbst Unterzeichnete. Darunter fallen zwei Briefe aus der Zeit der Statthalterschaft von Palatin Istvân Bathory (1528-1530), demgegenüber wurden die an den König gerichteten Briefe des allgemeinen Absenders „locumtenens und consiliarii“ in die Dokumentensammlung nicht aufgenommen, obwohl ihre Angaben im Apparat benutzt wurden. Aus den darauf folgenden ca. zwei Jahren wurden jedoch die von den Räten gemeinsam geschriebenen Briefe im Volltext ediert, da die Geschäfte hauptsächlich von Thurzö und dem Bischof von Erlau, Hofkanzler Tamäs Szalahazy, geführt wurden (bei vier Schreiben gelten Thurzö und Szalahazy als Doppelautoren). Das Rückgrat der Zusammenstellung bildet eindeutig der Ferdinand-Thurzö- Briefwechsel, denn zu den 84 Herrscherbriefen gesellen sich insgesamt 70 von Thurzö und den Räten an den König gerichtete Schreiben, die in 32 Fällen einander beantworten. Ein listenartiger Überblick dieser Korrespondenz wird bei Angabe der erwähnten, jedoch verlorenen Briefe im Anhang (S. 404-410) geboten. Drei Thurzö-Briefe und ein Gesuch an Königin Maria gehören inhaltlich eng zu den Briefen, die an den König gerichtet wurden. Der Ferdinand-Thurzö-Briefwechsel ist fast ausschließlich im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrt worden, vorwiegend im Bestand „Ungarische Akten“. Aus dem Wiener Hofkammerarchiv sind zwei Thurzö-Briefe ans Tageslicht gekommen. Wenn man seine Aufmerksamkeit weiteren Adressaten widmet, bilden die von Thurzö an die Städte Pressburg, Kaschau und Bartfeld gerichteten Briefe eine neue Gruppe. Diese sind meistens in den entsprechenden städtischen Archiven, aber auch im ehemaligen ungarischen Kammerarchiv (im Ungarischen Nationalarchiv) erhalten geblieben. In diesen Schreiben versuchte Thurzö diese Städte für Ferdinand zu gewinnen und später bei Laune zu halten. Zum Schluss müssen Briefe an ungarische Magnaten (Ferenc Batthyâny, Ferenc Révay, Tamâs Nâdasdy) größtenteils aus dem entsprechenden Familienarchiven (heute in Budapest und Bratislava) erwähnt werden. Die Antworten auf die Briefe 350

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