Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)

AGSTNER, Rudolf: Die diplomatische und konsularische Präsenz von Österreich(-Ungarn) im Afrika südlich der Sahara

Rudolf Agstner sein, mit dem aufbaufähigen afrikanischen Kontinent in Verbindung zu kommen, wobei entsprechende Vertretungen auch wirtschaftlich von größtem Nutzen sein könnten.23 Immerhin beschloss der Ministerrat aber 15 Tage später, in Lagos/Nigeria die erste österreichische Botschaft in einem gerade unabhängig gewordenen Staat Afrikas zu errichten. Mangels budgetärer Bedeckung dauerte es aber noch bis zum 1. Oktober 1962, bis der Ministerrat sich auch mit der Ernennung eines Botschafters in Lagos befasste, der schließlich am 21. Dezember 1962 seinen Dienst antrat. Im ersten „Außenpolitischen Bericht“ des Bundesministeriums für Auswärtige Angelegenheiten, der die Zeit von Juli 1959 bis Juli 1962 umfasst, wird diese Lage so dargestellt: Die im Zuge der Emanzipation Afrikas zahlreichen neu entstandenen Staaten stellen auch die österreichische Außenpolitik vor neue Probleme. Es muß vorweggenommen werden, daß mangels budgetärer Mittel die Beziehungen zu diesen Staaten derzeit noch nicht voll entfaltet werden konnten. Da die erforderlichen Mittel für die Errichtung eines Netzes österreichischer Vertretungsbehörden in den neu entstandenen afrikanischen Staaten nicht zur Verfügung stehen, mußte sich das Außenministerium darauf beschränken, zu den jeweiligen Unabhängigkeitsfeiem dieser Staaten, wie Kamerun, Togo, Kongo, Madagaskar, Elfenbeinküste und Senegal, Sonderbotschafter zu entsenden.24 Das Jahr 1963 war wieder von völligem Stillstand gekennzeichnet. In der Sitzung des Finanz- und Budgetausschusses des Nationalrates vom 15. November 1963 führte Außenminister Dr. Kreisky „zur österreichischen Politik gegenüber den neuen Staaten Afrikas“ aus, „sie müsse vor allem darauf abzielen, daß Österreich dort diplomatisch vertreten sei,“25 wozu aber erst 1964 weitere Schritte durch Errichtung von Botschaften in Dakar/Senegal und Addis Abeba/Äthiopien gesetzt wurden. Parallel dazu wurde - vorwiegend aus wirtschaftlichen Gründen, nur selten zur konsularischen Betreuung österreichischer Staatsbürger - ein Netz an Honorarkonsulaten errichtet, die de facto oft mit der jeweiligen Außenhandelsstelle ident waren. Im Zeitraum von 1964 bis 1982 wurden schließlich österreichische Botschaften in Nairobi (1965), Kinshasa (1972), Abidjan (1974), Lusaka (1975) und Harare (1982) errichtet, womit der Höhepunkt der diplomatischen Präsenz Österreichs in der Region erreicht war. Die Begründungen, mit denen dem Ministerrat von jeweiligen Außenminister die Notwendigkeit der Errichtung dieser oder jener Botschaft erklärt wurden, muten aus heutiger Sicht oft bemerkenswert an. Österr. Zeitschrift für A u ßenpo 1 i ti k , Jahrgang 2, 1961/1962, S. 124. Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten W i en : 1959-1962, S. 56. Österr. Zeitschrift für A u ßenpol i ti k, Jahrgang 3, 1963, S. 398. 44

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