Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
PROCHÁZKA, Jiří: Nicolaus Warkotsch’s Missionen nach Russland 1589–95 (Beginn, Wende und Resultate)
Jiff Prochâzka Am 11ten November 1606 wurde der Frieden zwischen dem Kaiser und dem Sultan in Zsitva-Torok (zwischen Gran und Komorn) geschlossen. Zum ersten Mal wurde der Kaiser als gleichberechtigter Partner des Sultans anerkannt. Der gegenseitige Besitzstand wurde garantiert und Rudolf II. zahlte an den Sultan eine einmalige Geldabgabe von 200 000 Gulden. Der langjährige and langwierige Krieg aber brachte dem Kaiser nur wenige Erfolge. Den Türken blieben Kanisza und Erlau, dem Kaiser Waitzen und das Nograder Komitat. Dieser Türkenkrieg hatte die diplomatische Aktivität des Kaisers wesentlich beeinflusst. Der Kaiser weigerte sich aber den Frieden von Zsitva-Torok zu ratifizieren." Am Ende des Jahres 1592 kam es zwischen dem Kaiser und dem Sultan zum offenen Krieg. Kaiser Rudolf II. bat in dieser Zeit Italien und Spanien um Kredit. Der eindeutige Hauptzweck der zweiten Mission von Warkotsch nach Russland war materielle Hilfe für den Krieg mit den Osmanen zu verlangen. Die Ziele der Botschaft waren aber umfangreicher formuliert. Warkotsch erhielt die Aufgabe, mehr über die Absichten der Schweden, Zaporoger Kosaken und Krimischen Tartaren zu erkunden. Für den Kaiser und auch für Moskau war die politische Lage in Polen sehr wichtig.11 12 Den Kaiserhof interessierte die Frage über die Thronsuccession in Russland (im Jahre 1591 starb der Zarewitsch und Stiefbruder vom „unlegitimen Herrscher“ Boris Godunov-Dmitrij).13 Ohne Zweifel, Boris Godunov, der viele heimliche Feinde im Lande hatte, stärkte seine politische Position und versuchte, was begreiflich ist, einen engeren Kontakt zwischen Russland und Europa zu schaffen. Anders gesagt, Boris Godunov nahm die Pläne der Türkenliga sehr ernst.14 In September des Jahres 1593 überschritt der Großwesir Sinan Pascha an der Spitze eines Heeres die Drau. In September befand sich Warkotsch wieder in Russland. Der Wunsch der russischen Seite war ein Bündnis mit Kaiser, Papst, Spanien und Anderen in Europa zu schließen. Nur dann wollten die Russen über materielle Hilfe gegen die 11 Prochâzka, Jifi: Velkâ a dlouhâ vâlka s Turky (Der große und lange Krieg mit den Türken). In: Historica 5 (1997), S. 33-34. 12 Übersberger: Österreich und Russland, S. 499. 13 Das Rurik-Geschlecht erlosch in Russland mit Feodor I. (1557-1598). 14 Übersberger: Österreich und Russland, S. 550. 32