Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 51. (2004)
SPIRA, György: Die erste Schilderung von Artúr Görgei über seine Tätigkeit
Die erste Schilderung von Artür Görgei über seine Tätigkeit Von den beschönigenden Bestrebungen möchte auch ich eine besonders hervorheben, die Pal Zsigmond Pach nicht auf seine Feder aufgespießt hatte, obwohl vielleicht gerade diese am auffallendsten ist: im letzten Absatz des Textes werden von Görgei seine .Anstrengungen behufs einer Vereinigung sämtlicher ungar. Streitkräfte“ erwähnt, und zwar so, als ob diese ausschließlich „an der Ungeschicklichkeit oder Verräterei der polnischen Generale (Dembinski und Bern) scheiterten“, obzwar es doch sogar aus seinen früheren Bemerkungen hervorging, dass er selbst weder den Abmarsch von Komarom aus, noch das Übersetzen auf das linke Ufer der Theiß übereilt hatte, obwohl er doch, wie es bekannt ist, bereits Ende Juni den Befehl zur alsbaldigen Vereinigung mit den anderen Heeresgruppen der Honvédarmee erhalten hatte). Zwischen der Art und Weise der Erörterung der beiden Görgei-Texte bestehen jedoch nicht nur Ähnlichkeiten, sondern es gibt zwischen ihnen auch beachtenswerte Unterschiede. Ein solcher Unterschied z. B. besteht darin, auf diesen auch Pal Zsigmond Pach bereits verwiesen hatte dass Görgei in seiner früheren Erinnerung, bei deren Abfassung er die Gastfreundschaft von Paskewitsch genoß und daran interessiert war. das Wohlwollen seines Gastgebers seiner Person gegenüber zu vertiefen, deshalb überall, wo er nur konnte, im Zusammenhang damit die Rolle der russischen Truppen, die in Ungarn eingefallen waren, zu vergrößern, und diese Rolle an manchen Stellen - z. B. im Falle der Schlacht bei Temesär - als entscheidend, wo sie eigentlich in Wirklichkeit unbedeutend war, enthält er sich hingegen in seinen gedruckten Memoiren schon derartiger Übertreibungen. Außerdem gibt es Abweichungen auch in jenen Ausführungen, mit denen Görgei seine Entscheidungen in bezug auf die Bewegungen seiner Truppen begründet, und von diesen fällt gerade die Abweichung in jener Argumentation auf, mit der er ausführt, weshalb er, als er im laufe des großen Rückzugs im Juli Miskolc erreicht hatte, seinen Rückzug nicht ohne Unterbrechung über die Theiß fortsetzte, sondern für eine gewisse Zeit an den Flüssen Sojö und Hernäd stehen blieb: diese Zeitvergeudung hier, die letzten Endes die geplante Zusammenziehung aller Kräfte der Honvédarmee unmöglich machte, versuchte er in seinen früheren Erinnerungen noch mit der bei den Haaren herbeigezogenen Begründung zu beweisen, dass als Schauplatz der Zentralisierung der Armee (und zugleich als provisorischer Sitz der von Pest geflohenen Regierung) nicht das entfernt gelegene Szegedin, sondern das viel näher liegende Großwardein angegeben worden war. In seinen gedruckten Memoiren verlässt er sich jedoch nicht mehr auf eine derartige, leicht zu widerlegende Behauptung, sondern - wie es jeder kontrollieren kann - dient er mit einer ganz anderen Argumentation. 135