Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 50. (2003) - 200 Jahre Russisches Außenministerium
AUGUSTYNOWICZ, Christoph: „Ablegations-negocien von keiner erhöblichkeit“? – Wirken und Wirkung der Moskauer Großgesandtschaft in Wien 1687
Christoph Augustynowicz Protokoll in dieser Angelegenheit und in der Frage der Dolmetscher durchgesetzt, so wurde hingegen geklagt, die Moskauer seien „bey eintrettung der ritterstuben bedeckt geblieben“.67 Ebenfalls detaillierten und heftig umstrittenen Regelungen unterlag die Freizeitgestaltung: Für den 17. April etwa waren die Gesandten zur kaiserlichen Jagd eingeladen. Obwohl sie für den Morgen bestellt worden waren, erschienen sie erst um ein Uhr nachmittags und begannen erneut langwierige Diskussionen über die Abnahme ihrer Hüte.68 Diese Episode fehlt in ihrem Bericht, hingegen sind die Jagderfolge minuziös angeführt: In Begleitung des kaiserlichen Hofstaates erlegten die Moskauer sieben Hirsche aus den kaiserlichen Forsten, um anschließend zu speisen - und zu trinken.69 Wegen der Manieren und des Trinkverhaltens des Gesandtschaftsgefolges machten sich die Zaren Sorgen, wie schon ihrer Instruktion zu entnehmen ist70, Klagen dazu sind aber im Zeremonialprotokoll nicht festgehalten. Am 6. Mai, nach Abschluss der Staatsgeschäfte, besuchten Seremetev und seine Kollegen auf ihr ausdrückliches Ansuchen hin das Neugebäude, um den kaiserlichen Löwen zu bestaunen. Danach wurde wieder eine kleine Jagd mit anschließender Mahlzeit für sie veranstaltet.71 Die genaue Anzahl der unterzubringenden und zu versorgenden Personen war erst bei der Ankunft der Gesandten in Enzersdorf endgültig bekannt geworden: Im Zeremonialprotokoll und in den Akten der Hofkammer sind nicht weniger als 379 Personen und 521 Pferde verzeichnet. Seremetev und Caadaev wurden im Gasthof Zum Goldenen Ochsen in der Nähe des Neuen Marktes untergebracht, wo der kaiserliche Hoftapetenmeister drei Zimmer hatte ausstaffieren lassen: Eines für jeden Gesandten und eines für den gemeinsamen Gottesdienst. Nikiforov, Volkov und ihre wichtigsten Hofleute mussten mit Quartieren in der Umgebung des Neuen Marktes vorlieb nehmen, die übrigen Gefolgsleute und Bediensteten waren in den Vorstädten untergebracht, wo auch das Gepäck verwahrt wurde.72 Für das leibliche Wohl der hohen Gäste war ebenfalls gesorgt: Auf dem Neuen Markt hatte man eine hölzerne Küche errichtet, um die Versorgung der Gesandten zu gewährleisten.73 2.4) Finanzen und Geschenke Als Geschenke der Zaren an den Kaiser und die Kaiserin wurden in der Moskauer Relation ausschließlich Pelze angeführt: Für den Kaiser Zobel im Wert von 1 700, für die Kaiserin im Wert von 400 Rubel. Tatsächlich präsentierten die Gesandten 61 Ebenda, fol. 196\ 68 Ebenda, fol. 208. 69 Pamjatniki 7 Sp. 180-182. „A dvorjanom, i perevodciku i pod'jacim prikazat' nakrepko, ctob oni sideli za stolom cinno i osteregatelno, i ne upivalis' i slov neprigozich mezdo soboju ne govorili.“ Pamjantiki 6 Sp. 1253. 71 HHStA Wien, ZA-Prot. 4, fol. 215'. 72 HHStA Wien, ZA-Prot. 4, fol. 184, 191'; zu den Zahlen vgl. auch die Liste im HKA Wien, Reichsakten, Kart. 169, Nr. 133, fol. 346'-351'. 73 HHStA Wien, ZA-Prot. 4, fol. 191. 58