Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

EGGER, Rainer: Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg

Das Kriegsarchiv vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg Direktor des Kriegsarchivs war von November 1901 bis Ende 1915 der erwähnte Emil Woinovich von Belobreska (1851-1927), zuletzt als General der Infanterie.1* Unter seiner Leitung hatte die kriegsgeschichtliche Abteilung des Archivs einen großen Aufschwung genommen: die unter seinem Vorgänger FZM Leander von Wetzer begonnenen Werke „Österreichischer Erbfolgekrieg 1740-1748“ (Band 6 - 9, 1902-1914), „Kriege unter Kaiser Joseph II.“ (1 Band, 1904) und „Krieg gegen die französische Revolution 1792-1797“ (2 Bände 1905) wurden fortgesetzt; von den Mitteilungen des k. u. k. Kriegsarchivs erschien die 3. Folge (10 Bände, 1902-1914) sowie die Geschichte der k. u. k. Wehrmacht (Band 4 und 5, 1903 und 1905) Weiters wurden anlässlich der Jahrhundertfeiern der Kriege gegen Frankreich „Krieg 1809“ (4 Bände, 1907-1910) und „Befreiungskrieg 1913— 1814“ (5 Bände, 1913) publiziert; leider blieben diese beiden Generalstabswerke unvollendet. Das Prachtwerk „Sechzig Jahre Wehrmacht 1848-1908“ war der Er­innerung an das Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs gewidmet. Zu dieser sicherlich bedeutenden Arbeitsleistung kam noch eine Übersetzung des russischen Generalstabswerkes über den Krieg gegen die Türken 1877/78. Aber auch populäre Einzelschriften erschienen unter der Leitung des Archivdirektors und unter seiner maßgeblichen Mitarbeit. In der Serie über den Krieg 1809 schrieb er den Band 6 „Kämpfe in der Lika, in Kroatien und Dalmatien“, in jener über die Befreiungs­kriege 1813/14 den 3. und 4. Band „Kulm und Leipzig“ und „Kampf im Süden Frankreichs“ und schließlich in der Serie „Unsere Truppen in Bosnien und der Herzegowina“ den 3. Band „In der Herzegowina“. Besondere Erwähnung verdient eine kleine Schrift Woinovich’s „Elemente der Kriegführung“ (1894), in dieser fand seine frühere Lehrtätigkeit an der Kriegs­schule (1888-1892) ihren Niederschlag, wobei er besonders darum bemüht war, die Erfahrungen früherer Feldzüge für strategische Planungen der Gegenwart aus­zuwerten. Woinovich hatte es verstanden, die einzelnen Mitarbeiter der kriegsgeschichtli­chen Abteilung in ihren Arbeiten behutsam zu lenken, ihnen aber im Detail bei ihren Arbeiten viel Freiheit gelassen. Geschickt war er auch in der Auswahl der im Archiv tätigen Offiziere, wobei er nicht nur auf Generalstäbler zurückgriff, gegen manchen Widerstand begünstigte er auch Schriftsteller als Mitarbeiter in seinem Archiv, etwa Rudolf Hans Bartsch, Robert Michel und Franz Karl Ginzkey. Aber auch über das Kriegsarchiv hinaus reichte das Ansehen des Direktors: der Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand schätzte ihn als historischen Berater (etwa bei der Ausstattung der Neuen Hofburg), manche dachten an ihn auch als einen möglichen Nachfolger des Chefs des Generalstabes Beck. Eine gewisse Enttäu- 18 18 Manuskript: S t e i n i tz , Eduard Ritter von - G 1 a i s e - H orstenau, Edmund von: Biographie Emil Frh. Woinovich von Belobreska (1851-1927), das Manuskript erliegt in der Qualifikationsli­ste Emil Frh. Woinovich (KA, Quail. Karton 3823); vgl. auch KM Präs. 1-91/1,2 ex 1914. 17

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