Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 49. (2001) - Quellen zur Militärgeschichte – 200 Jahre Kriegsarchiv

DOMNANICH, Renate: Die Militärmatriken und andere Bestände des Kriegsarchivs als Quellen der genealogischen Forschung

Renate Domnanich Im Trauungsbuch des Dragonerregiments Nr. 9 finden wir die Eintragung, dass Anton Links im Jahre 1882 geheiratet hatte. Dort sind auch seine Eltern angeführt: Karl Links, Schmiedemeister, und Julia, geborene Bayer. Zehn Jahre später, im Jahre 1892, heiratete Antons Bruder, Johann Links, k. k. Rechnungs-Unteroffizier, ebenfalls beim Dragonerregiment Nr. 9, die Albertine Katharina Göbel.2 3 Wenn wir im Geburtsbuch1 weiterblättem, entdecken wir noch die Eintragungen der Geburten von Geschwistern der Maria Henrika: Helene, geboren am 31.10.1884 und Josef, geboren am 12.12.1885 (sein Taufpate war der Onkel Jo­hann). Schließlich finden wir auch noch die Geburtseintragung des Cousins der drei Geschwister: Karl Heinrich, geboren am 14.7.1893, Sohn des Johann Links. Anton Links, der zuletzt Landwehr-Bezirks-Feldwebel war, schied mit 31.12.1891 aus dem Militärdienst aus und trat in den Zivil-Staatsdienst über.4 — Sollten danach noch weitere Kinder geboren worden sein, können deren Taufein­tragungen nur mehr in den Zivilpfarren gesucht werden. Denn Voraussetzung für die Immatrikulation in den Militärmatriken war der aktive Militärdienst zum Zeit­punkt des jeweiligen Ereignisses. Wobei noch zu beachten ist, dass für die k. k. Landwehr und für die königlich ungarische Honvéd im Frieden keine eigenen Ma- triken geführt wurden. Dank der Matrikenführung durch die Militärgeistlichen können wir heute auf ei­ne Fülle von Personendaten zurückgreifen. Dabei sind sowohl Soldaten, die inner­halb der jeweiligen Grenzen der Donaumonarchie heimatszuständig waren, zu finden, als auch Ausländer (zumeist Offiziere), die im habsburgischen Heer dien­ten. Jedoch sind die Angaben zur Person umso spärlicher, je älter die Matriken sind. Während ab ca. 1816 bei den Trauungseintragungen jeweils die Herkunft des Bräutigams und der Braut, als auch deren Eltern angeführt wurden, sind derartige Einzelheiten aus der Zeit der Franzosenkriege um 1800 kaum zu finden, sehr wohl aber Altersangaben der Brautleute. Wenn auch nur die notwendigsten Fakten vermerkt wurden und die Vollzählig­keit der Matrikeneintragungen leider nicht immer gegeben ist, stehen uns zum Teil Daten aus einer Zeit zur Verfügung, aus der noch keine Musterlisten5 erhalten ge­blieben sind: 2 Beide Eintragungen in: KA, Militärmatriken, AB 02756: DR Nr. 9, Trauungsbuch 1864-1918. 3 KA, Militärmatriken, AB 02752: DR Nr. 9. 4 KA, Qiialifikationslisten [jn Hinkunft: Quail.] Karton Nr. 1778. Über die in einer Qualifikationsli­ste enthaltenen Angaben vgl. auch den Beitrag von Rudolf Ganser in dieser Festschrift. 5 Die Musterlisten wurden von den einzelnen Regimentern geführt und sind im Kriegsarchiv ab etwa 1740 erhalten. - ihre Bedeutung für die genealogische Forschung wird in diesem Beitrag noch erläutert werden. 98

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