Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AUER, Leopold: Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Geschichtswissenschaft. Zum 250 jährigen Jubiläum seiner Gründung

Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Geschichtswissenschaft Ein ganzes Leben lang hat sich Max Braubach mit der Gestalt Prinz Eugens for­schend und darstellend auseinander gesetzt. Nach der ersten umfassenden Darstel­lung durch Alfred von Ameth ist lange kein Versuch einer Gesamtbiographie un­ternommen worden. Braubach war klar, dass sich trotz aller Vorarbeiten die For­schungen vor allem auf die Archive in Wien konzentrieren mussten. Lassen sie mich dazu ein weiteres dieser für unser Thema so nützlichen Vorworte zitieren: „Die planmäßige Durchsicht der im Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegenden Prinz- Eugen-Akten“, heißt es dort, hat doch noch manches zutage gefördert, was bisher nicht beachtet worden war, und wenn hier in der Hauptsache die an den Prinzen gelangten Berichte von Diplomaten und Agenten, aber auch etwa die Billette, die Kaiser Karl VI. mit eigener Hand an ihn richtete, vor allem die letzten Jahrzehnte seiner politischen Tätigkeit beleuchteten, so lieferten andere Bestände, die aus den Nachlässen jener Korrespondenten an das Archiv gelangt waren, auch die Weisungen und Mitteilungen im Original, die von ihm ausgin­gen”. Bei seinen Forschungen im Haus-, Hof- und Staatsarchiv wurde Braubach beson­ders von Hans Wagner und Walter Pillich unterstützt, wie wir gleichfalls seinem Vorwort entnehmen können. Gestalt wie Gestalter der europäischen Geschichte war ein Jahrhundert nach dem Prinzen Eugen auch Metternich, den man gelegentlich als den Kutscher Europas bezeichnet hat. Der ersten umfassenden Biographie durch Heinrich von Srbik wur­de verschiedentlich der Vorwurf gemacht, sich zu sehr auf Metternichs Denkwür­digkeiten und zu wenig auf Archivmaterial zu stützen. Um diesem Defizit abzuhel­fen hat der amerikanische Historiker Paul W. Schroeder 1961 im Journal of Mo­dem History eine Bilanz der Metternich-Forschung gezogen und notwendige zu­künftige Aufgaben aufgezeigt. Sein Artikel zusammen mit einer gleichfalls im Journal of Modem History erschienenen Neubewertung Metternichs durch Robert Kann35 36 haben eine wahre Hochkonjunktur der Metternich-Forschung in den näch­sten eineinhalb Jahrzehnten eingeleitet, die zahlreiche Forscher aus den Vereinig­ten Staaten, aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Ungam ins Haus-, Hof- und Staatarchiv geführt hat. Lassen Sie mich zumindest die wichtig­sten von ihnen Revue passieren: Schroeder selbst hat Metternich auf dem Höhe­punkt seiner europäischen Geltung während der großen Kongresse von Wien bis Verona behandelt, seine amerikanischen Kollegen Enno Kraehe und Alan Reiner- man erforschten Metternichs Politik gegenüber den deutschen Staaten und dem Papsttum, der Franzose Guillaume Bertier de Sauvigny die Beziehungen zum Frankreich der Restauration, Silvio Furiani und Angelo Ara widmeten sich Pro­35 Braubach, Max: Prinz Eugen von Savoyen. Bd. 1, Wien 1963, S. 11. Vgl. zu Braubach zuletzt Repgen, Konrad: Max Braubach. Leben und Werk. In: Annalen des historischen Vereins für den Niederrhein 202 (1999), S. 9-41. 36 Kann, Robert A.: Metternich: A reappraisal of his Impact on International Relations. In: Journal of Modem History 32 (1960), S. 333-339; Schroeder, Paul W.: Metternich Studies since 1925. In: Journal ofModem History 33 (1961), S. 237-260. 63

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