Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AUER, Leopold: Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Geschichtswissenschaft. Zum 250 jährigen Jubiläum seiner Gründung

Leopold Auer nen Arbeit dar. Angesichts eines Großunternehmens wie der Regesta Imperii und der Scharen von Historikern, die sich im letzten halben Jahrhundert mit Aspekten der Herrschaft Friedrichs III. auseinander gesetzt haben, eine wahrhaft unseren Respekt verdienende Leistung. Zudem war Chmel, wie schon Alphons Lhotsky bemerkt hat, auch in seiner wissenschaftstheoretischen Auffassung, die manches von dem vorwegnimmt, was später von Karl Lamprecht verlangt wurde, oft viel moderner als seine auf die politische Ereignisgeschichte und die große Einzelper­sönlichkeit fixierten Historiker-Zeitgenossen9. Einen Höhepunkt an wissenschaftlichem Ansehen brachten dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv Direktion und Persönlichkeit Alfreds von Ameth10 11. Er hat sich nicht nur selbst immer der Förderung seiner wissenschaftlichen Arbeit durch das Vorge­setzte Ministerium erfreuen können, sondern auch die Ermächtigung erhalten, die Bewilligungen zur Benützung des Archivs nach seinem Ermessen zu erteilen. Diese Öffnung des Archivs hatte nicht nur einen nachhaltigen Anteil am Aufschwung der österreichischen und deutschen, sondern darüber hinaus der gesamten europäischen Geschichtswissenschaft. Zugleich wurde verfügt, dass die wissenschaftliche Ver­wertung der historischen Schätze des Staatsarchivs Teil der amtlichen Beschäfti­gung jener Beamten sein sollte, die Lust und ausreichende Befähigung dazu besit­zen". Dieser Grundsatz blieb eigentlich bis heute die Richtschnur für die wissen­schaftliche Tätigkeit der Angehörigen des Hauses, wobei freilich ebenso bis heute auch die vormärzliche Einschränkung in Geltung blieb, dass die Dienstpflichten dadurch nicht vernachlässigt werden dürften. Ameth selbst hat von diesen Mög­lichkeiten vollen Gebrauch gemacht. Der Nachwelt ist er vor allem durch seine nach wie vor grundlegende zehnbändige Geschichte Maria Theresias bekannt ge­blieben - wie das Denkmal zwischen den Museen, zu dem er das Programm ent­worfen hat, ein beeindruckendes und vielleicht auch erdrückendes Monument, das von späterer umfassender wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Kaiserin eher abgeschreckt hat. Dass auch nach Ameth Mitglieder des Haus-, Hof- und Staatsar­chivs immer wieder Bedeutendes für die Geschichtswissenschaft geleistet haben, ist nicht zuletzt in ihrer Ausbildung am Institut für österreichische Geschichtsfor­schung begründet, aus der sich ein für Österreich spezifisches enges Verhältnis zwischen Archiv und Forschung ergeben hat. So haben Angehörige des Haus-, Hof- und Staatsarchivs wie Oskar von Mitis, Hans Schiitter, Ludwig Bittner oder 9 Vgl. Lhotsky, Alphons: Joseph Chmel zum hundertsten Todestage. In: Derselbe: Aufsätze und Vorträge. Hrsg, von Hans Wagner und Heinrich Koller. Bd. 4. Wien-München 1974, S. 244-269 und Rübsamen, Dieter- Heinig, Paul-Joachim (Hrsg ): Regesten Kaiser Friedrichs III. Son­derband 1 (Register). Wien-Weimar-Köln 1992, S. 9-14. 10 Vgl. zu ihm Nerath, Sonja: Alfred Ritter von Ameth. Lebensbild eines österreichischen Histo­rikers. Diss. Graz 1968 und Weinzierl: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (wie Anm. 7), S. 262 f. 11 Weinzierl: Haus-, Hof- und Staatsarchiv (wie Anm. 7), S. 264. 56

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