Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AUER, Leopold: Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Geschichtswissenschaft. Zum 250 jährigen Jubiläum seiner Gründung

DAS HAUS-, HOF- UND STAATSARCHIV UND DIE GESCHICHTSWISSENSCHAFT Zum 250-jährigen Jubiläum seiner Gründung von Leopold Auer 1999 war ein Jahr der Jubiläen. Goethe, Richard Strauss, Johann Strauß Vater und Sohn haben sozusagen als Jahresregenten das kollektive Gedenken zumindest in Österreich beherrscht; dazu kam eine Reihe von Jubiläen, die weniger ins Be­wusstsein der Allgemeinheit gedrungen sind: Velazquez und Borromini, Chopin und Schönberg, Franz Kafka, der Tod Kaiser Arnulfs und Papst Gregors V., die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer, der Schweizerkrieg Maximilians I. und der Basler Friede, die Flinrichtung Karls I. von England1, der Friede von Kar- lowitz, der Staatsstreich Napoleons vom 18. Brumaire, die Gründung der NATO und der Bundesrepublik Deutschland - die Liste ließe sich fast beliebig lang fort­setzen. Bevor nun dieses Jubiläumsjahr zu Ende geht, soll im Folgenden wenig­stens in bescheidener Form auch noch eines anderen Jubiläums gedacht werden, das zumindest für die Geschichtswissenschaft von einiger Bedeutung ist, nämlich der Gründung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs vor 250 Jahren. Mit dem decretum instructivum Maria Theresias vom 13. September 17492 wurde eine Institution geschaffen, die sich im Laufe ihrer Geschichte zu einer der großen weltbekannten Stätten historischer Forschung und damit zu einem riesigen Spei­1 Auf dieses Jubiläum verwies der englische Historiker Edward McCabe in seinem Beitrag zur Zweihundertjahrfeier des Archivs; vgl. McCabe, Edward: Another centenary. The execution of Charles I. In: Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staats­archivs. Bd. 2, Wien 1951, S. 334-338. - Der vorliegende Beitrag wurde am 14. Dezember 1999 im Neubau des Österreichischen Staatsarchivs als Vortrag gehalten. Die um Anmerkungen ver­mehrte Druckfassung, für die im Übrigen die Form des Vortrags beibehalten wurde, sei Erika Weinzierl, die ihre wissenschaftliche Laufbahn am Haus-, Hof- und Staatsarchiv begonnen und sich auch selbst mit diesem Thema beschäftigt hat (vgl. Anm. 7), zum 75. Geburtstag am 6. Juni 2000 gewidmet. 2 Dieses Datum wird üblicherweise als Geburtsdatum des Archivs genannt; vgl. Kohler, Alfred - Kammerhofer, Leopold - Springer, Elisabeth (Hrsg ): Die Bedeutung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs in Wien als Archiv und als Stätte internationaler Forschung. In: Archiv und For­schung. Wien 1993 (Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 20), S. 9-18, hier S. 14 und Anm. 18. Dass dieses Datum, wie bei anderen Jubiläen auch, kein Gründungsdatum im formalen Sinn darstellt, bemerkt schon Winter, Gustav: Die Gründung des kaiserlichen und königlichen Haus-, Hof- und Staatsarchivs 1749-1762. In: Archiv für österreichische Geschichte 92 (1903), S. 1-82, hier S. 19 und S. 21. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48/2000 53

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