Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AGSTNER, Rudolf: Österreichische Konsulate in der Schweiz

nach St. Moritz mit, wo er diese in einem zu mietenden Kassaschrank in seinem Schlafzimmer unterbrachte. Da schließlich die Curhaus-Direktion die Verpflichtung übernommen hat, einen ver­läßlichen Hotelangestellten in den an das Kassazimmer anstoßenden Raum einzulogie­ren, so daß die Kanzleilokalitäten auch nachts nicht ohne entsprechende Bewachung bleiben, hoffte Stepski124 125, „alle zweckdienlichen Vorkehrungen getroffen zu haben, um die Kompromittierung von Amtsgeheimnissen durch Einbruchdiebstahl etc. zu verhindern.“ Stepski begrüßte es jedenfalls, daß mich die dienstlichen Notwendigkeiten zwangen, eine Art Zweigstelle des Davo- ser Konsulates in St. Moritz zu eröffnen. Dieser kosmopolitische Wintersportplatz war nämlich ein Zentrum der internationalen Kriegsspionage geworden, in dem bis herab zum niedrigsten Hotelpersonal nahezu jedermann zu irgendeinem Nachrichtendienst in Beziehung stand [...]. Wie lange Stepski in St. Moritz amtierte, ist aus den Akten nicht ersichtlich. Sei­ne Aktivitäten St. Moritz wurden jedenfalls von den Schweizer Behörden genau überwacht. Im Schweizer Bundesarchiv126 findet sich u. a. ein „aide mémoire“ der italienischen Gesandtschaft wegen der Propagandaaktivitäten Stepskis im Puschlav (Poschiavo) und Hinweise dass die Schweizer Behörden Stepski in St. Moritz ob­servierten. Der Gemeindepräsident von St. Moritz musste sich jedenfalls an Hand eines Fragebogens zur Person Stepskis äußern; die wesentliche Frage lautete, war­um sich Stepski in St. Moritz und nicht in Davos aufhalte [...]. Aus der Antwort geht hervor, dass die Gattin den Anblick vieler kranker Menschen in Davos nicht ertragen würde [...]. Stepski verwendete jedenfalls Briefpapier mit dem Kopf „Der k. u. k. General­konsul für den Kanton Graubünden“ und den beiden Adressen „Davos, Villa Bata­va“ / „St. Moritz, Hotel Albana“, von denen jeweils eine durchgestrichen war. Interessanterweise scheint ein Konsulat St. Moritz auch in den Standes-Nachweisen des k. u. k. Ministeriums des Äußern bis Oktober 1918 nicht auf. Österreich-Ungarn war nicht der einzige Staat, der im Ersten Weltkrieg in Davos ein „Konsulat für Graubünden“ unterhielt. Immerhin war das k. u. k. Konsulat mit einem Generalkonsul besetzt, Österreich-Ungarn somit höchstrangig vertreten. 1918 bestanden folgende Konsulate: Deutsches Reich (K, Villa Waldfriede, Davos- Platz), Großbritannien (VK, Haus Baratelli), Niederlande (VK, Niederländisches Sanatorium), Portugal (K, Promenade 21, Davos-Platz), Rußland (VK; Villa Ri- chemond, Davos-Platz), Frankreich (KA, Villa Richemond, Davos-Platz).127 Die verschiedenen Konsulate, die meist miteinander im Kriegszustand befindliche Österreichische Konsulate in der Schweiz - Teil I 124 ÖStA, HHStA, AR, F 8, K 120, K. Davos 106 res vom 28. April 1917. 125 Stepski, S. 284. 126 Bundesarchiv Bern, Bestand E 2 001 (A) EPD 1896-1918-1942. 127 Adreßbuch für die Landschaft Davos, 3. Ausgabe, 1918, S. 43, Konsulate. 51

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