Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
AGSTNER, Rudolf: Österreichische Konsulate in der Schweiz
Österreichische Konsulate in der Schweiz - Teil I gast in Davos eingetroffen war und sich 1910 in Davos-Dorf ein Haus gekauft hatte. Nachdem Soest am 24. Juli 1916 in Davos nach jahrelangem Lungenleiden verstorben war, wurde am 7. August 1916 Konsul Julius von Stepski-Doliwa mit der Leitung des Honoraramtes betraut. Stepski übernahm die Leitung des Amtes am 22. August vom prov. Gerenten Vizekonsul Tibor von Pözel, der zur Gerenz des k. u. k. Konsulats nach Plojesti in Rumänien versetzt worden war, und brachte das Amt ab 1. September 1916 in der „Villa Batava“, die er von der Curhaus Davos AG gemietet hatte unter. Stepski erinnert sich in seinen Memoiren'21 an die Zeit in Davos: Durch den Krieg waren eben zwangsläufig auch vorher völlig bedeutungslose und uninteressante Posten in den neutralen Ländern von einem Tag auf den anderen von Wichtigkeit geworden [...]. Auch Davos, diese traurige Hauptstadt der Schwindsucht, wo sich früher nur ein von einem schwerkranken Offizier geleitetes Honoraramt befand, hatte plötzlich derart an dienstlicher Bedeutung für uns gewonnen, daß der pflichttreue Rittmeister bereits nach einigen wenigen Monaten an Überarbeitung starb121 122. Sehr geschickt hatte dieser mutige Mann in aller Stille mit Hilfe geeigneter Vertrauenspersonen [...] eine erstaunlich gut arbeitende Nachrichtenorganisation aufgebaut, die sich unschwer ausgestalten ließ. Auf diese Weise war es beispielsweise auch gelungen, rege Beziehungen zu den in die Schweiz geflüchteten russischen Revolutionären anzuknüpfen. Unter ihnen befanden sich neben Lenin und Ziwin die meisten der späteren bolschewistischen Größen. Auch der rein konsularische Wirkungskreis in Davos war naturgemäß wenig erfreulich. In der Absicht, den vielen kranken Landsleuten nach Möglichkeit beizustehen, lernte ich hier aus eigentlich Unbeteiligter jenes unerhört organisierte Ausbeutungssystem gründlich kennen, das sich unter den Schlagworten Kurbetrieb, Fremdenindustrie usw. entwickelt hatte [...]. Abb. 6: Lage des k. u. k. Konsulats Davos 1916/17 121 Julius von Stepsk i, Geschichte und Intrige, Wien 1940, S. 283-284. 122 Hier irrt Stepski. 49