Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AGSTNER, Rudolf: Österreichische Konsulate in der Schweiz

Wunsch seines Schwiegervaters Johann Hirter übernahm er 1904 gemeinsam mit Albert Oder das Speditions- und Camionagegeschäft Hirters.105 106 Er erhielt sein Exequatur am 18. Januar 1926, das Konsulat nahm aber schon am 1. Januar 1926 in der Christoffelgasse 4 seine Tätigkeit auf. Bis zu diesem Zeit­punkt hatte die Gesandtschaft die Konsulatsgeschäfte für die Kantone Bem, Neu­enburg, Freiburg, Waadt, Wallis und Genf besorgt. Kehrli wurde im Dezember 1927 zum Honorargeneralkonsul ad personam er­nannt"16 und legte Ende Februar 1930 seine Funktion zurück. Bis zur Ernennung eines Nachfolgers wurden die Konsulatsgeschäfte von der Gesandtschaft Bem wahrgenommen.107 108 Am 24. bzw. 25. März 1930 unterfertigten Österreichs Gesandter Hoffinger und der Schweizer Bürger Emil Pfilter"“, Direktor der „Chocolat Tobler A.G.“, in Bem den „Vertrag betreffend die Bestellung [...] zum Honorarkonsul der Republik Österreich mit dem Sitz in Bern“ und „Amtsbefugnis in den Kantonen Bem, Frei­burg, Neuenburg und Wallis.“ Herr Pfirter verpflichtet sich, die Rechte und Interessen der Republik Österreich sowie der öster­reichischen Bundesbürger im Rahmen seines Wirkungskreises mit allem Nachdrucke zu vertreten [...]. Herr Emil Pfirter verpflichtet sich, sämtliche Amtsauslagen zu tragen, wogegen ihm eine Beteiligung an den Gebühreneinnahmen des Konsulates mit Aus­nahme der Perzentgebühren im Betrage von jährlich 1 200 Franken zugesichert wird [...]. Pfirter war 1878 in Pratteln bei Basel geboren; nach Absolvierung seiner Studien trat er 1902 in Schweizer Bundesdienst, dem er in verschiedenen Verwendungen bis zum Jahre 1919 angehörte. Nach vorübergehender Tätigkeit beim Verband schweizerischer Konsumvereine in Basel trat er im Jahre 1921 als Finanzinspektor bei der AG Chocolat Tobler in Bem ein und wurde in Jahre 1926 zum Direktor des Unternehmens ernannt.109 Am 22. April zum Honorarkonsul bestellt — „ein Ministerratsbeschluß war nicht erforderlich, da es sich nur um die Nachbesetzung eines bereits bestehenden Po­stens handelt“, erhielt Pfirter das Exequatur am 3. Mai 1930 und nahm seine Amtstätigkeit in der Schanzenstraße l / Laupenstraße 2 auf; an der Adresse Lau- penstraße 2 befand sich seit der Übersiedlung aus Schaffhausen im Jahre 1929 der Sitz der Chocolat Tobler Holding Co. AG. Im Mai 1933 übersiedelte die Chocolat Tobler Holding AG - und mit ihr das österreichische Honorarkonsulat - an die Länggaßstraße 51; auf Nr. 49a Länggaßstraße befand sich die Schokoladefabrik Tobler. Infolge der schlechten Lage der österreichischen Staatsfinanzen wollte die Österreichische Konsulate in der Schweiz - Teil 1 105 Nekrolog „Der Bund“ 10. November 1955. 106 ÖStA, AdR, Präsidentschaftskanzlei ZI. 8 055, BKA 179 661-13/pers vom 20. November 1927. 107 Schweizerisches Handelsamtsblatt (SHAB), 3. März 1930, No. 51, S. 448. 108 Die Familie Pfirter sind Nachkommen der Familie von Pfirt aus dem Elsaß; Anna von Pfirt war die Mutter von Erzherzog Rudolf IV, dem Stifter. 109 ÖStA, AdR, Präsidentschaftskanzlei ZI. 2 726 vom 11. April 1930; BKA 132 745-13/pers vom 4. April 1930. 45

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