Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Die Seitenaltarbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald nen, die zumeist nur eine geringe oder vorübergehende Wirkung besaßen, waren häufig „eine Mischung von Belehrung und Inquisition“52. Bis zum Ende blieb Kaiserin Maria Theresia - wie der Konflikt mit Joseph um die protestantische Enklave in Ungarisch-Hradisch im Jahr 1777 zeigt - eine Geg­nerin der freien Religionsausübung und Verteidigerin der Kirchenffömmigkeit älteren Stils53. Das maria-theresianische Projekt der Pfarregulierung von 1752/1756 beweist aber gleichzeitig, dass wichtige Reformvorstellungen Josephs II. (Religionsfonds, Pfarregulierung und die Errichtung neuer Seminare) bereits auf die Mutter des Kaisers oder deren Mitarbeiter (Kaunitz, Manzador, Christiani, Bartenstein u. a.) zurückgehen54. Vielleicht wurde diese Pfarregulierung zusätzlich durch Muratoris Schriften, die seelsorgliche Anliegen in den Vordergrund stellten, stimuliert55. Dies bedeutet, dass jenes staatskirchliche System, das mit „Josephinismus“ be­zeichnet wird, bereits unter Maria Theresia in den fünfziger Jahren ausgearbeitet und in Kraft gesetzt wurde, während es Joseph nach dem Tod seiner Mutter mit der ihm eigenen Radikalität durchführte56. Die häufig unzureichende Pfarrorganisation auf, Vorschläge zur Verbesserung der Seelsorge auszuarbeiten, vgl. Möseneder, Karl: Barto­lomeo Altomonte und die Ikonographie des Augustiner-Chorherrenstiftes Herzogenburg. Monasti- sche Selbstdarstellung in der Frühaufklärung. In: Kunstjahrbuch der Stadt Linz 1989, S. 56-80, hier S. 76. 52 Reinhardt: Kirchenreform, S. 108; Wandruszka: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 61 f. 53 Walter, Friedrich: Die religiöse Stellung Maria Theresias. In: Theologisch-praktische Quartal­schrift 105 (1957), H. 1, S. 34-47, hier S. 42-44; Wandruszka: Geheimprotestantismus, S. 99; Wandruszka: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 67;ZöIlner, Erich: Geschichte Öster­reichs. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wien-München 8. Aufl. 1990, S. 316. 54 Reinhardt: Kirchenreform, S. I19;Wandruszka: Geheimprotestantismus, S. 97. 55 Garms-Cornides, Elisabeth: Lodovico Antonio Muratori und Österreich. In: Römische Flistorische Mitteilungen 13 (1971), S. 333-351, hier S. 340; vgl. Zlabinger, Eleonore: Lodo­vico Antonio Muratori und Österreich. Innsbruck 1970 (Veröffentlichungen der Universität Inns­bruck 53). 56 Wandruszka: Geheimprotestantismus, S. 99; Derselbe, Maria Theresia und ihre Zeit. In: Maria Theresia und ihre Zeit. Eine Darstellung der Epoche von 1740-1780 aus Anlaß der 200. Wiederkehr des Todestages der Kaiserin, hrsg. von Walter Koschatzky. Salzburg-Wien 1979, S. 17-39, hier S. 36; Derselbe: Maria Theresia - Die große Kaiserin, S. 59 f.; Leidl, August: Das Ende des Großbistums Passau. Die gewaltsame Abtrennung des österreichischen Teiles im Jahr 1783. In: Ostbairische Grenzmarken 25 (1983), S. 21-30; Weißensteiner, Johann: Die Diözesanregulierung Kaiser Josephs II. und das Erzbistum Wien. In: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich N. F. 52 (1986), S. 270-313. Zur Geschichte der katholischen Aufklärung und des Frühjosephinismus: M a a s s, Ferdinand: Maria Theresia und der Josephinismus, ln: Zeit­schrift für katholische Theologie 79 (1957), S. 201-213; Derselbe, Der Frühjosephinismus. Wien 1969 (Forschungen zur Kirchengeschichte Österreichs 8, Josephinische Abteilung 3); Her­sehe, Peter: Der aufgeklärte Reformkatholizismus in Österreich. Bern-Frankfurt a. Main 1976 (Quellen zur neueren Geschichte 33); Kl u et ing, Harm (Hrsg.): Der Josephinismus. Ausge­391

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