Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Die Seitenaltarbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald Entstehung der Kreidezeichnung lässt sich somit mit einem terminus post quem von 1740 (Maria Theresia als Erzherzogin von Österreich) einschränken. Das In­teresse der Erzherzogin und späteren Kaiserin an der hl. Theresia von Avila geht demnach bereits sicher in die Zeit vor der Entstehung des Laxenburger Altars zu­rück. Das Pendantbild zur Theresia von Avila am südlichen Seitenaltar stellt den hl. Franz Xaver SJ34 dar. Eine Identifikation des im Gemälde Dargestellten mit dem hl. Franz Regis SJ35, wie sie aus dem Grundriss der Laxenburger Pfarrkirche heraus­gelesen werden könnte, ist auf Grund ikonographischer Merkmale nicht möglich. Die Pilgerattribute wie Stab und Muschel verweisen eindeutig auf Franz Xaver. Eine gute Vergleichsmöglichkeit bietet hier Lorenzo Mattiellis umfangreiches Programm von Heiligenstatuen an der Außenseite der Katholischen Hofkirche in Dresden, das in den Jahren von 1740 bis 1747 ausgefiihrt worden ist36. Die Figuren des hl. Franz Regis und des hl. Franz Xaver sind unter anderen durch Nachstiche von Lorenzo Zucchi (f 1779) überliefert37. Eine Differenzierung im Typus zwi­schen den beiden Jesuitenheiligen ist hier dadurch erzielt worden, dass der hl. Franz Regis lehrend mit Kreuz und offenem Buch dargestellt sowie mit Rochett und der Stola bekleidet ist, der hl. Franz Xaver hingegen in Pilgertracht mit Hut, Muschel und Wanderstab gegeben ist38, ein Typus, der in der Barockzeit zuweilen auch beim hl. Ignatius von Loyola Anwendung fand39. 34 Zur Ikonographie des hl. Franz Xaver; Biblioteca Sanctorum. Roma 1964. Bd. 5, Sp. 1237 f. (Angelo Maria Raggi), Lexikon der christlichen Ikonographie. Rom- Freiburg/B.-Basel-Wien 1974. Bd. 6, Sp. 324-327 (Theodor Kurrus). 35 Zur Ikonographie des hl. Franz Regis: Biblioteca Sanctorum. Roma 1965. Bd. 6, Sp. 1002-1007 (Ferdinand Baumann); Lex ikon der christlichen Ikonographie, Sp. 321 f. (Theodor Kurrus); Held, Jutta: Michel-Ange Houasse in Spanien. Zum Stil seiner Gemäl­de und Zeichnungen. In: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst 3. F. 19 (1968), S. 185-206; Dieselbe, Goya's Early Church Paintings. In: Dieselbe (Hrsg.): Goya. Neue Forschungen - Das internationale Symposium 1991 in Osnabrück. Berlin 1994, S. 29-39, hier S. 35. 36 H e m p e 1, Eberhard: Gaetano Chiaveri - Der Architekt der katholischen Hofkirche zu Dresden, mit bautechnischen und zeichnerischen Beiträgen von Walter Krönert. Dresden 1955 (Dresdner Beiträge zur Kunstgeschichte 1), S. 127-159, hier S. 154, 156, Abb. 118, 120. 37 Ebenda, Abb. 118, 120. 38 Der Pilgertypus in der Ikonographie Franz Xavers ist weit verbreitet: Vgl. Sassoferratos Bild des hl. Franz Xaver: Künstle, Karl: Ikonographie der Heiligen. Freiburg/B. 1926, S. 256 (Abb. o. O.); Lechner OSB, Gregor Martin: Heiligenporträts - Eine Auswahl aus der Göttwei- ger Sammlung. Krems/D. 1988 (Ausstellungskatalog des Graphischen Kabinetts des Stiftes Gött- weig 37), S. 96, Nr. 102 (Stich von Anton Birckart [f 1748]); Katalog: Die J esuiten in Ingol­stadt 1549-1773. Stadtarchiv, Wissenschaftliche Stadtbibliothek, Stadtmuseum Ingolstadt. Ingol­stadt 1991, S. 308 (mit Abb.); Appuhn-Radtke, Sibylle: Petrus Canisius im Bild. Entwick­lungsstadien einer Heiligenikonographie. In: Jahrbuch des Vereins für Augsburger Bistumsge­schichte 30 (1996) [Petrus Canisius - Reformer der Kirche, Festschrift zum 400. Todestag], S.~ 244-274, Abb. 83 (Dillingen, Studienkirche, Deckenfresko von Christian Thomas Scheffler, 1750). 387

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