Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Eimer Wein (= ca. 1 200 Liter) 188 Gulden 30 Kreuzer zu bezahlen425 und einige Monate später verspricht er dem Ranft, unserem dreuen Rath und unserer leibli­chen hertzvielgeliebtesten Frau Mutter und den vielen kleinen unverzogenen Kin­dern zu ihrer besserere Unterhaltung ein Jahresdeputat von 300 Gulden aus seinen Einnahmen von der Maut Mauthausen.426 Auch sein eigener Aufwand ist üppig: Im Mai 1620 kauft er beim Wiener Han­delsmann Stein Waren im Wert von 2 053 Gulden und im Juli um 3 000 Gulden.427 * 429 430 Zur Deckung dieser Ausgaben schickt er im Juli den Handelsmann Allesandro Ferrari nach Venedig und Mailand, damit er dort für ihn Juwelen zu einem Schätz­wert von 24 000 Mark = 61 500 Lire verkaufe. Diese Juwelen stammen aus der Erbschaft von Kaiser Matthias und ihr hoher Wert scheint doch auf eine Wertschät­zung - oder schlechtes Gewissen - des Verstorbenen hinzudeuten.42* In seinen Geldangelegenheiten wird Matthias bei Ferdinand II. sogar persönlich vorstellig und bittet ihn mündlich um das Rebellengut Kreizenstetten (Kreuzstetten), damit er sich zu der bevorstehenden Raiß mit der bedürftigen Zeh­rung darzu zeitlicher versehen khünt. Ferdinand II. will aber das Gut nicht verlei­hen, sondern verkaufen und ihm aus dem Verkauf mit 25 000 Gulden helfen - bis dahin soll er sich gedulden.425 Matthias geduldet sich bis ins Frühjahr 1621, dann bittet er dringend um Hilfe. Von den 25 000 Gulden hat er bis dato ganze 1 000 Gulden erhalten. Seine Kleinode hat er bereits versetzt und kein Geld mehr, sie auszulösen; auch von der Pension, die ihm Erzherzog Albert zugedacht hat, kann er nichts bekommen. Ferdinand II. antwortet ihm, er sollte selber überlegen, wie er zu seinem Geld kommen könnte. Matthias schlägt nun vor, daß man ihm das Gut Wümitz einräume und die vielen Schulden, die auf dem Gut liegen, auf Kreuzstetten transferiere. Das Gut Wümitz wird auf 30 000 Gulden geschätzt — die Differenz will er in der Hofkammer in bar erlegen. Das ist aber rechtlich nicht möglich. Danach will Matthias mit seiner For­derung an den Kardinal Dietrichstein - der leitet die Verwertung der böhmischen und mährischen Rebellengüter - verwiesen werden. Ferdinand II. befiehlt nun Dietrichstein, dem Don Matthias mit Geld auszuhelfen — freilich soll zuerst die Armee bezahlt werden, was den früheren Befehl faktisch aufhebt.43“ Endlich im August sieht der Kaiser einen Weg, wie er Matthias helfen kann: Carl Hannibal von Dohna soll dafür sorgen, daß Don Matthias seine noch offenen 24 000 Gulden aus der Bewilligung der schlesischen Fürsten und Stände, die zu Bartholomei fällig ist, 425 HKA, nö.K., 1648 Feb 25, fol. 58 f. 426 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 58 und 70. 427 HKA.Nö. HA, W 61A/9, fol. 888. 42* HKA, Konv Don Matthias, fol. 157. 429 HKA, HF 1621 Jun 17, fol. 23 f. 430 HKA, HF, r. Nr. 183, 1621 Okt 17, fol. 1-24. 72

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